Sighartinger werten Schafwolle auf
SIGHARTING. 2012 haben Martina Schlöglmann und ihr Mann Thomas ihren Betrieb in Wurmsdobl von Rinder- auf Schafhaltung umgestellt. Eine Entscheidung, die sie nie bereut haben. Wofür sie die Schafwolle verwenden? Düngepellets.

Mit 15 Coburger Fuchsschafen, einer in Österreich sehr seltenen Schafrasse, begann ihre Leidenschaft für die kleinen Wiederkäuer. „Unseren kleinen Zuchtbetrieb betreiben wir mit viel Freude und machen damit die Landwirtschaft zu unserem größten Hobby“, erzählt Martina Schlöglmann. Mittlerweile hat sich ihre Herde verdoppelt. „Besonders die Wolle hatte es mir schon bald angetan. Ich begann zu filzen und mit dem Rad zu spinnen“, sagt die Hobbylandwirtin. Alle zehn Monate werden ihre Lieblinge geschoren. Jedes Schaf gibt im Schnitt zwei bis drei Kilogramm Wolle. Doch was passiert mit der verschmutzten Schafwolle, die sich nicht für die Handarbeit eignet?
Wertstoff Schafwolle
„Bei vielen Schafhaltern hat Schafwolle heute eher den Beigeschmack, ein minderwertiges Überbleibsel zu sein. Für mich ist Schafwolle ein Rohstoff, ein Wertstoff, den wir wieder besser nützen müssen“, erzählt die Schafzüchterin. Und so ist die Idee entstanden, aus der Schmutzwolle Pellets als Langzeitdünger zu machen. Gemeinsam mit Freund Gabriel Schlager haben die beiden 2018 die Firma Vollschaf gegründet.
Alte Tradition neu erfunden
Schon vor Jahrhunderten haben Bauern die Wolle ihrer Schafe auf dem Feld vergraben, um die wertvollen Inhaltsstoffe zu nutzen. Während Flies schwer zu dosieren ist und schnell wieder an die Oberfläche kommt, sind Pellets leicht zu dosieren, lockern die Erde auf und speichern Wasser. Die Pellets bestehen zu 100 Prozent aus Rohwolle, die zuerst gehäckselt und dann gepresst wird.
Aus der Region für die Region
„Wir wollen die Bauern aus der Region unterstützen“, erklärt Thomas Schlöglmann die Philosophie des Unternehmens. „Bauern aus der Region sollten ihre Wolle zu vernünftigen Preisen verkaufen können. Also ihrem Rohstoff neuen Wert geben.“ Um ihnen hohe Anfahrts- und Zeitkosten zu ersparen, hat Vollschaf alle Schafhalter zur ersten regionalen Wollsammlung in Andorf eingeladen. Die vom Bauern sortierte Schafwolle wurde vor Ort abgenommen, verwogen und bezahlt.
Grenzen austesten
Derzeit werden Vollschaf-Pellets vor allem im Garten- und Balkonbereich eingesetzt. Doch die Unternehmer wollen die Grenzen ihres Produktes weiter austesten und die Pellets auch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen einsetzen. Gespräche mit Landwirten aus der Region gibt es bereits.


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