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BEZIRK ROHRBACH.Klimawandel und Wetterextreme setzen auch den heimischen Wäldern zu. Matthias Raschka, Leiter des Forsttechnischen Dienstes der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach, hat uns mehr über die aktuelle Situation verraten.

Entrindete Fichten im Nationalpark Sumava, die im Wald liegen bleiben. (Foto: OÖ Landesforstdienst)
  1 / 2   Entrindete Fichten im Nationalpark Sumava, die im Wald liegen bleiben. (Foto: OÖ Landesforstdienst)

Tips: Mit dem Borkenkäfer hat man im Böhmerwald ja schon immer zu kämpfen. Wie stark verbreitet ist der Käfer in der aktuellen Saison?

Raschka:Der nasskalte April und ein regenreicher Mai haben die Entwicklung beim Borkenkäfer vorerst um zwei Wochen verzögert. Ab Juni kam aber eine massive Sommertrockenheit, wodurch sich der Käfer wieder rascher entwickeln konnte und mittlerweile eine zweite Generation angelegt hat.

Was ist die größte Herausforderung?

Das ist der angrenzende südböhmische Nationalpark Sumava, da dieser außer Nutzung gestellt ist, grundsätzlich alles der Natur überlassen wird und Eingriffe möglichst vermieden werden. Es gibt jedoch seit dem Jahr 2009 ein Abkommen zwischen Tschechien und Österreich, mit dem man sich auf eine 500 Meter breite Schutzzone entlang der Grenze geeinigt hat. Innerhalb dieser Zone wird in Sumava jeder befallene Baum gefällt und entrindet, damit sich der Käfer nicht weiter entwickeln kann. Der entrindete Baum verbleibt am Schlägerungsort und wird dem Nationalpark nicht entnommen.

Wie wirken sich die langen trockenen Phasen auf den Waldbestand aus?

Die langen Trockenphasen schwächen unsere Wälder extrem. Durch den Trockenstress werden vor allem die Fichtenbestände anfällig auf Käferbefall. Der Forsttechnische Dienst der BH Rohrbach konzentriert sich momentan verstärkt auf das Auffinden sogenannter Borkenkäfernester. Das Wichtigste dabei ist, dass die Waldeigentümer die befallenen Bäume und bruttaugliches Material schnellstmöglich entfernen.

Hat die Fichte im Böhmerwald noch eine Chance zum Überleben?

Die Fichte hat noch Potenzial im Böhmerwald aufgrund der Höhenlage und der noch immer ausreichenden Niederschläge. Zudem besteht der Großteil des Österreichischen Böhmerwaldes aus natürlichen Fichten-Tannen-Buchen-Beständen.

Welche Baumarten würden für einen klimafitten Waldbestand eher passen?

Alternativen zur Fichte sind heimische Baumarten wie Tanne oder Lärche, aber auch fremdländische wie die Douglasie – welche stärker trockenresistent sind. Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Biodiversität, also die Artenvielfalt im Wald, gesteigert wird, damit noch andere Baumarten vorhanden sind, wenn eine ausfällt – so wie wir das bei der Esche mit dem Eschentriebsterben erleben müssen.

Sind unsere Waldbesitzer ausreichend gerüstet für den Klimawandel und andere Herausforderungen?

Die Rohrbacher Waldbesitzer wissen, dass die Klimaänderung neue Baumarten erfordert. Die Expertise des Forstdienstes wird gerne angenommen. Von den Bezirksförstern wird bei Aufforstungen streng auf zukunftsfitte Bestände bzw. die richtige Baumartenwahl geachtet. Auch der Standort spielt hier eine wesentliche Rolle. Es wird ständig daran gearbeitet, die Bestände klimafit zu machen und auf die laufend neuen Herausforderungen wie neue Schädlinge und Krankheiten eingegangen. Der Landesforstdienst hält für interessierte Waldbauern viele Informationsveranstaltungen ab. Unser Ziel ist es auch, die Jugend schon früh für die Wichtigkeit unserer Wälder zu sensibilisieren. Hier leistet vor allem die Böhmerwaldschule permanent Arbeit. Aber auch Veranstaltungen, wie im Frühling die groß angelegte Baumpflanz-Aktion der Feuerwehrjugend, sind wichtig.

Wie ist Ihre Bilanz nach gut einem Jahr als Leiter des Forsttechnischen Dienstes in Rohrbach?

Für mich war es ein langes Ziel, in meinem Heimatbezirk tätig sein zu dürfen. Ich habe an meiner Seite ein erfahrenes Team mit sehr viel Engagement an der Arbeit. Jeder Förster erledigt sowohl seine hoheitlichen Aufgaben bei der Forstaufsicht als auch die Abwicklung der Förderungen des Programmes Ländliche Entwicklung und des Waldfonds zuverlässig. Auch meine Expertise, nämlich die Forstaufschließung, die ich in der Zentrale in Linz leiten durfte, kommt im Bezirk nicht zu kurz.

Wir projektieren sehr viele Forststraßen. Von kurzen Traktorwegen bis hin zu großen LKW-Straßen mit Bringungs-Genossenschaften von zig Grundeigentümern. Für eine kleinflächige und naturnahe Waldbewirtschaftung und um vor allem bei Kalamitäten schnell und schlagkräftig handeln zu können, wird eine dem heutigen Stand der Technik angepasste Forstaufschließung immer wichtiger.


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