Gedenken an in der NS-Zeit in Spital am Pyhrn verstorbene Kinder
SPITAL AM PYHRN. Die nationalsozialistische Volkswohlfahrt betrieb von März 1943 bis Jänner 1945 ein sogenanntes „fremdvölkisches Kinderheim“ in Spital am Pyhrn. Mehr als ein Drittel der 100 Kinder von meist polnischen Zwangsarbeiterinnen starb; einige sind am Friedhof St. Leonhard begraben. Am Freitag, 3. Mai, findet um 17 Uhr in der Kirche St. Leonhard eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung statt.

Im März 1943 kam es zur Errichtung des ersten „Fremdvölkischen Säuglingsheimes“ im Deutschen Reich durch die NSV (Nationalsozialistische Volksfürsorge). Die Kinder von Zwangsarbeiterinnen wurden ihren Müttern unmittelbar nach der Geburt abgenommen, damit ihre Arbeitskraft für die Rüstungsindustrie nicht verloren ging. Die Säuglinge wurden in das Kinderheim gesteckt und stark vernachlässigt, sie bekamen erschütternd wenig Nahrung (einen halben Liter Milch und ein Stück Würfelzucker pro Säugling und Tag) und minimale Zuwendung. Es war beispielsweise nicht üblich, sie mit Namen anzusprechen. Mit der Entscheidung, die Kinder als zukünftige Arbeitskräfte aufzuziehen, blieb das Kinderheim in Spital nicht das einzige. Der Lindenhof war schnell überfüllt und man errichtet weitere Heime.
Katastrophale Zustände
Im Juli 1943 machte der Amtsarzt von Kirchdorf auf die katastrophalen Zustände aufmerksam. In der Folge besichtigte der Leiter der NSV Hilgenfeldt das Heim und berichtete Himmler: „... Bezüglich der Aufzucht der Säuglinge bestehen Meinungsverschiedenheiten. Zum Teil ist man der Ansicht, die Kinder der Ostarbeiterinnen sollen sterben – zum anderen der Meinung, sie aufzuziehen“. Die Entscheidung fiel zu Gunsten des Aufwachsen-Lassens. Trotzdem starben von den insgesamt 97 dort bis Jänner 1945 untergebrachten Kleinen 38, von Sechs weiteren ist das Schicksal unbekannt. Das jüngste Opfer war drei Wochen, das älteste 18 Monate alt.
Namenlos begrabene Kinder
Die Kinder wurden namenlos begraben. Einige Vornamen von Kindern, die in Spital verstorben sind, sind bekannt. Anfang 1945 wurde das Heim geräumt, weil hier Beamten der ungarischen Nationalbank untergebracht wurden (wegen dem Vorrücken der sowjetischen Frontlinie). In der Gruft unter dem Presbyterium der Stiftskirche wurde der gesamte Goldschatz der ungarischen Nationalbank (33.000 kg) eingelagert. Ein Teil der im Fremdvölkischen Kinderheim untergebrachten Kinder wurden samt Betreuerinnen nach Etzelsdorf verlegt.
Das Tragische an diesen Kinderheimen ist, dass viele der überlebenden Kinder ihre Identität und ihren Geburtstag gar nicht kennen. Viele wurden bei der Schließung der Kinderheime 1946 an fremde/falsche Eltern übergeben. Diese Kinder konnten ihr Geburtsdatum, ihre Eltern und ihre Identität nie klären.
Gedenktafeln am Friedhof
Die Gedenktafeln am Friedhof in Spital am Pyhrn erinnern seit 2014 in deutscher und polnischer Sprache an die Ereignisse im „Fremdvölkischen Säuglingsheim“ in Spital am Pyhrn.
Gedenkfeier in Spital am Pyhrn
Bei der Gedenkfeier am Freitag, 3. Mai, werden auch der polnische Generalkonsul und ein Pole dabei sein, der als Kind in diesem Kinderheim untergebracht war und nach der Schließung nach Etzelsdorf bei Wels verlegt wurde. Er hat bis heute seine Eltern nicht gefunden. Die Gedenkrede hält Maria Hasibeder, Präsidentin der Katholischen Aktion Oberösterreich.


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