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ST. OSWALD. Das Räuchern hat eine lange Tradition und wird auch heute noch angewendet. Besonders in den Rauhnächten ist es Brauch, die Wohnräume zu räuchern.

  1 / 4   Elisabeth Winder, Expertin für Wildkräuter und Arzneipflanzen, beschäftigt sich mit der Wirkung von verschiedenen Kräutern beim Räuchern.

Die Großmutter geht am 5. Dezember durch das ganze Haus und verräuchert Kräuter, die im Frühling und Sommer gesammelt wurden. Während des Räucherns werden Weihgebete gesprochen. Nach altem Brauch beginnt am 6. Dezember die „gweihte Zeit.“ So beschreibt Elisabeth Winder, Expertin für Wildkräuter und Arzneipflanzen, den Brauchtum des Räucherns. Vor allem in der Advent- und Weihnachtszeit ist das Räuchern auch heute noch gebräuchlich. Eine besondere Bedeutung für das Räuchern haben die Rauhnächte: am 21. Dezember, bei der Wintersonnwende (Thomasnacht), am Heiligen Abend, zu Silvester und am Dreikönigs-Tag (6. Jänner) wird vielerorts geräuchert.

Das Räuchern hat sich über Jahrtausende entwickelt. „Feuer war lebensnotwendig und wo Feuer ist, ist auch Rauch“, sagt Winder. „Bald schon bemerkten unsere Vorfahren, dass der Rauch durch das Verbrennen von bestimmten Pflanzen, Wurzeln, Hölzern und Blüten auf eine bestimmte Weise wirkt.“ Räuchern wurde, und wird auch heute noch, sehr vielseitig angewendet.

Reinigen und beruhigen

Früher wurden Krankenzimmer geräuchert, um die Luft in den Zimmern zu desinfizieren. Auch um negative Energien oder „dicke Luft“ nach einem Streit zu entfernen wird geräuchert. „Das Räuchern kann auch einfach angewendet werden, um einen aromatischen Duft in die Wohnräume zu bekommen“, sagt Winder. „Je nach Verwendung der Kräuter kann das Räuchern entspannend, beruhigend, aphrodisierend oder energetisierend sein.“

Wacholder und Salbei sind beispielsweise bekannt für ihre reinigende Wirkung. Sie beruhigen und fördern auch die Konzentration. Johanniskraut wirkt spannungsabbauend und wird beispielsweise nach einem Streit angewendet. Beifuß wird zum Vertreiben von negativen Engergien und gegen Strahlung eingesetzt. Lavendel kann auch zur Segnung von Kindern eingesetzt werden.

„Säuglinge und kleine Kinder sollten während des Räucherns nicht anwesend sein. Nach dem Räuchern muss man gut lüften, dann ist die Luft wieder klar und neutralisiert.“ Man sollte beim Räuchern auch darauf achten, dass man keine Giftplanzen nimmt. „Auch wenn sie nur wenig Gift enthalten, kann dieses schaden“, erklärt Winder. Das Räuchern wurde früher auch zum Kontaktieren von Ahnen und zur Huldigung von Göttern angewendet. Einige Kräuter helfen dabei in eine andere Wirklichkeit zu gelangen. Dies wird beispielsweise von Schamanen genutzt. „Wichtig ist, dass man bei Bronchitis oder Lungenbeschwerden nicht räuchert“, sagt Winder.

Richtig Räuchern

Zum Räuchern wird eine feuerfeste Schale verwendet. Es eignen sich keine Gefäße aus Glas oder Porzellan, denn diese können durch die Hitzeentwicklung zerbrechen. Man gibt etwas Sand, ein kleines Stück glühende Räucherkohle (diese sollte durchgeglüht, ganz weiß sein) und die gewünschten Kräuter in die Schale. „Für eine einfache Hausräucherung verwendet man Kräuter oder Weihrauch. In den Rauhnächten wird Beifuß, Wacholder, Salbei und Fichtenharz verwendet.“


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