100 Jahre Frauenwahlrecht: Junge Frauen nehmen ihre Zukunft selbst in die Hand
BEZIRK ROHRBACH. Einen Tag nach ihrem 16. Geburtstag durfte Laura Ditzer aus Kleinzell das erste Mal wählen gehen. Für sie war es eine Selbstverständlichkeit dieses Recht, dass seit 100 Jahren in Österreich gilt, auch zu nutzen.

„Ich möchte einfach jede Gelegenheit nutzen, um unsere Politik und Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Wählen gehen ist für mich die einfachste Möglichkeit, um das zu tun“, sagt die 18-jährige Maturantin des Rohrbacher Gymnasiums. Laura krempelt aber auch aktiv die Ärmel hoch, um etwas zu verändern: Sie war eine Zeit lang in der Schülerorganisation AKS aktiv und später Schulsprecherin. „Durch den Austausch mit anderen Schülern wurde mir bewusst, dass man auch an unserem veralteten Bildungssystem mit ein bisschen Engagement einiges ändern kann. Als Schulsprecherin hat man zusätzlich die Möglichkeit anderen Schülern eine Stimme zu geben und sich direkt für ihre Rechte einzusetzen.“
Zu wenig politische Bildung im Unterricht
Für sie kommt politische Bildung im Unterricht viel zu kurz. Meist werden nur vor Wahlen einzelne Parteiprogramme kurz durchgesprochen, „Zeit für Diskussionen oder ein kritisches Reflektieren der Inhalte bleibt meistens nicht. Genau diese Art von politischer Bildung bräuchten Jugendliche aber, um sich eine Meinung über politische Themen bilden zu können. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Jugendliche für Fake News, die in den sozialen Netzwerken kursieren, anfällig sind.“
Stark und unabhängig
Angesprochen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern, meint die junge Kleinzellerin: „Es gibt noch immer viele Menschen, die an alten Rollenbildern und Traditionen hängen und jede Form von gesellschaftlicher Weiterentwicklung ablehnen. Aber auch wirtschaftlich sind Frauen und Männer noch nicht gleichberechtigt.“ Sie merkt aber vor allem in den sozialen Netzwerken ein Umdenken: „Immer mehr junge Mädchen und Frauen bezeichnen sich als Feministinnen und unterstützen sich gegenseitig. Wenn also das neue „Rollenbild der Frau“ feministisch, stark und unabhängig ist, unterstütze ich es auf jeden Fall.“
Laura befürchtet allerdings, dass es bei diesen Regierungsparteien in den nächsten Jahren schwieriger wird, politische Forderungen nach mehr Gleichberechtigung durchzusetzen. „Das bedeutet aber nicht, dass es unmöglich ist und das Frauenvolksbegehren ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.“ Ihr Wunsch für die Zukunft wäre, dass ihre Kinder in einer Welt aufwachsen, in der sie nicht aufgrund des Geschlechts, sondern aufgrund ihres Charakters und ihrer Talente beurteilt werden.
Verantwortung übernehmen
So wie Laura nutzen viele junge Frauen ihr vor 100 Jahren hart erkämpftes Wahlrecht. „Demokratie funktioniert nur, wenn wir Verantwortung übernehmen und von unserem Wahlrecht Gebrauch machen“, sagt etwa Karina (18) aus Haslach. Bianca (17) aus Oberkappel ergänzt: „In meiner Generation ist es eine Selbstverständlichkeit, wählen zu gehen. Denn jede Stimme zählt.“ Handlungsbedarf gibt es, denn nach wie vor seien Frauen nicht gleichberechtigt, erhalten geringeren Lohn oder können ihre Berufsziele nicht verfolgen. „Vor allem in der älteren Generation ist noch immer verankert, dass sich Frauen um Haushalt und Kinder kümmern müssen“, meint Liana (17) aus Altenfelden. Und Doris (21) aus Haslach ist überzeugt, dass „Frauen durch traditionelle Geschlechterverhältnisse diskriminiert werden“.


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