Nationalratswahl 2024: Spitzenkandidaten aus Schärding im Gespräch
SCHÄRDING. Am Sonntag, 29. September, wählt Österreich einen neuen Nationalrat. Schon seit Wochen werben die Parteien um die Gunst der Wähler und präsentieren sich und ihre Wahlprogramme. Im Tips-Brennpunkt zur Nationalratswahl bieten wir eine kleine Entscheidungshilfe, indem wir die regionalen Spitzenkandidaten der großen Parteien aus Wels und Wels-Land im Regionalwahlkreis Hausruckviertel näher vorstellen.

Dabei hat Tips August Wöginger von der ÖVP (Listenplatz 1), Karl Walch von der SPÖ (Listenplatz 3), Hermann Brückl von der FPÖ (Listenplatz 1), Sarah Birn von den Grünen (Listenplatz 3), Adrian Brunninger von den Neos (Listenplatz 3) und Paul Dirnberger von der KPÖ (Listenplatz 3) zu ihren wichtigsten Zielen in der Region, zu den Themen Klimaschutz, Migration, Infrastruktur und Soziales befragt. Die Antworten können eine kleine Entscheidungshilfe für das Kreuzchen am 29. September sein.
KLIMASCHUTZ
August Wöginger, ÖVP: Wir stehen für Klimaschutz mit Hausverstand, der auf Innovation und Fortschritt statt auf Verbote und Rückschritt setzt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Ausbau erneuerbarer Energien. Im Sinne der ökosozialen Marktwirtschaft sollen Klimaschutz und Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen.
Karl Walch, SPÖ: Neben einer starken staatlichen Industriepolitik, die die Grüne Wende vorantreibt, und mehr erneuerbarer Energie wollen wir einen massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs in unserer Region. Das macht das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln attraktiv und schützt das Klima.
Hermann Brückl, FPÖ: Für uns ist wichtig, dass Energiepolitik ideologiefrei und mit Hausverstand gestaltet wird. Dies ist derzeit vielfach nicht der Fall. Es werden utopische Maßnahmen vorangetrieben und es wird nicht auf die Bedürfnisse der Menschen und der Unternehmen Rücksicht genommen.
Sarah Birn, Grüne: Die Klimakrise ist die größte Herausforderung. Dieser Hitzesommer zeigt, dass sie schon längst auch das Innviertel betrifft. Wir brauchen eine rasche Energie- und Mobilitätswende und effektiven Bodenschutz. Klimaschutz gibt es nur mit den Grünen.
Adrian Brunninger, Neos: Wir setzen auf den Ausbau erneuerbarer Energien und nachhaltiger Mobilitätskonzepte. Wir sprechen uns für eine aufkommensneutrale CO2-Steuer aus, wollen die Bodenversiegelung eindämmen und klimafreundliche Innovationen fördern, um das Innviertel noch lebenswerter zu machen.¶
Paul Dirnberger, KPÖ: Wir sind für eine Wirtschaft, die mit Plan produziert. Endliche Ressourcen auf einem endlichen Planeten stehen im Gegensatz zu unendlichem Wachstum des Kapitalismus. Produkte sollen so produziert werden, dass sie lange halten und nicht gleich im Mistkübel landen.¶
MIGRATION
August Wöginger, ÖVP: Wir wollen den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte in unseren Arbeitsmarkt fördern, müssen aber die Einwanderung in unser Sozialsystem verhindern. Sicherheit braucht den konsequenten Einsatz für sichere Außengrenzen und den Stopp der illegalen Migration und Schlepperei
Karl Walch, SPÖ: Wir hetzen und spalten nicht, sondern stehen für Menschlichkeit und Ordnung. Es braucht rasche Asylverfahren an den EU-Außengrenzen und eine faire Verteilung von Asylwerber:innen in Europa. Das bringt 75 Prozent weniger Asylanträge in Österreich. Und wir brauchen Integration ab dem 1. Tag
Hermann Brückl, FPÖ: Unsere Grenzen müssen endlich gesichert werden - Einwanderung unter dem Vorwand Asyl muss auf null gestellt werden. Kriminelle Ausländer müssen konsequent ausgewiesen werden. Wir wollen uns selber aussuchen, wen wir einladen und wer bei uns leben darf.¶
Sarah Birn, Grüne: Abschottung ist widersinnig. Zuzug ist zum Beispiel für Pflege und Gastronomie notwendig. Wegen Fachkräftemangels brauchen wir Menschen, die hier arbeiten möchten. Natürlich ist Integration keine Einbahnstraße und erfordert Maßnahmen und Bereitschaft.¶
