Barock waren nur Engerl und güldener Firlefanz (mit Fotoserie)
ST. PÖLTEN. Erfrischt und belebt entfleuchte das Publikum der Eröffnung des heurigen Barockfestivals die ein französisches Ensemble um Michel Godard am frühsommerlichen Wochenende gestaltete.

Das nicht explizit ausgesprochene Motto des Barockfestival St. Pölten, nämlich „Klassik meets Jazz“, hat sich unter dessen Organisatorin Caroline Berchotteau bereits fest etabliert. Auch wenn der Komponist Claudio Monteverdi nicht nur aus Gründen seiner längst verwichenen Schaffenszeit nichts mit Jazz zu tun haben kann, rückte ihn Michel Godard und seine vier musikalischen Mitstreiter Bruno Helstroffer (Theorbe), Gavino Murgia (Saxophone/Gesang), Fanny PAccoud (Violine) und Guillemette Laurens (Gesang), in unsere Zeit.
Godard ließ diesmal sein Paradeinstrument, die Tuba, zu Hause und tanzte mit einem Serpent in der Franziskanerkirche an, um damit das Publikum zu verzaubern. Das Serpent ist, wie der französische Name schon andeutet, ein schlangenförmiges Blasinstrument ohne Klappen stattdessen mit Tonlöchern das über ein Kesselmundstück aus Horn angeblasen wird.
Godard entlockte dem schwer beherrschbaren Instrument, das zur Familie der Zinken gehört und heute weitgehend von der Bildfläche verschwunden ist, erstaunlich weiche Klänge. Vergleichbar vielleicht mit dem Klangspektrum von Flügelhorn und Posaune. Auch mit dem E-Bass auf den er zeitweilig wechselte und mit dem er die Monteverdischen Harmonien mittels Basslinien begrenzte, setzte er in der NÖ-Landeshauptstadt neue Hörerfahrungen im Bereich frühbarocker Musik.
Erstaunliche Bassklänge mit seiner Stimme brachte eingangs und ausgangs der Sarde Gavino Murgia hervor. Mit seinem weiteren Spiel an Sopransax und Tenorsax erzeugte er eine dem Hall der Franziskanerkirche geschuldeten angenehmen Klangteppich mit manch scharfer Tonspitze. Barock waren zu diesem Zeitpunkt wohl nur die Engerl die in der Franziskanerkirche dort und da stumm in den Raum blickten und der üppig-güldene Firlefanz.
Überraschend auch die Kombination und Zwiesprache mit Guillemette Laurens Gesang. Zeitweise liebliche Klänge brachte Bruno Helstroffer auf der Theorbe, einem barocken Lauteninstrument, hervor.
Fanny Paccoud wiederum entlockte ihrer Violine solistisch ansprechende, zeitweise feurige temperamentvolle Töne, die man von der sanften Französin aus Marseille gar nicht erwartet hätte.
Rundherum war die Eröffnung des Barockfestivals, das in seine fünfte Saison geht, ein wunderbares Klangerlebnis für alle Sinne.


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