„Es muas seyn“: In St. Agatha planen die Bauern den Aufstand

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Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 18.02.2020 17:55 Uhr

ST. AGATHA. Der Held der Bauernkrieger - Stefan Fadinger - wird heuer in seiner Heimatgemeinde wieder die Hauptrolle spielen. Das Bauernkriegsspiel in St. Agatha gewährt auch fast 400 Jahre nach dem Aufstand einen faszinierenden Einblick in das Leben der Bauern anno dazumals und lässt ein Stück Geschichte wieder lebendig werden. Auch führt es dazu, dass in den nächsten Monaten mehr bärtige Männer in der Gemeinde zu sehen sein werden.

Wenn der Schmied, der Schneider, der Weber und die Spinnerin ihr Handwerk präsentieren, wenn die Bäckersfrauen am Holzofen Brot backen und die Suppe im Kessel über dem Feuer brodelt, wenn der Schuhmacher für angenehmes Schuhkleid sorgt, der Schmied mit seinem Hammer das glühende Eisen zurechtbiegt und die Bauern einen Aufstand gegen die Regierung planen, dann ist man in St. Agatha eingeladen auf eine Reise in die Vergangenheit, ins Jahr 1626, zu gehen, als Stefan Fadinger unter dem legendären Ausspruch „Es muss seyn“ den Startschuss für den größten Bauernaufstand der Geschichte gab. Der traditionelle historische Markt wird mit altem Handwerk und urtümlichem Essen auf das Spiel einstimmen.

Uraufführung 1976

Im Juni 2020 kommt das Bauernkriegsspiel unter dem Titel „So wolle Gott uns gnädig sein“ wieder auf die Bühne. 1976 wurde es erstmals aufgeführt. Damals war das Land Oberösterreich geprägt vom 350-Jahr-Gedenken an den großen oberösterreichischen Bauernkrieg 1626 und den Bauernhauptmann Stefan Fadinger. Ein historischer Festzug mit 20.000 Besuchern sowie die Verleihung des Gemeindewappens, entlehnt aus dem Siegel Fadingers, waren die Höhepunkte.

Viel Text für Fadinger

Verfasst wurde das Bauernkriegsspiel von Carl Martin Eckmayr. Die Musik stammt vom Eferdinger Komponisten Fridolin Dallinger. Eine besondere Herausforderung ist das Stück für den Hauptdarsteller, denn Stefan Fadinger hat mehr als die Hälfte des Textes zu sprechen. Engelbert Stichlberger, Alois Haslehner, Bürgermeister Franz Weissenböck und zuletzt Herbert Augdopler, der vor sechs Jahren die Rolle übernommen hat, haben das geschafft. Die 25-köpfige Spielgemeinschaft hat Mitte Jänner mit der Probenarbeit begonnen. Insgesamt sind 50 Personen am Stück beteiligt. Altbürgermeister Weissenböck wirkt noch in einer Nebenrolle mit aber auch der aktuelle Bürgermeister Manfred Mühlböck steht wieder auf der Bühne. „Ich bin froh, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Für uns als Gemeinde ist es ein Höhepunkt, weil es uns werbemäßig und auch der Gastronomie gut tut“, erklärt der Bürgermeister. Neben dem Texteüben sind die Schauspieler gerade dabei sich ihren Bart wachsen zu lassen.

Bauhof als Spielstätte

Begann man mit dem Stück auf einer Wiese beim heutigen Schulzentrum so wechselte das Spiel zum historischen Stefan Fadinger-Hof. Heuer wird der Bauhof der Gemeinde erstmals zum Austragungsort. „Es wird ein bisschen anders als am Fadingerhof aber ich sehe es als große Vorpremiere und als Generalprobe für das das Jubiläumsjahr 2026“, meint Mühlböck.Die nächste Aufführung des Spiels ist erst in sechs Jahren geplant. Im Jahr 2026 zum 400-Jahr-Jubiläum des Bauernkrieges in Oberösterreich kann man sich St. Agatha wieder ein großes Fest vorstellen.

 

Zum Stück:

Es ist ein bitteres Kapitel in der Geschichte von St. Agatha: 1626 beschließen die Bauern den Aufstand, da der bayerische Statthalter Graf Herberstorff die Ablieferung der Waffen verlangt. Vor einem Kruzifix leisten die Bauern den Schwur zur Einigkeit und Rebellion. Fadinger trifft im Bauernwirtshaus Habach in Lambach ein und tadelt vorerst das unbesonnene und zu frühe Losschlagen, findet sich aber damit ab. Nach der Schlacht bei Peuerbach empfangen Fadinger und Christoph Zeller den (angeblichen) Abgesandten des Dänenkönigs, der seine Hilfe vorspielt. Fadinger zögert, während er und Zeller begeistert zu Obristhauptleuten gewählt werden. Nach dem Tod der Bauernführer Fadinger und Zeller ruft der neugewählte Obristhauptmann Willinger zum Kampf auf. Der ehemalige Leibschütze Fadingers Egger kommt und berichtet, dass Linz frei ist, nicht aber von Herberstorff, sondern von den Bauern.

 

Aufführungstermine

Freitag, 12. Juni, und Samstag, 13. Juni,

Freitag, 19. Juni, und Samstag, 20. Juni,

jeweils um 20 Uhr beim Bauhof der Gemeinde. Der historische Markt beginnt jeweils schon um 18 Uhr.

Wer am Markt altes Handwerk präsentieren möchte kann sich unter stefan.fadinger@trachtler.at melden.

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