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"Wenn kostenlose Kinderbetreuung, dann bitte für alle Angebote"

Sabrina Kastenauer, 07.12.2023 13:35

INNVIERTEL/OÖ. Ab September 2024 soll die Betreuung in den Krabbelstuben vormittags beitragsfrei sein, wie die oberösterreichische Landesregierung verkündete. Anna Pucher, Geschäftsführerin der Tagesmütter Innviertel, steht diesen Plänen skeptisch gegenüber. Zumal Tagesmütter und -väter von der Regelung ausgenommen sind. ¶

 (Foto: Wieshofer)
(Foto: Wieshofer)

Tips: Ab September nächsten Jahres soll die Kinderbetreuung in Krabbelstuben ja kostenlos werden. Was bedeutet dies für die Kinderbetreuung in den Innviertler Bezirken?

Anna Pucher: Es ist natürlich ein tolles Angebot für Eltern, wenn sie ihre Kinder kostenlos in eine Kinderbetreuung geben können. Eine wichtige Frage ist aber, ob der dadurch politisch erwünschte steigende Bedarf an Krabbelstubenplätzen tatsächlich bedient werden kann. Es fehlen uns die Arbeitskräfte in der Kinderbetreuung, sowohl Pädagoginnen und Pädagogen als auch pädagogische Assistenzkräfte. Zusätzlich fehlen in den Gemeinden auch die Räumlichkeiten, die für die Nutzung einer Krabbelstube geeignet sind.

Ich bin sehr skeptisch, dass die Bedürfnisse, die mit der Aussicht auf kostenlose Kinderbetreuung in Krabbelstuben geschürt werden, in den Innviertler Bezirken tatsächlich gestillt werden können.

Zudem entsteht natürlich auch eine grobe Ungleichbehandlung von einer institutionellen Betreuung und der Betreuung über eine Tagesmutter beziehungsweise einen Tagesvater. Warum müssen Eltern für die eine Betreuung zahlen, wenn diese für ihr Kind vielleicht geeigneter ist oder sie einfach besser zu ihren Arbeitszeiten passt?

Tips: Und was bedeutet dies insbesondere für die Tagesmütter im Innviertel, die dabei ja nicht vorgesehen sind?

Pucher: Bei uns fragen natürlich Eltern schon an, warum die Betreuung bei uns ab Herbst nicht auch kostenlos ist. Wir haben aber leider keine plausible Erklärung dafür und müssen sie ans Land Oberösterreich verweisen.

Uns trifft die Entscheidung aber natürlich auch als Arbeitgeber für gut 160 angestellte Tagesmütter und Tagesväter. Mein Auftrag ist es, dafür zu sorgen, dass deren Beschäftigungsverhältnisse gesichert sind. Auch wenn ich zum gegebenen Zeitpunkt diese nicht gefährdet sehe werden wir natürlich wachsam sein und uns gegebenenfalls in weitere Bereiche entwickeln.

Ich bin davon überzeugt, dass die Betreuungsform bei Tagesmüttern und Tagesvätern - egal ob im eigenen Haushalt, in einem Kindernest oder in einer Betriebstagesmutterstätte – ein perfektes Angebot für Kinder und deren Eltern ist. Die kleinen Gruppen ermöglichen es uns, individuell auf Kinder einzugehen und sie gezielt zu begleiten und zu unterstützen. Dieses Angebot wird sehr bewusst von Eltern, Gemeinden und Betrieben angefragt und genutzt.

Ich denke, dass dieser Vorstoß der kostenlosen Kinderbetreuung in Krabbelstuben genau dieser Individualität widerspricht. Die Wahlfreiheit ist dadurch ja nicht aufgehoben, wie uns immer wieder beteuert wird, sie ist halt nur noch für jene möglich, die es sich auch leisten können und leisten wollen.

Allerdings bin ich auch davon überzeugt, dass unser Angebot der Betreuung im Herbst noch genauso gebraucht wird, wie bisher, weil es anders einfach nicht bewerkstelligt werden kann. Wir haben zum Beispiel Kindernester in Gemeinden, die lange Wartelisten für Krabbelstuben haben. Es ist ein Zusatzangebot, das die Gemeinden ihren Bürgern anbieten wollen, damit diese ihrer beruflichen Tätigkeit nachkommen können. Wer bitte soll diesen Eltern erklären, dass ihr Kind leider keinen kostenlosen Platz in der Krabbelstube erhalten wird, die Betreuung im Kindernest aber dafür kostenpflichtig ist? Gleiches gilt natürlich auch für unsere Tagesmütter im eigenen Haushalt.

Wir bieten in keiner Gemeinde eine Betreuungsform an, die nicht gebraucht wird. Also ist es für mich völlig unverständlich, warum das eine Angebot kostenlos genutzt werden kann und das andere kostenpflichtig ist.

 

Tips: Was wäre für Sie eine wünschenswerte Lösung? Wo müsste generell noch nachgearbeitet werden ins Sachen Kinderbetreuung?

Pucher: Wenn die Oberösterreichische Politik den Vorstoß wagt, Kinderbetreuung kostenlos anzubieten, dann bitte für alle Angebote. Warum nicht eine kostenlose Kinderbetreuung für alle U3-Jährigen, egal welche Betreuungsform für das Kind die richtige ist?

Meine wünschenswerte Lösung wäre, nichts zu gefährden, was sich in den Gemeinden gut entwickelt hat. Wir stehen in Österreich für die Förderung der Individualität von Kindern, wenn diese Individualität auch individuelle Betreuungsformen braucht, dürfen wir diese nicht einsparen.

Ich denke nachgearbeitet müsste vor allem beim Verständnis für den Bedarf von Kinderbetreuung werden. Es kann nicht sein, dass sich Eltern – und vor allem Mütter – dafür rechtfertigen müssen, dass sie eine Kinderbetreuung brauchen. Wenn es uns wichtig ist, dass Frauen und Männer als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, muss es uns auch wichtig sein, dass sie die bestmögliche Unterstützung durch qualitative Kinderbetreuungsangebote erhalten. Dabei spielen die Angebote durch Tagesmütter und Tagesväter eine wichtige Rolle, vor allem in ländlichen Regionen. Dass es diese Form der Betreuung weiterhin braucht, darf nicht nur ein politisches Lippenbekenntnis sein. Wir brauchen eine gleiche Behandlung wie institutionelle Angebote, damit wir auch weiterhin ein zuverlässiger Partner für Kinder, Eltern, Gemeinden und Arbeitgeber in den Regionen sein können.

Denn eines hat uns Corona gelehrt: ohne uns geht’s nicht.


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