Rohrbachs Milchbauern zwischen Zukunftsinvestitionen und Preisdruck
KIRCHBERG/BEZIRK ROHRBACH. 56 Rinder stehen im Durchschnitt in den heimischen Ställen, insgesamt rund 65.000 Tiere. Milchwirtschaft und vor allem die grünlandbasierte Milchproduktion spielen im Bezirk Rohrbach eine tragende Rolle. Während die Milchbetriebe in moderne Stalltechnik investieren, setzen sinkende Milchpreise und steigende Kosten die Landwirte zunehmend unter Druck.

Einer der modernsten Ställe der Region ist wohl jener von Markus und Tamara Hofer in Kirchberg. Erst seit einem halben Jahr ist dieser in Betrieb. Und die 92 Milchkühe fühlen sich sichtlich wohl in ihrem luftigen, hellen Zuhause mit den großzügigen Liegebereichen. „Wir haben uns beim Neubau intensiv damit befasst, wie wir die tägliche Arbeit trotz der vielen Tiere schaffen können“, berichtet Markus Hofer, der den Hof 2022 von seinen Eltern übernommen hat und diesen mit seiner Frau im Vollerwerb führt. Die Technisierung ist vor allem ein Weg, um die Lebensqualität am Bauernhof erhalten zu können. Fütterung und Einstreu erfolgen ebenso automatisiert wie das Melken mit den beiden Melkrobotern. Zugleich wird auf Tierwohl und Tiergesundheit geschaut, Sensoren überwachen die Aktivität der Tiere, um rechtzeitig agieren zu können. „Natürlich gehen wir noch in den Stall, aber die Arbeit ist einfacher geworden und wir sind flexibler“, fasst der gut ausgebildete Milchbauer zusammen.
Investitionen müssen sich lohnen
Trotz aller Begeisterung und Leidenschaft für die Landwirtschaft müssen sich die Investitionen, die hier getätigt wurden, aber auch lohnen. „Wir müssen wie jeder Betrieb kalkulieren und Ausgaben gut überlegen“, sagt der Vater von drei kleinen Kindern, für den der Stallbau auch eine Investition für die nächste Generation war. Klares Ziel sei, Einkommen erwirtschaften zu können.
Dem kann Bezirksbauernkammerobmann Martin Mairhofer nur zustimmen: „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe haben in den vergangenen zehn Jahren 180 Millionen Euro in Modernisierung und Weiterentwicklung investiert, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Die durchschnittliche Milchliefermenge hat sich in den letzten 20 Jahren von knapp 45.000 Kilo auf 276.000 Kilo je Betrieb gesteigert.“ Nach guten zwei Jahren ist der Milchpreis seit einigen Monaten allerdings rückläufig – während gleichzeitig die Preise für Futtermittel und Energie stark steigen. „Wir stellen uns den Herausforderungen und nutzen die Möglichkeiten, die wir in der Hand haben“, weist Mairhofer etwa auf den energieautarken Bauernhof oder die seit Jahren forcierte Brauchwassernutzung hin. „Aber manche Faktoren können wir nicht beeinflussen. Wir hoffen, dass die Lebensmittelpreise wieder steigen, damit unsere Landwirte positive Ergebnisse erzielen können, ohne auf Subventionen angewiesen zu sein.“
Konsument hat es in der Hand
Bezirksbäuerin Michaela Märzinger weist auf die wichtige Rolle des Konsumenten hin: „Wer heimische Milch und Milchprodukte kauft, gibt mit jedem Griff ins Regal einen Produktionsauftrag an die österreichische Landwirtschaft. Damit gibt es auch die Garantie für höchste Standards und viel Tierwohl.“


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