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ZELL AN DER PRAM. Die dritten Zeller Schlossgespräche am 4. und 19./20. November beschäftigen sich mit den beiden Themen, die die Welt in Atem halten: die Corona- und die Klimakrise. Am 20. November wird Markus Schlagnitweit zu Gast sein.

 (Foto: privat)
(Foto: privat)

Tips:Der Klimawandel ist ein weltweit beherrschendes Thema; was haben Kirche und Theologie dazu zu sagen?

Markus Schlagnitweit: In seiner Enzyklika „Laudato sí“ (2015) macht Papst Franziskus deutlich, dass ökologische Probleme immer auch soziale Probleme und also stets zusammen zu denken sind. Unter den Folgen des Klimawandels leiden die Armutsregionen dieser Welt am meisten, obwohl sie am wenigsten für die Ursachen können. Daraus folgt eine deutlich höhere Verantwortung der globalen Wohlstandsregionen für wirksame Gegenmaßnahmen zum Klimawandel. Die Aussage von Ex-Kanzler Kurz, dass wirksame Klimapolitik ohne deutliche Einschränkungen und Veränderungen unseres bisherigen Lebensstils auskommen könnte, halte ich vor diesem Hintergrund für Nonsens. Wir leben doch schon lange über unsere Verhältnisse und so, als ob wir mehrere Planeten „Erde“ zur Verfügung hätten!

Tips: Soll sich die Religion nicht auf das „Seelenheil“ beschränken und politische Fragen den Politikern und Fachleuten überlassen?

Schlagnitweit: Eine Religion, die das konkrete Leben ihrer Gläubigen in dieser Welt nicht prägen möchte, wäre wertlos. Es muss jeder ernst zu nehmenden Religion vielmehr immer auch um Mitgestaltung des Lebens im Hier und Jetzt gehen – und damit wird sie automatisch politisch. Papst Franziskus zeigt in „Lautato sí“ auch auf, dass die Klimaprobleme dieser Welt nicht nur eine Frage der richtigen Technologien sind. Was es braucht, ist eine veränderte Haltung zu unserer natürlichen Umwelt: weg von einer imperialistischen Ausbeutungspolitik hin zu einer Haltung der Ehrfurcht, der Dankbarkeit und der Aufmerksamkeit für die Schönheit der Schöpfung. Diese Haltung kann sich nur aus einem entsprechenden Glauben speisen.

Tips:In der Corona-Pandemie ist die Frage der Impfung ein großes Konfliktthema. Wie sieht da Ihrer Meinung nach ein „dem Menschen gerechter“ Umgang aus?

Schlagnitweit: Meiner Meinung nach ist diese Frage falsch gestellt. Bei der Frage nach einem „menschengerechten Umgang“ mit der Pandemie liegt der Fokus zumeist viel zu stark auf dem Menschen als Individuum. Völlig unterbelichtet bleibt aber die Frage nach einem gesellschaftsgerechten Umgang mit der Pandemie. Der Mensch ist ja nicht nur Individuum, sondern immer auch soziales Wesen; er kann ohne Gesellschaft nicht leben. Ebenso kann diese Pandemie nur gesamtgesellschaftlich, also solidarisch bewältigt werden. Das erfordert also einen Beitrag aller. Sich z.B. zu sagen „Sollen sich doch die Anderen impfen lassen – ich warte erst einmal ab!“, ist unsolidarisch und egoistisch. Mit so einer Haltung wird uns die Pandemie noch lange beschäftigen.

Tips:Was gibt Ihnen Hoffnung für die Zukunft?

Schlagnitweit: Wenn ich nur auf Wirtschaft, Politik und Egozentrismus der Mehrheitsbevölkerung schauen würde, hätte ich – ehrlich gestanden – wenig Hoffnung. Ich schöpfe meine Hoffnung letztlich aus meinem Glauben, dass unser Leben geborgen ist in Gott. Das ist keine bloße Beruhigungspille, sondern bewahrt mich vor Resignation und ermutigt mich zu unverdrossenem Engagement für diese Welt.


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