Zu Besuch in der zweiten Heimat Bolivien
HASLACH. Mit den Erlösen des MaPaKi-Straßenfestes in Haslach, das nun wieder vor der Türe steht, macht die Hilfsorganisation Maya Paya Kimsa in Bolivien das Leben von Straßenkindern ein wenig leichter. Der Gründer der Hilfsorganisation, Martin Berndorfer, brachte bewegende Erinnerung von einem Besuch vor Ort mit nach Hause.

Dass die Arbeit von Maya Paya Kimsa in Bolivien wichtiger denn je ist, davon konnte ich mich vor kurzem persönlich überzeugen. Im Dezember waren meine Familie und ich zum ersten Mal, seit wir vor fast sieben Jahren nach Österreich übersiedelt sind, wieder in unserer zweiten Heimat El Alto/Bolivien, wo wir 15 Jahre lang lebten. Die Freunde und Kollegen bei Maya Paya Kimsa sind Teil unserer Familie.
Nach einer Begrüßungsfeier nutzten wir die Zeit zum Austausch, zur Reflexion und zur Planung. Mit großem Interesse verfolgten meine Frau Andrea und ich die Ausführungen der Mitarbeiter zu den aktuellen Aktivitäten und Herausforderungen. Seit der Pandemie sieht man auf der Straße viele Kinder, die zwar noch Kontakt mit den Eltern haben und nicht auf der Straße übernachten, aber die meiste Zeit des Tages dort verbringen. Oft machen sie ihre Schulaufgaben am Marktstand der Mutter, ziehen dann umher und bleiben immer länger am Abend aus. Dadurch kommen sie ständig und direkt in Kontakt mit Drogen, Kriminalität oder Jugendlichen, die bereits auf der Straße leben. Um ihnen eine Alternative zu bieten, gibt es bei Maya Paya Kimsa für sie jetzt die Möglichkeit, ihre Hausaufgaben zu machen und von einem Nachhilfelehrer unterstützt zu werden. So verbessern sich auch ihre schulischen Leistungen. Denn bei Misserfolg ist der Grat zum Schulabbruch in Richtung Straße sehr schmal.
Die Früchte der Arbeit
Sehr schön war auch der Besuch in unserem Reintegrationsprogramm. Dort erwartete uns eine Gruppe sechs junger Frauen und einer Familie, die mit Unterstützung von Maya Paya Kimsa den Ausweg aus der Straße gefunden haben und jetzt ein selbstständiges Leben führen.
Bewegend war für mich persönlich das Treffen mit Junior, einem mittlerweile jungen Mann, den ich vor mehr als 20 Jahren auf der Straße als Burschen kennengelernt und über Jahre persönlich begleitet habe. Sein Weg war gezeichnet von Fortschritt und Rückfall, bis er vor etwa vier Jahren mit seiner Frau und seinen Kindern Stabilität durch eine Arbeit und einen Platz zum Wohnen gefunden hat. Seine Kinder gehen zur Schule und machen einen gesunden, glücklichen Eindruck – ein ganz besonderer Moment der Reise. Genauso auch, als die sechs Frauen erzählten, wie stark sie von der Hilfe von Maya Paya Kimsa profitierten – und mittlerweile auch nicht mehr auf die Hilfe angewiesen sind. Um sich und andere Frauen in einer ähnlichen Situation zu unterstützen, haben sie eine Art Selbsthilfegruppe geschaffen. So treffen sie sich von Zeit zu Zeit, tauschen Telefonnummern aus und helfen sich gegenseitig in schweren Zeiten.
Stolz auf das Erreichte
Solche Geschichten machen einen sehr stolz auf Maya Paya Kimsa, denn das ist nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe, die es schafft, reale Lebensgeschichten positiv zu verändern. Damit Maya Paya Kimsa auch weiterhin für die Kinder, jungen Familien, Frauen und Mütter da sein kann, brauchen wir Unterstützung, und daher möchten wir alle herzlich zu unserem Straßenfest, am 16. Juni im Pfarrzentrum Haslach einladen. Der Reinerlös kommt der Arbeit in Bolivien zugute.


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