"Der Melkroboter ist das Beste was es für uns gibt"
AFIESL. Hell und luftig haben es die knapp 100 Rinder von Florian und Tina Schöftner in ihrem neuen Stall. Und auch Kuh-Wellness darf nicht zu kurz kommen, dafür sorgt das neue Klauenbad. Für die Zukunft als Biomilchbauern in einem hart umkämpften Markt haben die jungen Landwirte kräftig in die Tasche gegriffen und ihren Bauernhof modernst ausgestattet.

Rund 300.000 Euro hat man beim Lenz'n – so der Hausname – im Vorjahr investiert: Ein Laufstall mit der Möglichkeit für die Tiere, zu jeder Tages- und Nachtzeit auf die Weide zu gehen, ist das neue Herzstück des Bauernhofes, den das junge Ehepaar unter der tatkräftigen Mithilfe von Altbäuerin Rosi bewirtschaftet. Die ist froh, dass das Schicksal ihrem 29-jährigen Sohn eine so fleißige Bäuerin an die Seite gestellt hat, noch dazu eine Quereinsteigerin.
Die „Junge“ am Hof kommt nicht etwa aus einer Bauernfamilie, sie war bisher Kranfahrerin in der voest. Jetzt hat sie aber den Facharbeiterbrief in der Tasche: „Ich möchte dann zu Hause bleiben. Mit der Schicht war es eh jetzt schon nicht immer einfach und in nächster Zukunft wollen wir Kinder. Mir taugt die Arbeit am Hof voll.“
Gesundheit vor Milchleistung
Ihr Mann Florian ist Vollerwerbslandwirt und hat nach dem verfrühten Tod seines Vaters im Jahr 2010 noch recht jung den Betrieb übernommen. „Wir haben im Vorjahr die Stallgröße fast verdoppelt und einen Melkroboter mit Klauenbad sowie einen fixen Kippstand zur Klauenpflege installiert. Wir legen bei unseren 45 Milchkühen besonderen Wert auf die Klauen und auch auf eine lange Lebenserwartung, nicht so sehr auf die Milchleistung“, so die Philosophie des jungen Bauern.
Besonders stolz ist er auf den neuen Melkroboter, der seiner Familie viel Arbeit abnimmt: „Von der Lebensqualität her ist es das beste was es für einen Milchbauern gibt“. Ihm ist es wichtig, in Sachen Futtermittel und Energie unabhängiger zu werden und deshalb hat er heuer erstmals Ackerbohnen angebaut. Nur beim Silomais hatte er heuer kein Glück. „Ich hab schon zweimal angebaut aber die Vögel haben ihn komplett aufgefressen.“
Molkerei-Wechsel
Ihre Bio-Milch liefert Familie Schöftner noch an die Berglandmilch, ab 1. Jänner holt sie aber die deutsche Molkerei Domspitz ab. 50 Cent pro Liter wird dort bezahlt, in Österreich gibt es um fünf bis sechs Cent weniger. Und: „Die Bio-Richtlinien sind hierzulande einfach oft nicht mehr nachvollziehbar. Dass wir unsere eigenen Produkte nicht mehr kaufen können tut mir schon weh dabei““, sagt der Afiesler. Mit ihm werden noch viele weitere Landwirte nach Deutschland wechseln, sodass die Zahl der Rohrbacher Lieferanten an Domspitz auf rund 50 anwächst. Bezirksbauernkammer-Obmann LAbg. dazu: „In erster Linie wäre es natürlich wichtig, den heimischen Molkereien treu zu bleiben. Aber ich verstehe auch die Bauern, die eben versuchen, dadurch ihr Einkommen aufzubessern.“
Vollerwerb blüht auf
Während im Bezirk Rohrbach die Nebenerwerbs-Landwirte einer nach dem anderen ihre Betriebe aufgeben, geht der Trend bei den Vollerwerbs-Landwirten in die andere Richtung, wie Bezirksbauernkammer-Obmann LAbg. Georg Ecker bestätigt: „Die Vollerwerbs-Betriebe erwirtschaften ein gutes Einkommen, mit dem eine Familie gut auskommen kann. Sie übernehmen auch die Bewirtschaftung jener Flächen, die durch die Betriebsaufgaben der kleineren Landwirte frei werden und vergrößern sich dadurch entsprechend.“


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