Raumplanung muss über die Gemeindegrenzen hinausgehen
REGION DONAU-BÖHMERWALD. Etwa 2,2 Hektar Fläche, drei Fußballfelder, werden jeden Tag in Oberösterreich in Anspruch genommen. Dabei wird ein Viertel des bereits gewidmeten Baulandes in Oberösterreich gar nicht genutzt, ebenso steht ein Viertel des Betriebsbaugebietes leer. Vor diesem Hintergrund bringt Klaus Diendorfer, Geschäftsführer des Leaderbüros Donau-Böhmerwald, seine Vision eines Flächenkontos zur Sprache. Mit diesem sollen Leerstände, erwartete Bevölkerungsentwicklungen und Baulandreserven regionsweit effizienter abgestimmt werden.

Wenn jetzt in vielen Gemeinden der Flächenwidmungsplan überarbeitet und ein örtliches Entwicklungskonzept erstellt wird, sollte dabei mehr über die Gemeindegrenzen hinaus gedacht werden, schlägt Klaus Diendorfer vor. „Ein räumliches Leitbild auf regionaler Ebene und eine gemeindeübergreifende Abstimmung würden viel Sinn machen“, ist er überzeugt. „Damit würde sich jede Gemeinde Infrastrukturkosten in der Errichtung und Erhaltung sparen.“ Denn auf jeder Parzelle liegen 24.000 Euro für Kanal, Wasser, Strom oder Straßenanbindung drauf.
Einwohnerzahl verdoppeln
„Das Paradoxe ist, dass rund 25 Prozent des gewidmeten Baulandes nicht zur Verfügung stehen und somit nicht bebaut sind. In unserer Region hätten doppelt so viele Leute Platz, wenn wir alle Bauflächen nutzen würden“, zeigt Diendorfer auf, der selbst Raumplaner ist und das Flächenkonto als Steckenpferd sieht.
Dazu kommt, dass oft Bauland in Siedlungsrandlage gewidmet wird und es dadurch zu unerwünschten Zersiedelungseffekten kommt. „Ziel des Flächenkontos ist die Bewusstseinsbildung. Wir müssen bestehende Infrastrukturen besser nutzen und regionsweit zielgerichteter planen“, fasst er zusammen. Schließlich gehe es um sehr viel Geld.
Bestehendes besser nutzen
Mit den bestehenden Strukturen ist auch der Leerstand an Gebäuden gemeint, für die es ein Fördermodell geben soll. „Anstatt Geld in neue Erschließungen zu stecken, soll dieses für die Revitalisierung verwendet werden“, schlägt Klaus Diendorfer vor.
Gemeinden können sich beteiligen
Als nächster Schritt wird das Voi Lebm-Projekt Flächenkonto in den Gemeinden vorgestellt. Fünf Gemeinden (Arnreit, Nebelberg, Niederkappel, Oepping, Sarleinsbach) sind bereits fix dabei, in diesen werden planerische Absichten erhoben und ausgewertet sowie eine Befragung der Bevölkerung gestartet. „Natürlich wird jede Gemeinde für Wohnland sorgen, aber so, dass es vernünftig ist. Denn wir müssen auch die Folgekosten - etwa für den Bustransport der Kinder oder die Schneeräumung - bedenken“, kann Oeppings Bürgermeister Thomas Bogner der Idee des Flächenkontos einiges abgewinnen. Auch eine Unterstützung beim Flächenwidmungsplan sieht er als sinnvoll an: „Wir Gemeinden sind alle in der gleichen Situation, da muss man nicht jede von Null anfangen.“
Voraussichtlich im Sommer 2018 sollen die Ergebnisse vorgestellt werden und darauf aufbauend eine Plattform entstehen, die bei planerischen Vorhaben zur Verfügung steht.
Interessierte Gemeinden können sich im Leaderbüro der Region Donau-Böhmerwald melden: Tel. 07283/81070, diendorfer@donau-boehmerwald.info
Bodenbündis-Vernetzungstreffen in Haslach
Das Flächenkonto wird auch Thema beim zweiten oö. Bodenbündnis-Vernetzungstreffen sein, das am 18. Oktober im TuK Haslach stattfindet. Thema der Tagung ist der „Umgang mit Boden im Wandel?“ - praxisnah wird gezeigt, wie sich Gemeinden durch bodenschonende Planung an den Klimawandel anpassen können. Außerdem stehen Exkursionen in Haslach zu Beispielen für alternative Oberflächenbefestigungen und der Nachnutzung von Altbestand auf dem Programm. Anmeldung: Tel. 0732/772652, www.bodenbuendnis.or.at


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