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Die Marienschwestern läuten ihre Friedensglocke für 75 Jahre Frieden

Leserartikel Julia Karner, 01.06.2020 07:58

ST. PANTALEON-ERLA. Wie viele andere Glocken wurde auch die Glocke der Marienschwestern in St. Pantaleon-Erla im Ersten und Zweiten Weltkrieg den Schwestern weggenommen, eingeschmolzen und für Kriegsmaschinerie verwendet. Noch heute erinnert sie an diese Zeit.

Das Friedensglöckchen der Schwesternschule in Klein Erla. (Foto: privat)
Das Friedensglöckchen der Schwesternschule in Klein Erla. (Foto: privat)

„Aus den Erzählungen von den damals jungen Schwestern wissen wir, von der Begeisterung der jungen Menschen 1938, die auf der Bundesstraße 1, die in der Nähe der Schule liegt, Hitler mit Jubel empfangen zu haben. Die Schwestern ahnten anderes. Sehr schnell wurde die Schule geschlossen und für Zwecke der NS verwendet. Wie durch ein Wunder blieb den Schwestern die Enteignung der Schule aber erspart“, erzählt Hausleiterin Rosa Wieser. In diesen Zeiten wurde viel gebetet. Als das Kriegsende nahte, wurde mit großer Hektik das Schulgebäude geräumt, einiges sogar im Wald vergraben, damit die kommenden Russen nichts Bedenkliches finden konnten. Es brauchte ein ganzes Jahr bis das Schulgebäude so instandgesetzt werden konnte, dass im Herbst 1946 die Haushaltungsschule wieder starten konnte. „Ehemalige Schülerinnen von diesem Jahrgang erzählten uns wie arm und mühsam der Alltag zu dieser Zeit war. Schwester Casilda, die Kochen unterrichtete, hatte manchmal Tränen in den Augen, weil sie nicht wusste, wie sie die Lebensmittel für die Rezepte bekommen sollte, die sie ihren Schülerinnen lernen sollte“, so Wieser.

Das Friedensglöckchen

Mit großer Freude nahmen die Schwestern im Jahr 1950 das Ave-Maria-Friedensglöckchen vom ehemaligen Direktor August Wullner entgegen. Beim 100-jährigen Jubiläum der Schule im Jahr 2004 wurde diese Glocke auf dem Turm angebracht. „Was mich persönlich von der Generation, die nach dem Zweiten Weltkrieg Österreich wieder aufgebaut hat, sehr beeindruckt: Ich denke an meine Mutter, die vor einem Russen floh und sich dabei eine schwere Knieverletzung zuzog. Ich denke an meinen Vater, der es mit wenigen von seiner Gruppe, von Russland zurück nach Österreich schaffte. Er musste ein ganzes Jahr bei einem Bauern in Oberösterreich arbeiten, bevor er nach Niederösterreich in die russische Zone, wo sein Elternhaus lag, zurückkonnte. Ich denke an meinen Großonkel, der im KZ Mauthausen starb“, sagt Schwester Rosa Wieser und weiter: „Wenn etwas von dieser Zeit berichtet wurde, dann waren es kurze sachliche Informationen. Da hörte ich nichts von dem Suchen nach Schuldigen oder wie man es in der Vergangenheit besser machen hätte können. Ihr Auge war ganz auf die Gegenwart gerichtet. Für sie galt es anzupacken und tun was man tun konnte. Sie haben uns damit eine Zukunft geschaffen, in der wir in Frieden weiterbauen konnten. Ich glaube, dass es heute, wo uns zur Zeit Schwierigkeiten herausfordern, ganz wichtig ist, nicht in einer destruktiven Kritik hängenzubleiben, sondern konstruktiv und gemeinsam, wenn auch in verschiedener Meinung, in die Zukunft zu schauen und tun, was getan werden kann, in achtsamer und wertschätzender Art und Weise.“


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