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Weinbau-Pionier Gottfried Kriegner: „Wir Winzer sind sicher Profiteure des Klimawandels“

Martina Gahleitner, 24.07.2024 05:28

PUTZLEINSDORF/BEZIRK ROHRBACH. Vor 20 Jahren war es das Pionierhafte, das Gottfried Kriegner am Weinbau gereizt hat. Mittlerweile haben es ihm viele nachgemacht. Der Wein wächst und gedeiht vielerorts im Oberen Mühlviertel in hervorragender Qualität.

  1 / 8   Gottfried Kriegner in seinem Paradies: 1.280 Rebstöcke gediehen hier am Bründlberg in Putzleinsdorf. (Foto: Gahleitner)

Rund 40 Winzer beschäftigten sich in Oberösterreich auf 100 Hektar mit dem professionellen Weinbau. Das sind nur 0,2 Prozent aller Weingärten in Österreich, aber der Weinbau hat in den letzten Jahren hierzulande eine besondere Dynamik entwickelt. Dass auch die Qualität stimmt, bewies etwa Philipp Fuchs aus Sarleinsbach mit seinem dritten Platz beim PIWI-Wein-Wettbewerb in Tschechien (Tips berichtete: https://www.tips.at/nachrichten/rohrbach/wirtschaft-politik/650198-zweimal-edelmetall-fuer-sarleinsbacher-weine).

Auch Gottfried Kriegner, Hobby-Weinbauer aus Putzleinsdorf, hat schon einige Preise geholt. Die schönste Bestätigung kommt für ihn aber von den Leuten, die seine Weine kosten und denen dieser schmeckt. „Das ist viel mehr wert als eine theoretische Bestätigung.“ Kriegner war einer der Pioniere unter den heimischen Winzern: Um „eine sinnvolle Aufgabe in der Pension“ zu haben, hat der ehemalige Putzleinsdorfer Amtsleiter 2004 ein 8.000 m2 großes Wald- und Sumpfbrache-Grundstück angekauft, dieses gerodet und angepasst und die Gebäude-Infrastruktur schrittweise erweitert. „Jetzt bin ich in der Genussphase“, sagt der Winzer und meint damit, dass auch sein letztes Projekt – ein Verkostungsraum – fertig ist.

Arbeitsintensives Hobby

Wobei: Die Arbeit geht natürlich nicht aus. 1.280 Rebstöcke (der Sorten Phönix, Solaris, Bronner, Saphira, Regent, Isabella) wollen im Frühjahr geschnitten werden. Jetzt im Sommer ist es die Laubarbeit – das Wipfeln, Einwickeln, Entblättern, Geizen –, und die Unterstockpflege, die Kriegner fordern. Schädlinge müssen beobachtet werden und im Herbst beginnt eh schon die Lesearbeit, die mit „vielen verlässlichen Freunden, Bekannten und Verwandten geschafft wird“. Im Winter ist Kellerei-Wirtschaft angesagt, ehe der Jahreskreislauf von vorne beginnt.

„Den klimatischen Nachteil müssen wir mit viel Arbeit ausgleichen. Aber wir Winzer sind sicher einer der Profiteure vom Klimawandel“, sagt Gottfried Kriegner. Sein Weingarten hätte es am liebsten, wenn es nur trocken und heiß wäre, denn „Grundwasser ist ausreichend vorhanden“, sagt der Putzleinsdorfer. Und schon immer war seine Philosophie: „Sheng fui“. Heißt: „Wenn man der Natur viel schenkt, dann kriegt man auch viel zurück.“

Steinmauer, Teich, Hecken, der große Obstbaumgarten, der Wald und auch die Rebanlagen bieten vielen Tieren Lebensraum und Nahrung. „Ich lebe nicht vom Weinbau und kann der Natur freien Lauf lassen“, sagt Kriegner. Dennoch verteidigt er die Trauben gegen Vögel, Wespen, Eichhörnchen. Schließlich sollen im Gewölbekeller wieder gute Weine reifen.

Vom Anfänger zum Mentor

Am Weinbau gefällt ihm die Vielseitigkeit und Komplexität. „Man muss sich mit so vielen Themen auseinandersetzen“, sagt er und ist seinen Wegbegleitern der vergangenen Jahre heute noch dankbar. Jetzt gibt Gottfried Kriegner selbst das erworbene Wissen weiter und macht auch viele Rebschnitte im Frühjahr. „Der Weinbau wird immer mehr zum Thema im Mühlviertel“, sagt er und freut sich darüber.


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