Männerberatung im Innviertel: Immer mehr Männer holen sich Unterstützung
INNVIERTEL. Beziehungskonflikte oder berufliche Überlastung: Immer mehr Männer suchen Unterstützung bei der Männerberatung, die auch in Schärding und Ried vertreten ist. Zum Weltmännertag am 3. November erklärt der Schärdinger Richard Schneebauer, Leiter der Männerberatung des Landes Oberösterreich, warum es vielen schwerfällt, über Belastungen zu sprechen – und was ein offenes Gespräch bewirken kann.

Tips: Sie leiten die Männerberatung des Landes und haben als „Männerkenner“ Bücher geschrieben. Wie kam es dazu?
Richard Schneebauer: Nach dem Soziologie-Studium habe ich mit etwas Erfahrung in der Jugendarbeit die Chance bekommen, die Männerberatung des Landes mitaufzubauen. Meine Hauptaufgabe war zuerst die Workshoparbeit mit Burschen in Schulen. Daneben habe ich mit einem erfahrenen Kollegen eine Männergruppe geleitet.
Alles andere kam mit unterschiedlichen Aus- und Weiterbildungen und der Zusammenarbeit mit erfahrenen Therapeuten. Ich bin drangeblieben. Schließlich empfinde ich es bis heute als eine spannende und wichtige Arbeit. Ich habe dadurch auch viel über mich selbst gelernt.
Welche Beratungsstellen gibt es im Innviertel? Wohin können sich Männer in einem akuten Krisenfall wenden?
Im Innviertel haben wir Außenstellen in Schärding und Ried. Erstgespräche sind über die Zentrale in Linz zu vereinbaren. Für die Beratung verrechnen wir einkommensgestaffelte Tarife. In der Beratung können sich Männer vertrauensvoll an Fach-Männer wenden. Die Berater und Therapeuten sind für verschiedenste Lebensfragen qualifiziert und behandeln das jeweilige Anliegen vertraulich, auf Wunsch auch anonym.
Es gibt eine österreichweite Krisenhotline: Rund um die Uhr kann man unter 0800 400777 mit Männerberatern sprechen.
Wie gut werden die Angebote genutzt?
Die Nachfrage ist durchwegs sehr groß und seit Jahren im Steigen begriffen. Heuer werden wir oberösterreichweit circa 3.500 Beratungen durchführen können. Im Innviertel waren es im Vorjahr 342 Beratungen, heuer werden die Zahlen ähnlich sein.
Wie läuft ein erstes Beratungsgespräch ab?
Zuerst einen Termin telefonisch unter 0732 772053300 vereinbaren. Meist gibt es etwas Wartezeit, wobei wir vorreihen, sobald jemand ausfällt. Dann vor Ort zum Gespräch treffen. Eine Beratung dauert maximal 50 Minuten. Wir klären dann Organisatorisches ab und am Schluss, ob beide Seiten den Eindruck haben, hier richtig zu sein.
Ein vertrauliches und offenes Gespräch kann vieles klarer machen und entlasten. Wie wichtig das für alle Männer wäre, davon handelt mein erstes Buch „Männerabend: Warum Männer einen Mann zum Reden brauchen“. Darin sind die wichtigsten Erfahrungen, die ich dazu sammeln konnte, eingeflossen.
Mit welchen Themen kommen Männer zu Ihnen?
Am häufigsten dreht es sich um Beziehungskonflikte, Trennungen, Scheidungen, berufliche Überlastung, aber auch um das Thema Gewalt. Männer, die sich verletzt und hilflos fühlen, agieren diese Gefühle leider oft sehr destruktiv aus.
Die Themen sind in den 26 Jahren, die ich jetzt dabei bin, die gleichen geblieben. Geändert hat sich, dass immer mehr Männer immer früher kommen, dass sie ihren Freunden von der Beratung erzählen und dass die Bereitschaft, sich Hilfe zu holen, steigt, auch wenn immer noch Luft nach oben ist.
Was gibt den Ausschlag, Unterstützung zu suchen? Was hält Männer davon ab, über Belastungen zu sprechen?
Der Druck steigt oder die Beziehung kriselt. Oft geben Frauen den Anstoß, dass der Mann sich Hilfe holen soll. Der Großteil kommt freiwillig, auch wenn es um Gewalt geht. Es verweisen auch Gerichte und andere Behörden.
Wir Männer sind zu oft Weltmeister im Aushalten. Eine gute Eigenschaft in der Arbeit, aber keine gute, wenn es um Beziehungen oder um sich selbst geht. Mannsein heißt halt immer noch, möglichst keine Schwächen zu haben und schon gar nicht zu zeigen. Es wird besser, aber es steckt in uns allen sehr tief drinnen.
Was können Männer selbst tun, wenn Belastungen zunehmen?
Darüber reden. Mit einem Freund, der nicht nur mit dem Spruch „andere Mütter haben auch schöne Töchter“ kommt. Oder mit jemandem professionell Geschulten Selbstschau betreiben. Man kann das Aushalten genauso übertreiben wie das Sich-ständig-selbst-Hinterfragen. Die Mischung macht's.
Suchen wir das offene und wertschätzende Gespräch unter uns Männern und damit gestärkt auch mit den Frauen. Die brauchen uns Männer, authentisch, empathisch und auf Augenhöhe, wie wir umgekehrt sie.








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