Schlierbacher Jagdleiter: Jäger dürfen nicht mit Bikern reden
SCHLIERBACH. Mythen und Ängste zum Thema Mountainbiken beseitigen – das wollte der Verein Bikesport RC Kremstal beim Infoabend im Gasthaus Schröcker. Ob die Radler damit erfolgreich waren, ist schwer zu sagen, die angesprochenen Jäger und Grundeigentümer verhielten sich sehr ruhig.

Brechend voll war das Gasthaus Schröcker im Schlierbacher Ortskern beim Informationsabend des Radvereins Bikesport RC Kremstal zum Thema Mountainbiken. Ängsten begegnen, Missverständnisse und Mythen aus der Welt schaffen und ein Mit- statt Gegeneinander zu erreichen, war Ziel der Veranstaltung, wie Moderator Bernhard Kreuzhuber eingangs bemerkte.
Mythos Haftung
Ein altbekannter Mythos das Mountainbiken betreffend ist das Thema Haftung. Dazu sprach der Jurist Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. „Bei freigegebenen Mountainbike-Strecken haftet nicht der Grundeigentümer, sondern der Betreiber, der Wegerhalter ist“, so Kaltenegger. Wegerhalter ist zwar zunächst der Grundeigentümer, dieser kann die Verantwortung aber vertraglich an einen Betreiber abgeben. Dazu reicht laut Kaltenegger ein formloses Schreiben im A4-Format. Betreiber und somit Wegerhalter kann beispielsweise die Gemeinde, ein Fremdenverkehrsverein oder der Tourismusverband sein. Diese haben, so Kaltenegger, ebenfalls rechtlich nichts zu befürchten, da sie nur bei grober Fahrlässigkeit haften. Für diese seltenen Fälle gibt es in Oberösterreich seit 1997 die Möglichkeit einer kostenlosen Wegehaftpflichtversicherung über die Oberösterreich Tourismus GmbH. Was das Thema Forststraßen betrifft, brächte die Freigabe für den Grundeigentümer sogar eine Erleichterung, so Kaltenegger weiter. Denn davor haftet dieser für die dort legal fahrenden Jäger und Förster. Findet sich ein Wegerhalter, übernimmt dieser vertraglich die Haftung für den gesamten Verkehr auf der Strecke. In der Praxis komme es zudem sehr selten zu Haftungsklagen und nur ein minimaler Prozentsatz werde dabei schlagend, so der Rechtsexperte. Ist es also ein Mythos, dass die Haftung ein zentrales Thema beim Mountainbiken ist, wollte jemand aus dem Publikum wissen. Das konnte Kaltenegger klar bejahen.
Diskussion um Grillparz
Die Botschaft, dass Mountainbiker kein rechtliches Risiko darstellen, richtete sich in erster Linie an die Grundeigentümer an Schlierbachs Hausberg, dem Grillparz. Dort hat der Verein Bikesport RC Kremstal vergangenes Jahr mit der Errichtung eines Trails, einer legalen Abfahrtsvariante für Mountainbiker, begonnen.
Problem Ausfahrt
Der Verlauf der Strecke am Grund der Agrargemeinschaft ist bereits behördlich genehmigt und zur Hälfte gebaut. Damit die Route nicht mitten im Wald endet, wünscht sich der Radverein eine Ausfahrt zur öffentlichen Straße, um über diese ins Tal zu gelangen. Je nach Variante würde eine Ausfahrt rund 100 Meter Luftlinie fremdes Grundeigentum passieren. Die betroffenen Grundeigentümer haben aber im Frühjahr in einer von Schlierbachs Jagdleiter Hans Eder gestarteten Unterschriftenaktion geschlossen ihr Nein zum Durchfahren ihrer Grundstücke bekundet.
Zu späte Information
Ein Kritikpunkt, mit dem der Radverein immer wieder konfrontiert wird, ist, dass dieser die betroffenen Grundeigentümer zu spät informiert habe. Vorgebracht wurde dieser auch beim Infoabend, von einem Vertreter der Schlierbacher Jägerschaft, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Die Fronten sind verhärtet“, fügte der Waidmann hinzu. Christoph Berger-Schauer, Obmann des Radvereins, hat diesen Fehler in der Vergangenheit schon mehrmals eingeräumt und auch schon öfters um Entschuldigung gebeten – so auch bei der Veranstaltung im Gasthaus Schröcker. Mit der Jägerschaft habe der Verein bereits Ende 2017, schon vor dem Einbringen der Anträge auf der Bezirkshauptmannschaft, gesprochen. Erste Gespräche mit den Grundeigentümern habe es aber erst im Frühjahr 2018 und dann wieder ein Jahr darauf gegeben. Im Publikum tauchte daraufhin die Frage auf, was denn von Seiten der Trail-Bauer in Zukunft zu tun sei, um Konflikte mit den Grundeigentümern und Jägern zu vermeiden. Es folgte langes Schweigen. Schließlich meldete sich ein Grundeigentümer aus St. Pankraz, Ernst Lichtenwöhrer, zu Wort. Jeder solle seine Kompetenzen und Rechte kennen und diese einhalten, die Jäger genauso wie die Mountainbiker. Der Waldbesitzer, der selbst Radfahrer und Jäger ist, sieht in der Jägerschaft nur eine von vielen Interessensgruppen am Berg.
Jäger wollen nicht sprechen
Der Grund für die Zurückhaltung der anwesenden örtlichen Jägerschaft war ein Schreiben, das die Jagdleiter von Schlierbach und Oberschlierbach dem Verein am Tag vor der Veranstaltung über Schlierbachs Bürgermeisterin Katharina Seebacher zukommen ließen. Darin hielten sie fest, dass sie zu keinen Gesprächen bereit sind.


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