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SCHEIBBS. Eine Abordnung rund um VP-Bürgermeister Franz Aigner und VP-Sportstadträtin Alena Fallmann hieß Pia Zerkhold, die erste Scheibbser Olympia-Teilnehmerin, bei einem kleinen Empfang im Rathaus herzlich willkommen.

(V.l.) Sportstadträtin Alena Fallmann, Irene Zerkhold, Hans Kurz, Olympionikin Pia Zerkhold und Bürgermeister Franz Aigner (Foto: Stadtgemeinde Scheibbs)

48 Stunden dauerte die Heimreise über Seoul, Paris, München und Wien – nach dem China-Abenteuer war die 23-Jährige froh, wieder zu Hause bei Mutter Irene Zerkhold und Stiefvater Hans Kurz angekommen zu sein.

Einmal „Aus“ und Platz 13

Sportlich gesehen war die Teilnahme an ihren ersten olympischen Spielen durchwachsen: ein Achtelfinal-Aus im Einzel- und ein 13. Platz im Mixed-Bewerb stehen zu Buche. Obwohl sie sich selbst nicht zu viel Druck auferlegte, war sie nach den Rennen sehr enttäuscht. „Es wäre mehr drinnen gewesen“, gab sie zu Protokoll, „Trotzdem war es eine tolle Erfahrung, dabei gewesen zu sein.“ Von den Spielen in Peking nahm sie gute und weniger gute Eindrücke mit: Das Essen etwa war nicht besonders, weshalb sie vor Ort vor allem auf Fleisch verzichtete. Sprachbarrieren wurden mittels digitalem Sprach-Übersetzer überwunden. „Die Chancen, dass der richtig übersetzt hat, waren 50:50“, so Zerkhold.

Weltmeisterschaften 2023 und Olympia 2026

Das Zusammentreffen mit anderen Sportlern wie Olympiasiegerin Anna Gasser und mitfiebern bei anderen Sportarten gefiel ihr besonders. Genächtigt haben die Snowboard-Crosser gemeinsam mit den Freestylern direkt bei den Sportanlagen im Hotel und nicht im Olympischen Dorf. Der Blick richtet sich nun bereits wieder nach vorne, schließlich stehen heuer noch zwei Weltcuprennen auf dem Programm. Die nächsten großen Ziele sind die Weltmeisterschaften 2023 in Georgen und natürlich die Olympischen Spiele in Cortina in Italien im Jahr 2026. Dann ist es vielleicht auch möglich, die Sportlerin vor Ort mit einer Fanabordnung aus Scheibbs zu unterstützen. Den sportlichen Alltag indes dominiert das Training – sechsmal pro Woche – egal ob Winter oder Sommer. Die 23-jährige Heeressportlerin ist in Linz stationiert, trainiert aber großteils in St. Pölten.

Werdegang von Pia Zerkhold

Erst mit 12 Jahren begann Pia Zerkhold mit dem Snowboarden. Im Winter 2011/2012 wurde sie „angeworben“, um mit der Schulmannschaft des BRG Wieselburg bei den Landesmeisterschaften zu starten, und holte tatsächlich den Landemeistertitel, um gleich darauf bei den School-Olympics auch die Bundesmeisterschaften zu gewinnen. Bei diesen Rennen sind auch immer die Trainer der Skischwerpunktschulen Schladming und Stams vor Ort dort, um Talente für Ihre Schulen zu sichten. Pia wurde daraufhin von beiden Schulen kontaktiert, um bei der dreitägigen Aufnahmeprüfung teilzunehmen. Anfangs hatte Pia nicht das Interesse an einer Leistungssportkarriere – auf Nachbohren des Schladminger Trainers, fuhr sie aber doch hin, wurde aufgenommen, und beschloss, es sich einmal ein Jahr anzuschauen.

Jeden Tag Sport machen zu können, im Winter viel Zeit im Schnee zu verbringen, gefiel ihr dann aber doch und so setzte sie nach dem „Probejahr“ ihre Schullaufbahn in der HAK in Schladming fort.

Gleich nach den ersten beiden Schuljahren wurde Pia 2015 in den ÖSV C-Kader aufgenommen, und begann mit internationalen Junior-FIS-Rennen und ersten EC-Rennen.

2015 durfte sie bei den EYOF (European Youth Olympic Games) im Montafon starten und gewann dort im Team die Silbermedaille. 2016 war der Saisonhöhepunkt die YOG (Youth Olympic Games) in Lillehammer. 2017 wurde sie in der Gesamteuropacupwertung 9. und stieg in der ÖSV B-Kader auf. Es folgten die ersten Einsätze im Weltcup, wo sie aber über die Qualifikation der besten 16 in die Finalläufe noch nicht hinauskam.

Im Juni 2018 maturierte Pia in der HAK in Schladming, was noch einmal ein Scheidepunkt war - entweder eine weitere Ausbildung beginnen und mit dem Leistungssport aufhören, oder die Aufnahme in den Heeressportleistungskader schaffen. Das ist zu diesem Zeitpunkt einer Sportkarriere Ziel fast jeden Sportlers, weil nur dadurch auch die finanzielle Belastung geregelt wird.

Pia wurde im Juni 2019 in den Heeressportkader aufgenommen, ab da konnte sie sich voll auf den Sport konzentrieren, die Doppelbelastung Lernen und Sporteln war zu Ende und das harte Training über den Sommer wurde mit einem 8. Platz beim ersten Weltcuprennen in der Saison 2020/21 belohnt. Auch die restliche Saison verlief sehr erfolgreich, und am Ende, im März 2021, wurde sie mit dem 13. Gesamtrang im Weltcup mit der Auszeichnung der FIS zum „Rooky of the year“ gekürt. Eine Auszeichnung die sich aus der sportlichen Leistung einerseits und der gesamten Persönlichkeit des Sportlers zusammensetzt, und von einer Jury aus Trainern und Funktionären aller Nationen gewählt wird.

Es folgte der Aufstieg in den ÖSV A-Kader. Nach einigen Tiefschlägen durch Verletzungen, insgesamt bereits 4 Gehirnerschütterungen und ein Bänderriss im Sprunggelenk, hat Pia endlich das Ziel und einen fixen Startplatz im Weltcup erreicht. Seitdem pendelt Pia als einzige Dame mit dem Herrennationalteam von Rennen zu Rennen.

Mit dem Einzug ins große Finale im Nov. 2021 beim ersten Weltcuprennen der Saison 2021/22 sicherte sich Pia die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2022 in Peking.

Weitere Top 10 Plätze und erneut ein großes Finale im letzten Rennen vor der Olympiade in Cortina d`Ampezzo sicherten Pia den aktuell 7. Platz im Weltcup. 2 Rennen folgen noch. Das Heimrennen am 12. März auf der Reiteralm und das Weltcupfinale in Veysonnaz in der Schweiz am 20. März, an dem nur mehr die Top 16 der Weltcupwertung teilnehmen dürfen.


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