42 Jahre beim ÖSV: Sportdirektor Hans Pum über Erfolge, tödliche Unfälle und wie sich der Skisport verändert hat

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Mag. Michaela Maurer Mag. Michaela Maurer, Tips Redaktion, 16.07.2019 17:08 Uhr

ST. OSWALD. ÖSV-Sportdirektor Hans Pum nimmt Ende Juli nach 42 Jahren Abschied vom ÖSV. Im Tips-Gespräch erzählt er von den Höhepunkten seiner Karriere, tragischen Unfällen, seinen Anfängen beim ÖSV, wie sich der Skisport verändert hat und wie es weitergeht.

„Der Skisport war mein Leben, leicht ist es nicht“, sagt Hans Pum über seinen Rücktritt als ÖSV-Sportdirektor. Sein Entschluss kam für viele überraschend. Am 31. Juli legt er sein Amt nach 42 Jahren beim ÖSV zurück. „Es gibt ein paar Umstrukturierungen im ÖSV, die ich nicht vertreten wollte und jetzt passt es gerade. Es sind keine Weltmeisterschaften und keine Olympischen Spiele im nächsten Jahr. Der Wechsel wäre sowieso in nächster Zeit passiert. Die Trennung erfolgt nicht im Bösen“, sagt der St. Oswalder, der am 4. Juli 65 Jahre alt geworden ist.

220 Tage im Jahr unterwegs

Seinen Nachfolger Toni Giger hat Pum selbst zum ÖSV geholt. „Wir arbeiten schon lange zusammen, er ist ein sehr guter Mann und der logische Nachfolger.“ Jetzt freut sich Pum auf all die Sachen, für die er nie Zeit hatte, war er doch als Sportdirektor 220 Tage im Jahr unterwegs. „Ich freue mich vor allem auf Zeit mit meiner Familie, meiner Frau Gabi, meinen Kindern Paul, Rafael, Anna und meinen drei Enkelsöhnen.“ Für ein Jahr bleibt er noch im Exekutivkomitee der FIS. Auch Radfahren, Golfen, Skifahren und Energie auftanken hat er sich vorgenommen. „Was ich danach mache, weiß ich noch nicht. Ideen habe ich immer viele. Und nichts tun kann ich gar nicht“, lacht Pum.

Tödlicher Unfall

Neben all den schönen Momenten, wie dem ersten Vertrag, dem Erfolg mit der Slalom-Gruppe und den vielen Medaillen und Pokalen sind Pum auch sehr traurige Momente in Erinnerung geblieben. Ein ganz schlimmer Moment war für ihn der Sturz des Tirolers Gernot Reinstadler im Jänner 1991 in Wengen. „Reinstadler war ein lieber, junger Bursch, ein Riesentalent“, sagt Pum, der zu der Zeit Rennsportleiter der Herren war. Im Ziel-S hat sich der Abfahrer bei einem Eisbrocken gefangen und flog ungebremst ins Sicherheitsnetz. Ein Ski verfängt sich und Reinstadler erleidet eine Beckenspaltung und Verletzungen der Blutgefäße.

„Ich war am Fernsehturm, als der Unfall passiert ist. Bin sofort runtergelaufen, da war soviel Blut im Schnee. Das sind Momente, die vergisst man nicht mehr, wenn man so einen jungen Burschen im Arm hält“, schildert Pum. „Später in der Nacht haben wir dann erfahren, dass er gestorben ist. Das war für das ganze Team schwer zu verkraften. Da hab ich auch mal kurz gedacht, das pack ich nicht, da lass ich es.“ Auch der Tod von Rudi Nierlich ging Pum sehr nahe. Er starb im Mai 1991 bei einem Autounfall. „Man arbeitet mit den Sportlern so eng zusammen, hat eine gute Beziehung zueinander. Das ist einfach schlimm, wenn so etwas passiert.“

