Corona-Maßnahmen: "Es braucht Solidarität von allen Seiten"
BEZIRK ROHRBACH. Erst die 2G-Regel, dann noch der Lockdown für Ungeimpfte und seit Montag auch verpflichtend 2,5G am Arbeitsplatz für viele Branchen: Die heimische Wirtschaft musste sich binnen weniger Tage auf neue Rahmenbedingungen einstellen. Für viele Unternehmer bedeuten diese auch wieder neue Probleme in der bereits fast zwei Jahre lang andauernden Pandemie.

Der Lockdown für Ungeimpfte, der seit Montag österreichweit gilt, verursacht erneut Einbußen.
Da ist zum Beispiel der Caterer aus dem Bezirk, der binnen weniger Stunden nach Verkündung des Lockdowns seine gesamten Aufträge bis Jahresende verloren hat.
Da ist zum Beispiel das Wirtshaus, das zusperrt, weil die Gäste ausbleiben.
Da sind körpernahe Dienstleister, die mit überraschten Kunden zu kämpfen haben, weil nun tatsächlich streng kontrolliert wird.
Und da sind ungeimpfte Mitarbeiter, die sich um einen PCR-Testtermin bemühen, aber keinen bekommen, weil das Testangebot im Bezirk wenig Möglichkeiten bietet.
Testangebot viel zu gering
„Was da passiert, nämlich dass das mangelnde öffentliche PCR-Testangebot zulasten der Arbeitgeber geht, ist nicht in Ordnung“, ist auch eine Unternehmerin aus dem Bezirk Rohrbach verärgert, die im Bereich der körpernahen Dienstleistung tätig ist. „Es ist schon passiert, dass meine ungeimpften Mitarbeiterinnen keinen Testtermin bekommen haben, aber meine Terminbücher sind voll. Ich kann dann auch nicht einfach sagen, sie sollen daheimbleiben, weil ich dann meinen Kunden absagen müsste. Man hätte erst das Testangebot ausbauen sollen und dann erst die neuen Regelungen einführen, die ich ja grundsätzlich für sinnvoll halte“, kritisiert die Unternehmerin.
In der Zwischenzeit wurde die Regelung ein wenig gelockert. Wer glaubhaft machen kann, dass er keinen oder nicht rechtzeitig einen PCR-Testtermin erhalten hat, kann auch mit einem Antigen-Testergebnis arbeiten. Es gilt dann die 3G-Regel.
Rahmenbedingungen müssen zu Maßnahmen passen
Wirtschaftskammer-Obmann Andreas Höllinger kann diese Kritik nur unterschreiben: „Ich vermute eine Überforderung auf allen Ebenen. Die Wirtschaftstreibenden sind bereit, die Maßnahmen – wenn auch teils widerwillig – mitzutragen, aber dann müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. In der momentanen Situation braucht es Solidarität von allen Seiten – sowohl von den Arbeitnehmern als auch von den Arbeitgebern, denn niemand hat sich das ausgesucht.“
PCR-Gurgeltests werden ab nächster Woche zwar auch bei einzelnen Spar-Märkten zu haben sein – ob das aber den Bedarf abdecken wird, bezweifelt Höllinger.
In der Gastronomie hat er bisher von gegensätzlichen Tendenzen der Gäste gehört: „Jene Lokale, die eher spontan besucht werden, haben momentan mehr mit dem Ausfall an Gästen zu kämpfen, als jene, für die man sich Zeit nimmt, wo man gepflegt essen geht und das Ganze plant. Ich habe aber nur vereinzelt gehört, dass jemand zugesperrt hat oder das vorhat. Meiner Meinung nach deutet das auf ein verändertes Verhalten der Konsumenten generell hin. Das wird uns auch nach der Pandemie weiter begleiten und die Wirtschaft fordern, Konzepte zu überdenken.“
Regional-Hype vorbei
Anders ist auch das Verhalten der Konsumenten, was das Verlangen nach Regionalität anbelangt. In der ersten Phase der Pandemie entstand ein regelrechter Hype um regionale Produkte. Das hat sich wieder abgeflacht. Diverse Online-Plattformen, die extra deswegen gegründet wurden, sind komplett eingeschlafen.


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