ROHRBACH-BERG. Seit im Jahr 2015 der erste Flüchtling in die Bezirkshauptstadt gekommen ist, beschäftigt sich Reinhard Hacker mit Asylsuchenden und lernt mit ihnen Deutsch. In den mehr als zehn Jahren hat der Rohrbacher viele schöne Erfolge erlebt, auch wenn er manche Maßnahmen kritisch beurteilt.
Für Hacker ist klar: „Das Wichtigste ist, Deutsch zu sprechen und zu verstehen und das Leben bei uns kennenzulernen – nicht die perfekte Grammatik. Perfektes Deutsch können ohnehin nicht viele Leute, die B2-Prüfung würden vermutlich nur wenige Österreicher schaffen.“ Der ehemalige Berufsschuldirektor steht also den angebotenen Deutschkursen und auch den Deutsch-Lehrplänen in Schulen kritisch gegenüber: „Da werden viele Dinge unterrichtet, die nicht aktuell sind und die viele nicht brauchen werden.“
Viele positive Beispiele
Seine Kurse für geflüchtete Menschen entsprechen nicht hundertprozentig den Vorgaben der Niveaustufen, aber Hacker begleitet sie bis zur Prüfung. Auch wenn manche scheitern, gibt es doch schöne Geschichten zu erzählen: Etwa von P., der 2015 zu Fuß vom Iran nach Österreich gekommen ist. „Er wollte frei sein, frei denken und sagen können, was er für richtig hält, deshalb verließ er sein Land“, berichtet Reinhard Hacker. Nach einer erfolgreich absolvierten Lehre und einiger Praxis arbeitet P. seit zwei Jahren als Bademeister im Hallenbad und lebt mit seiner Frau in Rohrbach.
M. aus Somalia kam als Jugendlicher und nach einer abenteuerlichen Irrfahrt ins Mühlviertel. Dank Hilfe und Unterstützung konnte er die Schulbildung nachholen und arbeitet jetzt für das Rote Kreuz in der Flüchtlingsbetreuung.
A., ein gelernter Tischler aus Syrien, bekam als vielseitiger Handwerker einen Job. Jeden Euro, der ihm blieb, schickte er in die Türkei, wohin seine Familie geflüchtet war – bis diese endlich nachziehen konnte. Hacker kennt noch viele solcher positiven Beispiele, die für ihn Motivation sind, weiterhin freiwillig als Deutschlehrer aktiv zu sein. „Wir sind überall auf der Welt Fremde“, sagt er, und gibt zu bedenken: „Würden wir nicht alle flüchten, wenn wir unterdrückt würden oder Angst um unser Leben hätten?“
Leben und Arbeit kennenlernen
Kritisch sieht er allerdings den eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt für Neuankömmlinge, solange das Asylverfahren läuft. „Sie werden im Grunde weggesperrt, dabei sollten Asylsuchende erfahren, wie es ist, bei uns zu leben.“ Zugewanderte Menschen sind auch wichtig für den Arbeitsmarkt, ohne diese würde vieles nicht funktionieren, ist Hacker überzeugt. Er ist vor allem den Organisationen, wie Volkshilfe, Rotes Kreuz oder Caritas dankbar, ohne die „die soziale Welt viel kälter wäre.“
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