Jeder ist einmal mit dem Tod konfrontiert: Der "Letzte-Hilfe-Kurs" hilft durch die schwere Zeit
ROSENAU/POLLHAM. Ob eine Fehlgeburt, ein Todesfall im Familien- oder Freundeskreis oder eine erfolglose Reanimation – im Laufe seines Lebens ist jeder einmal mit dem Tod konfrontiert. Wie geht man damit um? Darüber schreibt Martin Prein aus Pollham (Bezirk Grieskirchen) gemeinsam mit Co-Autorin Anita Groß aus Rosenau im Buch „Letzte-Hilfe-Kurs“.

Zudecken oder nicht? Den verstorbenen Patienten einfach so liegen lassen? – Diese Fragen stellte sich die ehrenamtliche Rettungssanitäterin Anita Groß. Antworten erhoffte sich die Rosenauer Journalistin bei der Fortbildung von Martin Prein. Es gibt kein „Richtig oder Falsch“ im Umgang mit dem Tod – das weiß der Bestatter und Psychologe und betont: „Wir brauchen alle den Letzte-Hilfe-Kurs.“ Der Thanatologe und Notfallpsychologe bietet seit einigen Jahren in ganz Österreich und auch in Deutschland diese Kurse an. Er gibt Hinterbliebenen das Rüstzeug, ihre Handlungsmacht zu wahren und unterstützt alle anderen darin, für Trauernde trotz eigener Unsicherheiten da zu sein.
„Inhalt des Seminars ließ mich nicht mehr los“
„Das Seminar war so ungewöhnlich, dass mich der Inhalt nicht mehr losließ,“ berichtet Anita Groß. Es entstand die Idee eines Buches.
Rund sieben Jahre später erscheint nun im Styria Verlag das Buch „Letzte Hilfe Kurs – Weil der Tod ein Thema ist“, an dem Anita Groß als Co-Autorin mitgewirkt hat. Das Kapitel „Ausklang“ ist auch explizit mit ihrem Namen gekennzeichnet. Darin beschreibt die 47-Jährige wie aus dem „Letzte-Hilfe-Kurs“ ein Buch wurde. „Das gemeinsame Schreiben des Buches war extrem spannend, es ist ziemlich viel Herzblut hineingeflossen – in der Hoffnung, dass es sozusagen weiterfließt“, erzählt Anita Groß.
„Man kann einem Trauernden kein Gramm Schmerz abnehmen“
Die Co-Autorin hat während der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Tod für sich selbst erkannt, „dass man einem Trauernden kein Gramm Schmerz abnehmen kann, das aber auch nicht muss. Denn alles was der Trauernde sich wünscht, ist, dass wieder alles so wird wie früher. Das kann man aber mit keinem noch so gescheiten Satz der Welt herstellen.“ Diese Erkenntnis nehme viel Druck aus der Begegnung. „Es geht darum, diese unerträgliche Situation und alle aufkommenden Gefühle des Trauernden und auch bei sich selbst gemeinsam auszuhalten. Das macht mehr, als man glaubt.“ Dabei solle man auch die eigene Unsicherheit im Umgang mit Trauernden annehmen und nicht den Starken spielen.
Mut zum leiblichen Abschied
Zudem ermutigt Anita Groß die Trauernden dazu, sich leiblich vom Verstorbenen zu verabschieden: „Es gibt zwar kein Leichengift, aber es können widersprüchliche Gefühle auftreten. Deswegen sollte sich aber niemand abschrecken lassen. Der tote Körper und die Todeskälte können sehr hilfreich beim ,Begreifen' des Todes und für die Trauer sein.“


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