Grüner Bezirkskandidat für Nationalratswahl setzt auf andere Umwelt- und Agrarpolitik
ST. KONRAD. Clemens Stammler hat erstmals für landesweite Aufmerksamkeit gesorgt, als er den langjährigen Landwirtschaftssprecher der Grünen Wolfgang Pirklhuber ablöste. Jetzt will er als Landeslistenzweiter ins Parlament und sich dort „für den Erhalt der Lebensgrundlagen“ einsetzen.

Stammler bewirtschaftet in St. Konrad gemeinsam mit seiner Frau den Schobesberghof, einen Biomilchbetrieb zwischen Alm- und Trauntal. Stolz verweist er auf seine vorbildlichen Bewirtschaftungsmethoden. Auf seinen Wiesen kommen kein Kunstdünger oder Unkrautvernichtungsmittel zum Einsatz. Seine Kühe erhalten ausschließlich regionales Futter, hauptsächlich Gras von der Weide, Grassilage und Heu. „Es ist die Liebe zum Leben im Einklang mit der Natur, mit unseren Tieren und den Lebensmitteln, die wir produzieren“, sagt Stammler zum Grund für seine politische Arbeit.
„Möchte Wut der Bauern konstruktiv kanalisieren“
Falls er es ins Parlament schafft, hat er daher ein Hauptanliegen: Er will zeigen, dass es möglich ist mit einer nachhaltigen, regionalen und biologischen Landwirtschaft konkurrenzfähig zu sein und trotzdem nicht den Boden, Natur und Tiere auszubeuten – also eine andere Landwirtschaftspolitik. Denn seiner Meinung nach kontrollieren Agrar-Industriekonzerne mit mächtigen Lobbys die Agrarpolitik. „Der Bauernbund verrät die Interessen der kleinen Bauern. Über Agrarpreise erhalten wir lang schon nicht mehr die Anerkennung für unsere Arbeit. Wir haben uns längst eine andere Basis der Motivation gesucht. Denn Leistung und Erfolg lässt sich nicht alleine in Geld ausdrücken, schon gar nicht in der Landwirtschaft“, so Stammler. Die Wut der Bauern will er kanalisieren und „in konstruktive, aber kritische Politik im Parlament übersetzen“.
Befremden über Art der politischen Auseinandersetzung
Dass Agrarfragen bei Wählerumfragen zu Wahlmotiven nicht die wichtigste Rolle spielen, beeindruckt Stammler weniger: „Ich finde es schade, dass nicht über Sachfragen diskutiert wird, sondern nur die persönliche Vermarktung im Vordergrund steht. Das ist nicht mein Zugang zu Politik.“
Kampf dem Bodenverbrauch
„Unsere Region lebt stark vom Tourismus und die größte Stärke ist unsere wunderschöne Natur. Der unmäßige Bodenverbrauch, der auch bei uns in der Region von der Politik verursacht wird, bedroht unsere Lebensgrundlage – im Tourismus wie in der Landwirtschaft. Ich will dafür im Parlament kämpfen, dass wir unsere Lebensgrundlagen erhalten und uns selbst ernähren können.“
Optimistisch trotz schlechter Umfragedaten
Die Abspaltung der Liste Peter Pilz und schlechte Umfragedaten entmutigen Stammler nicht: „Wir starten jetzt eine Aufholjagd und werden um jede einzelne Stimme laufen. Wir scheuen die Auseinandersetzung nicht und sind zuversichtlich, dass wir mit unseren Argumenten für ein solidarisches, ökologisches, weltoffenes Österreich des Zusammenhalts und Miteinanders überzeugen können.“ Falls die Grünen bei der Wahl in Oberösterreich an die 7 Prozent erhalten, stehen die Chance auf einen Grünen Abgeordneten aus dem Bezirk Gmunden ganz gut.


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