Amtseinführung von Pfarrern und Vorständen
SCHÄRDING. Mit Jahresbeginn erfolgte die kirchenrechtliche Gründung der fünf neuen Pfarren Urfahr, Braunau, Ennstal, Schärding und Eferdinger-Land. In den Pfarren Schärding und Braunau wurden die Pfarrer und Pfarrvorstände feierlich in ihr Amt eingeführt.

Nach eineinhalb Jahren intensiver Vorbereitung wurden mit 1. Jänner die fünf „Pioniere“, die Dekanate Linz-Nord, Braunau, Weyer, Schärding und Eferding, als neue Pfarren Urfahr, Braunau, Ennstal, Schärding und EferdingerLand kirchenrechtlich gegründet. Geleitet werden die Pfarren von jeweils einem Pfarrer in Zusammenarbeit mit zwei Vorständen für pastorale beziehungsweise wirtschaftliche Angelegenheiten (Pastoral- und Verwaltungsvorstand /-vorständin). Wesentlich bleibt weiterhin die Mithilfe und Leitungsverantwortung in unterschiedlichen Aufgabenbereichen von Priestern, Ständigen Diakonen, Seelsorgern sowie haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort in den Pfarrgemeinden beziehungsweise im pastoralen Handlungsraum der Pfarre.
Gemeinsam Kirche sein
Die neue Pfarre Schärding (früher: Dekanat Schärding) besteht aus den zwölf Pfarrgemeinden Brunnenthal, Esternberg, Freinberg, Münzkirchen, Schardenberg, Stadt Schärding, St. Florian am Inn, St. Marienkirchen bei Schärding, St. Roman, Suben, Vichtenstein und Wernstein. Geleitet wird sie von Pfarrer Mag. Eduard Bachleitner, Pastoralvorstand Mag. Martin Brait und Verwaltungsvorstand Florian Pfeiffer von ihrem gemeinsamen Pfarrbüro in Schärding aus. Den Festgottesdienst zur Amtseinführung von Pfarrer und Pfarrvorständen feierte Bischof Manfred in der Pfarrkirche in Schärding mit etwa 250 Gläubigen. Gekommen waren Vertreter der zwölf Pfarrgemeinden, der Pfarrgemeinderäte, Seelsorgeteams und pastoralen Orte, ebenso der evangelische Pfarrer von Schärding Tom Stark. Die Politik war durch Bezirkshauptmann Florian Kolmhofer vertreten. Musikalisch berührend gestaltet wurde der Gottesdienst von einem Ensemble, bestehend aus Florian und Regina Hutterer, Heidi Schrattenecker und Florian Baumgartner.
Festgottesdienst
Beim Festgottesdienst bekundeten die Ernannten – Pfarrer und Pfarrvorstände – vor Bischof Manfred Scheuer und der versammelten Feiergemeinde ihre Bereitschaft, die Pflichten dieser Ämter auf sich zu nehmen: So versprachen sie, die Pfarre Schärding umsichtig zu leiten, in ihr die Grundvollzüge von Kirche lebendig zu halten, dafür zu sorgen, dass die frohe Botschaft des Evangeliums zeitgemäß verkündet wird, Arme und Bedrängte in die Mitte der Gemeinschaft zu stellen, an Freud und Leid der Menschen Anteil zu nehmen und mit Wertschätzung sowie im Dienst an der Einheit mit allen Haupt- und Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden und pastoralen Orten zusammenzuarbeiten und dabei Bischof Scheuer gegenüber loyal zu sein.
Grundsympathie als Voraussetzung
In seiner Predigt betonte Bischof Manfred Scheuer, es brauche mehr denn je lebendige und belastbare Gemeinschaften – Familien, Freundschaften, Pfarrgemeinden, Vereine und soziale Initiativen. Diese „tragenden Gemeinschaften“ müssten gestärkt werden, auch von der Kirche. Nichts scheine angesichts der Bedrängnisse der Gegenwart wichtiger zu sein, als das Verbindende zu suchen und zu stärken. Solidarität sei wichtiger denn je – und sie werde in vielerlei Hinsicht bereits gelebt; das mache ihn dankbar und zuversichtlich, so der Bischof. Scheuer dankte allen, „die das Miteinander in den Pfarrgemeinden und in der Pfarre Schärding mitgebaut und gestaltet haben und die sich mit Herzblut einbringen“. Es brauche in der Kirche ein Wohlwollen füreinander und eine Grundsympathie als Grundvoraussetzung für Gemeinschaft und Einheit. „Wenn es in einer Pfarrgemeinde einen lebendigen Familiengottesdienst gibt, können sich alle mitfreuen? Wenn der Abschied von vertraut gewordenen Menschen anderen weh tut, dann geht das auch uns an. Wenn eine Gemeinde Hilfe braucht, dann denken die Nachbarn mit. Es braucht eine Grundsympathie und keine Konkurrenz, auch keinen Neid, ein Mitdenken der jeweils anderen, ein Aufeinander-Schauen.“
Bereitschaft zur Mitarbeit per Handschlag bekräftigt
Nach der Predigt von Bischof Manfred Scheuer bekannten Pfarrer Eduard Bachleitner, Pastoralvorstand Martin Brait und Verwaltungsvorstand Florian Pfeiffer ihren Glauben. Nun erklärte der Bischof die Rechtmäßigkeit des Amtsantritts. Vertreter:innen aus den Pfarrgemeinderäten, Seelsorgeteams und pastoralen Orten der 12 Pfarrgemeinden drückten dem Pfarrer und den beiden Pfarrvorständen per Handschlag ihre Verbundenheit und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit zum Wohl der ganzen Pfarre aus. Eine Besonderheit war, dass bei der Feier neben Pfarrer und Vorständen auch alle hauptamtlichen Seelsorgern – Priester, Diakone und Laien – Bischof Manfred Scheuer per Handschlag ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bekräftigten. Abschließend segnete Bischof Manfred Scheuer die Neubestellten für ihren Dienst.
