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PFARRKIRCHEN/BEZIRK ROHRBACH. Für eine neue Energiezukunft abseits von russischem Gas oder tschechischem Atomstrom braucht es Windkraft. Die Grünen OÖ fordern deshalb 100 neue Windräder bis 2030, wobei bereits ausgereifte, aber bisher nicht umgesetzte Windkraftprojekte in den Schubladen liegen. Auch der Pfarrwald in Pfarrkirchen hätte enormes Potenzial, weiß man in der Klima- und Energiemodellregion Donau-Böhmerwald. Schon ein paar Windräder würden hier großen Nutzen bringen.

Nur zwei Prozent des möglichen Windkraft-Potenzials werden derzeit genutzt. (Foto: Weihbold)
Nur zwei Prozent des möglichen Windkraft-Potenzials werden derzeit genutzt. (Foto: Weihbold)

Bereits 2017 hat Bernhard Fürpaß mit seiner Bachelor-Arbeit aufgezeigt, dass sich ein möglicher Windpark Pfarrwald auszahlen würde. „Bei drei geplanten Windrädern käme man auf einen Stromertrag von 25 bis 30 GWh pro Jahr. Das entspricht dem Stromverbrauch von rund 40 Prozent der Haushalte im Bezirk Rohrbach“, nennt KEM-Manager Johannes Großruck Details aus dieser Vorstudie, die von der Klima- und Energiemodellregion finanziert wurde. Zum Vergleich: Das geplante Sonnenfeld Scheiblberg soll rund 10 GWh pro Jahr erzeugen, bei dem dreifachen Flächenverbrauch und vorrangig in den Sommermonaten, und auch die bis dato von der Energiegenossenschaft Böhmerwald initiierten 60 Photovoltaik-Anlagen bringen insgesamt deutlich weniger Leistung, wie ein Windrad. „Der Höhenrücken Pfarrwald beim Ameisberg weist ein größeres Windkraftpotenzial auf, als der Sternwald in Vorderweißenbach“, ergänzt Großruck. Noch dazu sei hier auch eine gute Anschlussmöglichkeit an das Hochspannungs-Leitungsnetz gegeben. Umgesetzt werden könnte ein derartiges Projekt mittels Bürgerbeteiligung. Denn wenn die Leute vom wirtschaftlichen Erfolg profitieren, ist auch die Akzeptanz in der Bevölkerung größer, weiß der KEM-Manager aus Erfahrung.

Fit für die Energiewende

Für ihn steht fest, dass Windparks in der Region notwendig sind, um die Energiewende und damit auch Unabhängigkeit zu schaffen. „Wer Nein zu Atomstrom und russischem Gas sagt, muss Ja zur Windkraft sagen“, sagt er. „Kleinwasserkraft und Photovoltaik können nicht die notwendige Energie liefern, die wir in der Region in Zukunft brauchen. Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten haben wir derzeit nur sehr wenig erneuerbare Energie – und genau in diesen Monaten liegen die größten Spitzen bei der Windenergie. Bei Lebensmitteln ist uns völlig klar, dass wir die höchste Versorgungssicherheit dann haben, wenn wir die regionale Erzeugung stärken. Dieses Selbstverständnis braucht es auch bei der Energie.“ Dabei geht es nicht darum, den Böhmerwald-Rücken zuzupflastern. Schon ein, zwei geeignete Windparks mit einigen Windrädern hätten große positive Auswirkungen, sagt Johannes Großruck.

Politischer Wille fehlt

Dafür braucht es jetzt aber den politischen Willen. „Mit dem Windkraft-Masterplan von 2017 sind eigentlich alle Standorte verunmöglicht worden. Denn die gesetzlich definierten Ausschlusszonen überschneiden sich weitgehend mit dem größten Windpotenzial.“ Große Hürde ist auch die 1.000 Meter-Abstandsregel, nach der kein Windrad im Umkreis von 1.000 Metern zum nächsten bewohnten Gebäude (egal ob Siedlung oder Einzelgehöft) errichtet werden darf. „Damit ist es so gut wie unmöglich, im Bezirk einen genehmigungsfähigen Ort für die Errichtung zu finden.“

Wesentlicher Schritt für die Nutzung des Windkraft-Potenzials ist also die Überarbeitung des bestehenden Windmasterplans. Grüne-Energiesprecherin LAbg. Ulrike Schwarz aus Rohrbach-Berg sagt dazu: „Dieser ist der Grund, warum in den letzten sechs Jahren ein einziges Windrad gebaut worden ist und derzeit nur zwei Prozent des möglichen Windkraft-Potenzials genutzt werden. Für die Energiewende ist die Windkraft unverzichtbar. Windräder werden Teil des Landschaftsbildes und unserer Energiezukunft sein. Sie sind ein Schlüssel, um uns vom fossilen Gängelband zu befreien.“


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