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Interview: Paarbeziehungen in Corona-Zeiten - Wege aus der „Negativspirale“

Michaela Aichinger, 24.06.2020 19:47

SEITENSTETTEN. Anfang Juli lädt der Imago-Paar-Therapeut Erwin Jäggle im Bildungszentrum St. Benedikt vor allem Singles, aber auch Paare zum Workshop „Die Liebe, die du suchst“ ein. Im Interview spricht der Referent über Paarbeziehungen in Corona-Zeiten.

  1 / 2   Die Imago-Methode lehrt eine sichere, konstruktive und wertschätzende Kommunikation. Foto: CHAINFOTO24/Shutterstock.com

Herr Jäggle, Sie sind seit vielen Jahren erfolgreich als Paartherapeut tätig. Wo sehen Sie aufgrund der aktuellen Situation die größten Herausforderungen im Beziehungsalltag?

Jäggle: Klar ist: Beziehungen hören in der Coronakrise nicht auf! Die Ausgangsbeschränkungen haben die gewohnten Abläufe im Beziehungsalltag gehörig durcheinander gebracht. Paare und Familien waren auf engem Raum zusammen. Mehr und mehr gegensätzliche Dinge waren auszuhandeln. Damit gab es auch mehr Konflikte. Dazu kommt nun noch jede Menge Angst, wie es weitergehen wird. Und: wir kommen einander nicht aus! Stress! Dampf am anderen ablassen! Streit kommt auf! Was sich manche schon immer wünschten – nämlich viel Zeit zusammen – scheint vielen nun auf den Kopf zu fallen. Selbst die ersten Lockerungen bringen nur mäßig Entspannung. Miteinander sicher, konstruktiv und wertschätzend reden können, ist jetzt mehr denn je gefragt.

Warum arbeiten Sie seit Jahren mit der Imago-Methode? Wo hat sie ihren Ursprung?

Jäggle: Mich fasziniert an Imago die besondere Wirksamkeit der Methode in Beratung und Therapien von Paaren, Einzelpersonen, Familien und Gruppen. Imago eröffnet Einsichten in die eigene Beziehungsgestaltung und bietet „Werkzeuge“ zu deren Verbesserung. Theorie und Praxis des Imago-Ansatzes wurden in den Jahren 1980 bis 1982 von Dr. Harville Hendrix und seine Frau Helen Hunt entwickelt, veröffentlichten im Buch „Soviel Liebe wie du brauchst“. 1998 gab es in Österreich die erste Ausbildung in Imago-Paartherapie. Seitdem arbeite ich mit Imago.

Wo empfinden Sie die Imago-Methode als besonders unterstützend?

Jäggle: Imago lehrt unter anderem eine sichere, konstruktive und wertschätzende Art des Kommunizierens – eine Fertigkeit, die gerade in der Zeit der aktuellen Corona-Krise von großer Bedeutung für Paarbeziehungen ist. Besonders unterstützend empfinde ich Imago in der Arbeit mit Paaren zur Verbesserung ihrer Beziehung. Paare lernen, welche unbewussten Kräfte ihre Beziehungen steuern. Warum es einen gerade zu einem ganz besonderen Typ von Mensch zieht. Man stellt sich die Frage: „Was zum Teufel treibt mich immer wieder in die gleichen Konflikte?“ Man lernt aber auch Auswege: unter anderem, wie man Frustrationen zu persönlichem Wachstum nützen kann. Man lernt „Werkzeuge“ und deren Gebrauch kennen, die es einem ermöglichen, die Wünsche und Bedürfnisse einer Partnerin oder eines Partner so zu erfüllen, wie sie oder er es sich wünscht. Man lernt dabei darüber hinaus auch, wie man einer Partnerin oder einem Partner seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse so vermittelt, dass sie oder er diese auch erfüllen kann.

Wieso ist Ihrer Meinung nach eine Kommunikationsmethode für Paare ebenso bereichernd für Singles?

Jäggle: Die eigene Art der Beziehungsgestaltung ist die Grundlage, ob Paarbeziehungen gelingen oder nicht. Menschen, die unfreiwillig keine intime Beziehung haben und/oder halten können, leiden! Der Imago-Ansatz bietet Hilfe. Imago ist ein Wachstumsmodell und vermittelt Einsicht, wie ich selbst unbewusst meine Beziehungen immer wieder scheitern lasse. Es bietet Ansätze, aus der „Negativspirale“ auszusteigen. Allem voran geht es – wie in allen Beziehungen – darum, eine sichere, konstruktive und wertschätzende Kommunikation zu mir selbst und zu anderen Menschen zu lernen und zu pflegen.

Imago-Single-Workshop

Fr., 3. Juli – So., 5. Juli

Bildungszentrum Seitenstetten

Anmeldung: Tel. 07477/42885

www.st-benedikt.at


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