Reform als Zeichen von Erneuerung und Beständigkeit
Tom Stark, der evangelische Pfarrer von Schärding und Ried, betonte in seinen Grußworten, die neue Pfarre Schärding, wenngleich erst ein paar Tage alt, sei ihm jetzt schon „grundsympathisch“. Er wünschte Gottes Segen und gab den Anwesenden ein Zitat des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer mit auf den Weg: „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles Denken, Reden und Organisieren in den Dingen des Christentums muss neu geboren werden aus diesem Beten und diesem Tun. Liebe Pfarre Schärding, wenn es einmal kompliziert wird oder der Schuh drückt oder zu groß ist, wenn sich Unklarheiten auftun, dann wünsche ich euch, dass ihr zu diesen beiden Dingen zurückkommen könnt: zum Beten und zum einfachen Tun.“
Bezirkshauptmann Florian Kolmhofer unterstrich in seinen Grußworten, so unterschiedlich die Aufgaben von Kirche und öffentlicher Verwaltung seien, so gebe es doch etwas Einendes: die gemeinsame Arbeit für eine funktionierende Gesellschaft. „Ich danke der Kirche, die einen ganz wesentlichen Beitrag dazu leistet, dass Gesellschaft funktioniert, dass Gemeinsamkeit funktioniert – und diese Gemeinsamkeit brauchen wir nach den letzten Jahren ganz dringend, damit wir das Gemeinsame wieder vor das Trennende stellen.“ Die Pfarrstrukturreform bezeichnete der Bezirkshauptmann als „mutigen Schritt“: Die Zeichen der Zeit seien erkannt worden, man habe auf eine sich verändernde Umgebung reagiert und neue Strukturen geschaffen. Neues zu schaffen bedeute immer eine Herausforderung, sei aber ein wichtiges Zeichen der Erneuerung und zugleich der Beständigkeit, weil das Leben in den Pfarrgemeinden erhalten bleibe. Kolmhofer dankte besonders den ehrenamtlich in der Kirche Engagierten für ihren wertvollen Beitrag.
Martin Schachinger, Leiter der Stabsstelle zur Umsetzung der neuen Pfarrstruktur, drückte seine Freude über diesen wichtigen Schritt in der Umsetzung aus. Mit der Gründung und Amtseinführung sei eine wichtige Etappe abgeschlossen. Schachinger äußerte seine persönliche Wertschätzung gegenüber dem Pfarrer und den Vorständen und dankte für deren Mut und Geduld. Die Grundsympathie, die vorherrsche, lasse ihn auch kritische Fragen aushalten. Schachinger: „Ich habe euch drei mit eurer Direktheit schätzen gelernt. Wir gehen diesen Weg gemeinsam voll Hoffnung und voll Zuversicht, dass er gelingen wird – weil wir darauf vertrauen, dass hauptamtlich und ehrenamtlich Engagierte diesen Weg mitgehen.“
“Wir sind Pioniere, keine Angsthasen“
Am Ende des Gottesdienstes richteten die Neubestellten das Wort an die Feiergemeinde. Pfarrer Eduard Bachleitner verglich die eineinhalbjährige Vorbereitungszeit der Pionierpfarre mit einer Schwangerschaft: „Am ersten Jänner war die Geburt – aber mit der Geburt ist nicht alles abgeschlossen, es beginnt ein neuer Abschnitt. Mit neuen Freuden auf diesem Weg, vielleicht auch mit manchen Ängsten, was jetzt noch auf uns zukommen kann. Aber ich bin guten Mutes, wenn ich so in die Kirche hineinschaue und in die einzelnen Pfarrteilgemeinden: dass wir alle mutig in die Zukunft blicken, nicht ängstlich, sondern wagemutig, wie die Pfarre Schärding ist: Wir sind Pioniere, keine Angsthasen. Es kommt jetzt auf jeden und jede an, was wir aus dieser neuen Pfarre machen.“
Pastoralvorstand Martin Brait blickte ebenfalls auf intensive eineinhalb Jahre mit vielen Besprechungen, Struktur- und Organisationsfragen zurück. „Manchmal tauchen da Fragen auf: Wozu das Ganze? Wo kommt hier noch die Frohe Botschaft vor? Sieht man uns an, dass wir fasziniert sind vom Lebensentwurf Jesu und seinem Gottvertrauen? Sieht man uns an, dass wir uns berühren lassen von der Not der Menschen? Sieht man uns an, dass wir bei allen Schwierigkeiten uns getragen wissen von der Hand Gottes? Sind wir – wenigstens manchmal ein bisschen – transparent für diese tiefe Wirklichkeit, dieses große Geheimnis, das wir Gott nennen? Meine Bitte: Wenn man uns das nicht mehr ansieht, sagt uns das.“ Brait lud alle Anwesenden ein, gemeinsam den Weg weiterzugehen.


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