Dorfhelferin: Sie ist da, wenn die Bäuerin ausfällt
MÜNZENBERG. Immer dann, wenn die Bäuerin am Betrieb ausfällt, werden sie gerufen - die NÖ Dorfhelferinnen. Seit 1966 gibt es den Beruf und zwar ausschließlich im Bundesland Niederösterreich. Elisabeth Penz ist eine Dorfhelferin mit Leib und Seele, Tips hat sie auf einem ihrer ehemaligen Einsatzbetriebe in Münzenberg (Gemeinde Schönbach) besucht.

„Ich wusste schon immer, dass ich keinen Beruf ausüben mag, wo ich den ganzen Tag dieselbe Tätigkeit wie Regale einräumen muss“, schmunzelt Elisabeth Penz. Die 24-Jährige ist nun das siebte Jahr als Dorfhelferin im Einsatz - für sie eine Berufung. „Ich liebe die Abwechslung, man weiß nie, was einen am nächsten Tag wirklich erwartet“, meint die junge Frau. In der Regel ist sie alle paar Wochen auf einem anderen bäuerlichen Betrieb. „Es ist immer auch spannend, wo man hinkommt - ich liebe einfach die Herausforderung“, so Penz.
Not an der Frau
Dorfhelferinnen werden immer dann gerufen, wenn am landwirtschaftlichen Betrieb die betriebsführende Bäuerin ausfällt und ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen kann. „Das kann aufgrund von Krankheit, einer (Problem-)Schwangerschaft oder der Geburt eines Kindes über den Unfall oder Kuraufenthalt bis hin zum Tod der Bäuerin sein“, erklärt Monika Schadenhofer, die Leiterin der NÖ Dorfhelferinnen. „Man erlebt den ganzen Kreislauf des Lebens, der schönste Einsatzgrund ist natürlich die Geburt eines Kindes“, meint Elisabeth Penz.
Aber auch bei schweren Schicksalsschlägen wird ihre Hilfe benötigt. Gerade in diesen Fällen müsse man ein gutes Gespür für die jeweilige Situation der Familie mitbringen. Die berufsbegleitende Supervision, die in regelmäßigen Abständen stattfindet, erachtet Penz als sehr wichtig. „Hier können wir über alles reden, ich persönlich versuche Negatives, wie die schlimmen Schicksalsschläge einer Familie nicht mit nach Hause zu nehmen.“
Wechselnder Arbeitsplatz
In der Regel wohnt, lebt und arbeitet die Dorfhelferin drei Wochen am jeweiligen Hof, je nach Bedarf und Möglichkeit kann verlängert werden. Mit dem wechselnden Arbeitsplatz wechseln auch Situation und Anforderungen. „Ist die Bäuerin auf Kur oder im Spital, bleibt mir zu Beginn oft nur die Erkundung, denn zumeist kennt sich der Bauer in der Küche auch nicht sonderlich gut aus“, lacht Elisabeth Penz.
Neben der Führung des Haushaltes und der Betreuung der Familienangehörigen ist die Dorfhelferin oft auch eine große Stütze bei der Stallarbeit, als Erntehilfe oder bei Gartenarbeiten. „Man gibt einfach sein Bestes, natürlich hat man wie in jedem Beruf Tätigkeiten, die man lieber macht“, weiß Penz. Und ist der Kuchen mal nicht so perfekt, wird zumeist darüber hinweg geschaut. Die Abwechslung von Haushalt, Kindern, Garten und Stall - das ist für die 24-Jährige das Besondere.
Einsatzbetrieb in Münzenberg
Elisabeth Penz wurde bereits zu über 90 Einsatzbetrieben gerufen, einer von ihnen war der landwirtschaftliche Bio-Hof der Familie Grünstäudl in Münzenberg (Gemeinde Schönbach). Zweimal, nach der Geburt des dritten und vierten Kindes, stand sie Landwirt Stefan Grünstäudl unterstützend zur Seite. „Elisabeth hat uns in dieser Zeit sehr geholfen, ich war schließlich im Krankenhaus und Oma war keine mehr da, die uns unterstützte“, erinnerte sich Bäuerin Renate Grünstäudl zurück. Es galt die Kinder zu versorgen, bei der Stallarbeit zu helfen oder auch die Ferienwohnungen für die Gäste zu reinigen.
Ein Beruf mit viel Verantwortung
„Elisabeth kocht sehr gut, vor allem ihr Umgang mit den Kindern ist bewundernswert, sie hat ein wahres Händchen dafür“, ist Renate Grünstäudl voll des Lobes. Der hohen Verantwortung, die eine Dorfhelferin in dieser Zeit hat, ist sich Elisabeth stets bewusst: „Schließlich werden dir hier neben dem Haushalt die kleinen Kinder anvertraut“. „Hut ab vor der Leistung, die ihr als Dorfhelferinnen erbringt - alle drei Wochen einen anderen Stall und Haushalt zu schupfen - jede Familie hat einen anderen Geschmack, jeder Ofen kocht anders“, zollt Renate Grünstäudl Respekt.
Neben der Leidenschaft, die man für den Beruf mitbringen sollte, wäre es wichtig vielseitig, flexibel und spontan zu sein, weiß Elisabeth Penz. „In vielen Fällen ersetzen wir in der Zeit die Bäuerin nahezu zu 100 Prozent - wenn nach dem Stall frühmorgens die Kinder um sieben Uhr außer Haus sein sollten, muss man schon eine gute Zeiteinteilung haben“, ist sich die 24-Jährige gewiss. Jeder Einsatz ist eine neue Herausforderung, nichts desto trotz „wächst man sehr mit den Aufgaben und lernt unglaublich viel dazu“, freut sich Penz.
500 Einsätze im Jahr
Obwohl die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit Jahrzehnten abnimmt, geht die Zahl der Einsätze nicht zurück, im Gegenteil. „Früher hatte man gerade auf landwirtschaftlichen Betrieben das Gefühl, es alleine bewältigen zu müssen, heute traut man sich mehr, Hilfe anzunehmen. Dass man sich auch Zeit nehmen darf, wenn ein Kind auf die Welt kommt, das steht der Frau auch zu“, ist Bäuerin Renate Grünstäudl überzeugt.
„2017 war ein absolutes Rekordjahr, wir verzeichneten über 500 Einsätze“, erläutert Monika Schadenhofer, diese Zahl wird auch 2018 in etwa gleich bleiben. 32 aktive Dorfhelferinnen, vorwiegend aus dem Most- und Waldviertel sind derzeit in ganz Niederösterreich im Einsatz. „Wir haben ein tolles, starkes, verlässliches und sehr junges Team, das wir sehr schätzen“, freut sich Schadenhofer. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 24 Jahren, aus gutem Grund. „Hat man später eine eigene Familie, lässt sich der Beruf kaum mehr ausüben“, erzählt Elisabeth Penz. Auch wenn der Beruf grundsätzlich männlichen Anwärtern offen steht, sind derzeit übrigens nur Dorfhelferinnen im Einsatz.
Niederösterreich als Vorreiter
Was dieses Berufsbild betrifft, ist das Bundesland Niederösterreich Vorreiter. 1966 wurde das Angebot als leistbare Unterstützung für die Bauern ins Leben gerufen, und vom Land Niederösterreich subventioniert. Warum bis heute noch kein anders Bundesland nachgezogen ist? Gute Frage.


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