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SPRÖGNITZ. Der Bio-Pionier aus dem Waldviertel, Johannes Gutmann, unterstützt seine Anbaupartner im Kampf gegen die Klimakrise. Die Trockenheit der Böden ist dabei ein wesentlicher Faktor. Es geht vor allem darum, sich den neuen Bedingungen anzupassen. Dazu zählt auch ein laufender Wissensaustausch untereinander. 

  1 / 4   Stefan Glaser und Christian Roßnagl erklären alle notwendigen Arbeitsschritte und Arbeitsgeräte für den erfolgreichen Unterflurtropfbewässerungsbau. Für die notwendigen Bodenschlitze zum Verlegen der Unterflurbewässerungstropfschläuche wurde ein Grubber entsprechend umfunktioniert; Fotocredit: Sonnentor

Im Juli lud man zum Besuch zweier Anbaupartner, die jeweils einen anderen Lösungsansatz verfolgen. Einer setzt auf trockenheitstolerante Kulturen - der andere auf eine besondere Art der Bewässerung. Der Hitzemonat Juni brachte auch Kräuter ins Schwitzen. In der vorläufigen Monatsbilanz der Zamg liegt der Juni 2019 in allen Bereichen an der Spitze der extremsten Juni-Monate. Sonnenscheindauer 45 Prozent über dem Mittel, 57 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel und Temperatur 4,7 Grad Celsius über dem Mittel. Diese Veränderungen im Klima haben nicht nur, wie in den letzten Tagen verstärkt berichtet, Auswirkungen in der Produktion von zum Beispiel Wein, sondern auch großen Einfluss auf den Anbau von Tee- und Gewürzkräutern.

Jede Kultur hat andere Bedürfnisse

Dabei müssen die Auswirkungen der Hitze- und Trockenheitsphasen sehr kulturspezifisch betrachtet werden. Am Standort von Gottfried Steiner mit den trockenheitstoleranten Kulturen wie Thymian und Oregano lassen sich mit einem Low Input Produktionsverfahren auch ohne zusätzliche Bewässerung recht stabile Erträge erwirtschaften.

Ganz anders die Situation bei den wasserbedürftigen Kulturen am Standort von Familie Roßnagl. Pfefferminze, Apfelminze und Krauseminze benötigen für entsprechende Erträge und Qualität eine regelmäßige Wasserversorgung. Ohne Zusatzbewässerung muss mit Ertragsrückgängen von bis zu 50 Prozent gerechnet werden. Zusätzlich würde auch die Qualität bei Pfefferminze, Zitronenmelisse und Krauseminze durch einen erhöhten Stängelanteil und einer geringen Blattanteil leiden.

 Risiko für Jungpflanzen bei Hitzephasen

Eine zusätzliche Herausforderung entsteht bei der Neuanlage von Beständen in Trocken- und Hitzephasen. Hier trägt der Bauer oft ein sehr hohes Risiko. 6.000 Euro Jungpflanzenkosten pro Hektar sind bei Blattkräuteranlagen keine Seltenheit. Ein Ausfall einer Neupflanzung würde großen Schaden verursachen und auch die Wertschöpfung im Folgejahr gefährden.

Wasser marsch - Experte zeigt wie

Sonnentor will seine Abnehmer in dieser schwierigen Produktionsphase, in der es gilt sich an die neuen Bedingungen anzupassen, unterstützen. Mit einer vom Kräuterexperten finanzierten Unterflurtropfbewässerungsanlage am Standort der Familie Roßnagl soll der Wissenstransfer zur ressourcenschonenden Bewässerung im Blattkräuteranbau gefördert werden. Die Projektleitung hat Stefan Glaser mit seiner Firma Hydrip über. Der Bewässerungsexperte hat viel Erfahrung mit den Besonderheiten der Unterflurbewässerung. Er bündelt technisches Know-How der Anlagenkonstruktion mit wichtigen pflanzenbaulichen und bodenkundlichen Grundlagen. Dieses Wissen teilt der Projektleiter mit Sonnentor und seinen Anbaupartnern.

Massive Unterschiede bei Bewässerungsanlagen

Bewässerungsanlage ist nicht gleich Bewässerungsanlage. Langlebige Anlagen sind in der Anschaffung teurer, leben aber länger und sind dadurch ökologischer. Generell können durch den Einsatz von Unterflurtropfbewässerungsanlagen rund 50 Prozent Wasser im Vergleich zu herkömmlichen Beregnungsanlagen eingespart werden. „Dieses Einsparungspotential ist möglich, weil das Wasser dorthin gebracht wird, wo es gebraucht wird - zum Wurzelraum der Pflanze. Durch die Verlegung langlebiger und druckkompensierter Tropfschläuche ist eine gleichmäßige Wasserversorgung ohne Verdunstungsverluste gegeben“, erklärt Anbauberaterin Elfriede Stopper und ergänzt: „Die positive Verteilung von Wasser und Luft im Boden fördert das Wurzelwachstum und eine trockene Blattoberfläche verhindert Pilzerkrankungen und fördert die Pflanzengesundheit.“ Im Vergleich zu herkömmlicher Überkopfberegnung sind Unterflurbewässerungen auch bodenschonender, denn die Tropfen von Großberegnungsanlagen haben negative Auswirkungen auf die natürliche Bodenstruktur.

Gemeinsam Landwirtschaft gestalten

Bei der Neuanlage der Unterflurtropfbewässerungsanlage entsteht im gemeinsamen Tun von Anlagenplaner, Landwirt und Abnehmer eine tatkräftige Partnerschaft. Die Erfahrungen in Sachen ressourcenschonende Bewässerung und wassersparende Anbaumethoden können jetzt direkt am Feld an andere Sonnentor Landwirte weiter gegeben werden. So wächst die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft immer weiter.

Sonnentor im Überblick

Rund 330 Menschen arbeiten bei Sonnentor in Sprögnitz im Waldviertel, einer traditionell strukturschwachen Region. 150 weitere sind es im Schwesterbetrieb in Tschechien. Dazu kommen weitere Niederlassungen in Rumänien und Albanien, sowie internationale Anbauprojekte zum Beispiel in Nicaragua und Tansania. Durch die gelebte Regionalität bleibt die Wertschöpfung zu einem hohen Anteil bei den Landwirten selbst. Rund 300 Bio-Bäuerinnen und Bauern gehören in Österreich und Deutschland zur Sonnentor Familie. Auch in der „Region Welt“ haben wir viele Anbaupartner gewonnen. Durch die Zusammenarbeit mit Sonnentor finden rund 1.000 Familien weltweit eine Lebensgrundlage. Rund 66 Prozent der Produkte werden exportiert und tragen die nachhaltige Firmenphilosophie in über 50 Länder. In Summe gibt es inzwischen 30 eigene Sonnentor Geschäfte in Österreich, Deutschland und Tschechien.


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