Regionale Unternehmer vermissen eine klare Schwerpunktsetzung
Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat die Industrie in der Region Mühlviertel eine beachtliche Entwicklung durchlaufen. Um den steten Aufwärtstrend - zuletzt betrug das jährliche Wachstum durchschnittlich 4,3 Prozent - fortzusetzen, sind künftig aber klare Schwerpunktsetzungen nötig.

Dies forderten vergangenen Mittwoch Geschäftsführer von erfolgreichen Mühlviertler Unternehmen bei einer Diskussion im Rahmen von „Treffpunkt Industrie“ bei Engel Austria in Schwertberg. Wie sehr das nördlichste Viertel vom Zuwachs an industrieller Stärke profitiert, lässt sich am Beispiel des Spritzgussmaschinen-Herstellers Engel erahnen. „Wir sichern nicht nur Arbeitsplätze in der Region, sondern bezahlen auch 80 Prozent unseres Steueraufkommens in Österreich, obwohl wir hier nur zehn Prozent des Umsatzes erwirtschaften“, betonte Engel-CEO und „Treffpunkt“-Gastgeber Peter Neumann. Im Gegenzug müsse die Politik die Rahmenbedingungen so gestalten, dass den Betrieben die Arbeit erleichtert werde - durch die Einschränkungen bei den Donaubrücken, ein Zuviel an Bürokratie und mangelnde Arbeitszeitflexibilität sei das beispielsweise aber nicht wirklich der Fall. Zudem seien laut Neumann in Oberösterreich, dem Land des Maschinenbaus, aufgrund des Mangels an gut ausgebildeten Technikern ein Ausbau der Bildungsmaßnahmen notwendig.
Ausbau der Breitbandinfrastruktur
Für Martin Bergsmann, Sprecher der Geschäftsführung der Hueck Folien GmbH in Baumgartenberg, stellte sich die Frage, wann es denn tatsächlich zu einer verstärkten Ausrichtung des Standortes auf die Bedürfnisse der Betriebe kommen würde: „Bei der Steuerbelastung der Unternehmen braucht es eine deutliche Reduktion. Die bezahlten Steuergelder werden zu wenig effizient eingesetzt, es fehlen entsprechende Schwerpunkte auch im Landesbudget.“ Entscheidend für Betriebe sei auch eine sichere Stromversorgung und eine leistungsstarke Breitbandanbindung sowie entsprechender Fachkräftenachwuchs auf allen Bildungsstufen. Beispielsweise könnten in seinem Betrieb derzeit viele Lehrstellen nicht besetzt werden.
Deregulierung als Dauerthema
Wirtschaftslandesrat Michael Strugl ortete bei der Infrastruktur zwar ein geschärftes Problembewusstsein in der Landespolitik, merkte aber an: „Auch die Länder verheddern sich bei Infrastrukturprojekten im Dickicht der bürokratischen Anforderungen. Deregulierung ist in allen Bereichen ein Dauerthema. In meinem Zuständigkeitsbereich habe ich bereits entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet.“ Besonders im Fokus stehen laut Strugl auch der Ausbau der Breitbandinfrastruktur und neue Wege in der Arbeitsmarktpolitik des AMS OÖ, wenn aktuell 40.000 Arbeitssuchenden fast 15.000 freie Stellen und 1900 offene Lehrstellen gegenüberstehen.
Lösungen vielfach auf Landesebene möglich
Für Industriellenvereinigung-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch steht fest, dass viele der angesprochenen Themenbereiche auf Landesebene gelöst werden können: „Auch wenn die meisten Gesetze auf Bundesebene gelten, so ist deren Umsetzung häufig auf Landesebene entscheidend. Für einen Industriestandort wichtige Themen wie zielgenaue Weiterentwicklung der Bildungsinfrastruktur von der frühkindlichen Bildungüber die HTL bis zu FH oder Universität, die Gestaltung der Forschungslandschaft, der Infrastrukturausbau, die Arbeitsmarktpolitik, der Aufbau von Clusterstrukturen und natürlich Haushalts- und Verwaltungsfragen werden auf Landesebene gestaltet. Umso mehr muss es gelingen, Oberösterreich in den nächsten Jahren wieder auf die Überholspur zu bringen“


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