Bald acht Generationen retten in St. Veit Lieblingsschuhe vor dem Müll
ST. VEIT. Reparieren statt wegwerfen: Was heute als nachhaltiger Trend gilt, gehört im Schuhhaus Neundlinger in St. Veit seit sieben Generationen zur täglichen Arbeit. Rund 5.000 Lieblingsstücke werden in der hauseigenen Schusterwerkstatt jedes Jahr vor dem Wegwerfen gerettet. Für Chef Franz Neundlinger ist das nicht nur Tradition, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Als Franz Neundlinger 1989 im Alter von nur 21 Jahren die Schuhmacherwerkstatt samt Geschäft seiner Eltern übernahm, war die Welt noch eine andere. „Damals gab es noch 17 Schuhgeschäfte im Bezirk Rohrbach und fast alle hatten eine Werkstatt dabei“, erinnert sich der Schuster. Nach und nach verschwand das Handwerk, bis nur noch zwei Werkstätten übrig blieben: eine in Rohrbach-Berg und jene in St. Veit. Im Hause Neundlinger stellte sich diese Frage zu keiner Zeit: „Wir wollten nie nur auf den Handel setzen. Mir war immer klar, dass Service wichtig ist.“ Gleichzeitig hat sich das Konsumverhalten verändert: Schuhe werden kürzer getragen und schneller ersetzt.
Arbeit für die Werkbank
Die Neundlinger-Kunden wissen es zu schätzen, was ihr Schuster alles kann: In der Werkstatt werden vor allem Schuhe instandgesetzt, aber auch Ledertaschen oder -jacken repariert. Reißverschlüsse werden erneuert, Sohlen geklebt oder Knöpfe ersetzt. „Oft lässt sich bei kaputten Schuhen noch viel machen“, weiß der Fachmann.
Diese möglichst lange zu tragen, ist für ihn ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit: „Wer in eine Reparatur investiert, spart im Vergleich zum Neukauf einiges.“ Entscheidend ist aber, ob die Reparatur in einem sinnvollen Verhältnis zum ursprünglichen Kaufpreis steht und es dem Kunden das wert ist. „Schließlich muss auch in der Werkstatt ein halbwegs lebensfähiger Stundenlohn herauskommen.“ Ein weiterer Vorteil der eigenen Werkstatt: Neue Schuhe können beim Kauf direkt angepasst werden. Bei Kinderschuhen etwa werden, wenn nötig, Riemchen gekürzt und Klettverschlüsse versetzt, damit sie optimal sitzen.
So geht Schuhe kaufen
Beim Kauf selbst sollte auf Qualität geachtet werden. „Viele Modelle sind heute sehr leicht, weich und flexibel. Das trägt sich angenehm, ist aber meist nicht sehr langlebig“, weiß der Experte. Stabilität und guter Halt seien zudem entscheidend. Besonders bei Kinderschuhen sollte noch ausreichend Platz für das Wachstum vorhanden sein.
Kein Wunder also, dass er nicht verstehen kann, warum inzwischen rund ein Drittel der Schuhe online gekauft wird. „Es gibt kein Kleidungsstück, das so gut passen muss wie ein Schuh. Ohne persönliche Beratung ist das schwierig.“
Tradition trifft Weitblick
Digitale Angebote ergänzen das traditionelle Handwerk: Kunden können auf www.neundlinger.at Fotos ihrer kaputten Schuhe hochladen und erhalten eine Einschätzung, ob eine Reparatur möglich ist und mit welchen Kosten ungefähr zu rechnen ist. Außerdem gibt das Neundlinger-Team auf Facebook und Instagram regelmäßig „Tipps aus der Schuhwerkstatt“.
Die nächste Generation der Familie steht bereits in den Startlöchern: Sohn Simon beginnt in wenigen Tagen die Lehre zum Orthopädie-Schuhmacher. Ob er den Familienbetrieb später einmal übernimmt, wird die Zeit zeigen. Die Tür dafür steht ihm jedenfalls offen.


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