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SCHÄRDING/PASSAU. Die gebürtige Schärdingerin Elisabeth Schua nahm trotz ihrer generalisierten Angststörung all ihren Mut zusammen und reiste allein mehr als 4.000 Kilometer durch Italien. Aus dem Abenteuer ist das Buch „Italien – ich komme … zu mir“ entstanden, das anderen Betroffenen Mut machen soll.

Elisabeth Schua ließ sich trotz ihrer Angststörung nicht von einer Reise abhalten. (Foto: privat)
Elisabeth Schua ließ sich trotz ihrer Angststörung nicht von einer Reise abhalten. (Foto: privat)

Allein losfahren, in Hotels übernachten, sich in unbekannten Städten zurechtfinden – für viele Reisende gehört das ganz selbstverständlich zu einem Urlaub. Für Schua bedeutet das eine enorme Herausforderung. Die gebürtige Schärdingerin, die in Brunnenthal aufgewachsen ist und heute in Passau wohnt, lebt seit ihrem 13. Lebensjahr mit einer Angststörung.

Angst reist mit

Eine generalisierte Angststörung beeinflusst den Alltag tiefgreifend. Während andere bei der Urlaubsplanung nach Hotels oder Restaurants suchen, beschäftigt Betroffene unter Umständen die Frage nach dem nächsten Krankenhaus. „Jedes körperliche Zucken, jeder schnelle Herzschlag kann die Angst vor schwerer Krankheit oder Tod auslösen. So stirbt man in Gedanken im Laufe eines Lebens tausend Tode“, erklärt die 65-Jährige.

Das Lesen eines Romans erweckte in ihr aber den Wunsch nach einer Reise. Im Buch reiste die Protagonistin wegen einer Erbschaft durch Italien und musste verschiedene Aufgaben erfüllen. Für die 65-Jährige stand beim Lesen schnell fest: So etwas wollte sie ebenfalls wagen. „Italien ist seit meiner Jugend mein Sehnsuchtsort“, sagt die Autorin. Der Wunsch nach der Reise stand ihrer Angst gegenüber. „Irgendwann beschloss ich, nicht länger darüber nachzudenken. Ich nahm all meinen Mut zusammen und fuhr los. Allein. Ohne Netz und doppelten Boden.“

Bis nach Apulien

Drei Wochen war Schua mit ihrem roten Fiat 500 unterwegs und legte dabei mehr als 4.000 Kilometer bis nach Apulien zurück. Ihre Route führte sie unter anderem über Limone sul Garda, Bergamo und Mailand weiter nach Genua, Pisa, auf die Insel Elba sowie nach Pitigliano, Orvieto und Matera. Weitere Stationen waren Polignano al Mare und Vieste. Schwere Unwetter in der dritten Reisewoche zwangen sie früher als geplant dazu, die Rückreise anzutreten. Die größte Herausforderung der Tour war für sie aber die Angst.

Während der Reise gab es immer wieder Momente, in denen Schua am liebsten umgedreht wäre. „Trotzdem weiterzufahren, war wahrscheinlich meine größte Leistung auf dieser Reise.“

Freiheit zurückgewonnen

Besonders im Gedächtnis geblieben sind ihr daher nicht nur Sehenswürdigkeiten, Landschaften oder das italienische Lebensgefühl, sondern vor allem jene Augenblicke, in denen sie realisierte, was sie geschafft hatte: allein in Italien unterwegs zu sein, obwohl die Angst sie jahrelang eingeschränkt hatte. Das Schönste für sie war, ein Stück Freiheit zurückzugewinnen.

Eine Reise wird zum Buch

Aus der Reise entstand schließlich ein Buch. Geplant war das zunächst nicht. Schua wollte ihre Erlebnisse ursprünglich nur für sich selbst festhalten. Mit der Zeit begann sie, sich zunehmend mit ihrer eigenen Vergangenheit und der Entstehung ihrer Ängste auseinanderzusetzen. Sie beschäftigte sich auch mit der Geschichte ihrer Mutter und mit einem transgenerationalen Trauma, das ihr eigenes Leben prägte. Das Schreiben half ihr, Zusammenhänge zu erkennen und vieles neu zu verstehen. „Irgendwann entstand daraus der Wunsch, meine Geschichte mit anderen zu teilen.“

Aus persönlichen Reiseaufzeichnungen entwickelte sich nach und nach ein Buchprojekt. Mit ihrer Geschichte möchte Schua jetzt vor allem anderen Betroffenen Mut machen und zu einem offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen beitragen. „Ich möchte zeigen, dass sich hinter jeder Fassade eine Geschichte verbirgt und dass psychische Erkrankungen kein Grund sind, sich zu schämen. Manchmal brauchen wir die Geschichten anderer, um zu erkennen, dass wir mit unseren Ängsten, Zweifeln und Herausforderungen nicht allein sind – und dass trotz allem mehr möglich ist, als wir uns selbst zutrauen.“

„Angst darf mitkommen“

Ihr wichtigstes Fazit aus der Reise sei nicht, die Angst besiegt zu haben. Vielmehr habe sie gelernt, trotz ihrer Angst Dinge zu tun, die sie sich zuvor nicht zugetraut hatte. „Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben – Mut bedeutet für mich, trotz Angst einfach loszufahren.“

Auch das Schreiben hat ihr neue Wege eröffnet. Eine Erkenntnis aus ihrer Italienreise begleitet sie weiter: „Die Angst darf mitkommen – aber sie bestimmt nicht mehr, wohin die Reise geht.“

Beim ersten Buch soll es nicht bleiben. Derzeit arbeitet Schua gleich an drei weiteren Projekten. Das zweite Buch soll den Titel „AMERIKA, ich komme“ tragen. In „Liesl, der Rotfuchs“ möchte sie die Geschichte ihrer Mutter erzählen, die als Flüchtling ihre Heimat verlassen musste. Außerdem arbeitet sie an einem Schärding-Krimi.

Lesung in Schärding

Mit Schärding ist Schua weiterhin eng verbunden. Als Stadtführerin zeigt sie Gästen die schönen Seiten ihrer Geburtsstadt.

Unter elisabeth.schua@gmx.at kann sie für Lesungen gebucht werden. Am Freitag, 11. September, präsentiert sie ihr neues Buch etwa im Schärdinger Schlosshof.

Freitag, 11. September

Schlosshof 3, Schärding

19 Uhr 


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