Vom Stangenträger zum Sportdirektor

Pums Weg zum ÖSV-Sportdirektor begann mit einem Zufall. Nach seiner Lehre als Kaufmann hat Hans Pum eine Trainer- und Sportlehrerausbildung gemacht und danach als Skilehrer im Bundessportheim am Kitzstein gearbeitet. Sein Ziel war es, als Skilehrer nach Australien zu gehen. In der Zwischenzeit hat er mit der staatlichen Trainerausbildung begonnen und als Helfer beim Skiverband angefangen, wo Stangen tragen und Löcher für die Stangen bohren zu seinen Aufgaben zählte. „Dann fiel ein Konditionstrainer aus und ich bin eingesprungen. Ich war halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Danach hat er sich hochgearbeitet, war Co-Trainer im Weltcup der Herren, Gruppentrainer im Europacup, Trainer im Weltcup, Rennsportleiter der Herren und im ÖSV-Marketing. Besonders schön hat er die Zeit im Europacup in Erinnerung. Sein Ziel war es, eine Slalom-Mannschaft zu formen, die es nach ganz oben schafft. „Vorher waren ja immer nur die Abfahrer ganz oben. Das wollte ich mit den Slalom-Fahrern erreichen.“ Und das hat er auch geschafft, seine Slalom-Fahrer sind gleich durchgestartet. Nach Australien hat er es auch noch geschafft – zum Training mit der österreichischen Mannschaft.

2.000 Stockerlplätze

1992, nachdem er Herren-Chef war, wollte er nach Japan oder Deutschland wechseln. „In Japan gab es viele gute Skifahrer, aber keine Trainer. Das hätte mich schon gereizt. Das mit Reinstadler und Nierlich war auch noch nicht lange her.“ Doch Peter Schröcksnadel hat ihn überredet, beim ÖSV zu bleiben und Pum hat vier Jahre lang im Marketing gearbeitet. Dabei wurde unter anderem die Vermarktung der österreichischen Weltcuprennen umgesetzt. 1996 wurde Pum dann Alpindirektor, 2010 ÖSV-Sportdirektor. Alpin, Skispringen, Nordische Kombination, Biathlon, Snowboard, Freeski und Ski Cross – der St. Oswalder war für 370 Athleten, ihr Personal, 160 Trainer und die Betreuer zuständig. Während seiner Amtszeit holten die Alpin-Sportler mehr als 2.000 Stockerlplätze.

„Umso länger die Skier waren, umso stolzer war man darauf“

Pum selbst hat am Braunberg Skifahren gelernt. „Da war ein Lift rauf bis zum Höllerbauer. Das restliche Stück musste man zu Fuß gehen.“ In seiner Kindheit hat er viel Sport gemacht, Fußball und Tischtennis gespielt. „Wir waren als Kinder die ganze Zeit draußen. Da waren wir ein paar Burschen in der Siedlung, wir haben immer gemeinsam gespielt und gesportelt.“ In den vergangenen 42 Jahren hat sich auch im Skisport viel verändert. Das Material, die Bekleidung, die Technik, die Athletik und die Länge der Skier haben sich stark verändert. „Früher war es so, umso länger die Skier waren, umso stolzer war man.“ Auch die Stangen haben sich von Holz- zu Plastik- und dann Kippstangen entwickelt.

Papst-Besuch und Skifahren mit Schwarzenegger

Trotz mancher Tragödien war die Zeit beim ÖSV für Hans Pum eine schöne Zeit. Die Zusammenarbeit mit talentierten Sportlern, Besuche bei den vergangenen drei Päpsten, Reisen auf der ganzen Welt, Skifahren mit Arnold Schwarzenegger, interessante Begegnungen mit Politikern wie Putin oder Medwedew (ehemaliger Präsident Russlands), Meditieren in Tibet oder mit dem Lasberger Gemeindearzt Helmut Czekal die Akropolis-Rallye fahren: „Ich bin sehr dankbar für alles, was ich erleben habe dürfen. Es war eine super Zeit.“ Auf die Frage, wie es um den österreichischen Skinachwuchs gestellt ist, sagt Pum: „Wir sind sehr gut aufgestellt. Ich bin überzeugt, dass wir auch in Zukunft viel für Österreich gewinnen werden.“

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