Adrian Brunninger, Neos: Wir brauchen qualifizierten Zuzug, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Asylwerbende sollten einen einfacheren Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten – das fördert auch die Integration und senkt die Sozialausgaben.¶
Paul Dirnberger, KPÖ: Eine Spaltung der Arbeiterklasse lassen wir nicht zu. Wir setzen uns für alle Hackler ein, egal welcher Herkunft. Direkter Zugang zum Arbeitsmarkt damit sie nicht in die Schwarzarbeit gezwungen werden und dadurch auch die Integration dieser Menschen zu fördern.¶
INFRASTRUKTUR
August Wöginger, ÖVP: Mobilität ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Freiheit und unseres Lebensmodells. Um die besten Rahmenbedingungen zu schaffen, müssen wir Infrastruktur ganzheitlich denken. Deswegen wollen wir bis 2030 rund 45 Milliarden Euro in die Bereiche Energie, Schiene, Straße und Breitband investieren.¶
Karl Walch, SPÖ: Unser klares Ziel ist es, dass die Menschen unabhängig von ihrer Postleitzahl in ihrer unmittelbaren Nähe Arbeitsplätze, Nahversorgung sowie ganztägige Kinderbetreuungs- und Gesundheitseinrichtungen vorfinden. Zudem fordern wir für jede Gemeinde einen Bankomaten.¶
Hermann Brückl, FPÖ: Eine Weiterentwicklung der Regionalverkehrskonzepte hat für uns Vorrang. Auch ist eine Entlastung der Bürger durch Rücknahme der CO2-Steuer und eine deutliche Senkung der NoVA unumgänglich. Ebenso wie der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und die Ausbildung von Gesundheits- und Pflegefachkräften.
Sarah Birn, Grüne: Das Innviertel ist beim öffentlichen Verkehr noch besonders aufholbedürftig. Das Straßennetz ist hervorragend ausgebaut – jetzt braucht es Investitionen in die Schiene. Eine bessere Taktung der Busverbindungen kann die Attraktivität erhöhen.
Adrian Brunninger, Neos: Um die wirtschaftliche Attraktivität zu stärken, fordern wir den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel und digitaler Netze im ländlichen Raum. Wir setzen auf eine nachhaltige Raumordnungspolitik, um die Zersiedelung zu stoppen und die Ortskerne wieder zu beleben.¶
Paul Dirnberger, KPÖ: Wir setzen uns für den Ausbau und Erhalt des öffentlichen Verkehrs vor allem im ländlichen Raum ein. Er soll eine kostengünstige Alternative zu den endlosen Autokolonnen auf unseren Bundesstraßen sein. Der Güterverkehr soll auf die Schiene.¶
SOZIALES
August Wöginger, ÖVP: Es ist unser Anliegen, dass unser Sozialstaat für all jene leistungsfähig bleibt, die ihn tatsächlich brauchen. Daher müssen wir jede Form des Missbrauchs und der Zuwanderung in unser Sozialsystem verhindern und sicherstellen, dass jene, die arbeiten können, das auch tun.¶
Karl Walch, SPÖ: Wir wollen zurück zu einer staatlich garantierten Gesundheitsversorgung – innerhalb von 14 Tagen soll jeder Mensch einen Facharzttermin bekommen. Auch die Bekämpfung der Teuerung und die Absicherung der gesetzlichen Pensionen ohne Erhöhung des Antrittsalters sind für uns von großer Bedeutung.
Hermann Brückl, FPÖ: Das derzeitige Sozialsystem ist ein Magnet für Zuwanderer. Es darf künftig keine Zuwanderung und keinen Familiennachzug in unser Sozialsystem mehr geben. Der Leistungswillige steht für uns an erster Stelle. Österreich muss attraktiv sein für qualifizierte Fachkräfte, die wir brauchen und nicht für Sozialhilfeempfänger.¶
Sarah Birn, Grüne: Gerade in Schärding werden derzeit viele Eigentumswohnungen gebaut. Uns Grünen ist leistbares Wohnen ein zentrales Anliegen: Sozialer Wohnbau ist für viele unerlässlich, damit vom Einkommen noch was übrigbleibt und Armut vermieden werden kann.¶
Adrian Brunninger, Neos: Wir setzen auf Chancengerechtigkeit durch bessere Bildung und eine flächendeckende Kinderbetreuung für echte Wahlfreiheit. Wir sorgen für ein zukunftssicheres Pensionssystem und für deutlich mehr Netto vom Brutto durch geringere Lohnnebenkosten und niedrigere Steuern auf Arbeit.¶
Paul Dirnberger, KPÖ: Auf dem Land fehlt vieles, Kindergärten und Schulen werden geschlossen, Freibäder und andere Freizeitangebote werden gekürzt oder vernachlässigt, deshalb anstatt Geld „sparen“ auf dem Rücken der Hackler lieber Reiche gerecht besteuern und damit diese Angebote finanzieren.¶


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