Wasserpest im Viehofener See (mit Fotoserie)
ST. PÖLTEN. Wer sich jetzt sensationslüstern ein boulvardeskes Drama rund um das Seenparadies der St. Pöltner erwartet, wird bei diesem Artikel unbefriedigt abziehen und zum nächsten Artikel klicken. Denn hier geht es weder darum, dass im Viehofener See eine mittelalterliche und mutierte Seuche ausgebrochen wäre und sich der hier zeitweise badende Bürgermeister samt etwaiger Gefolgschaft angesteckte hätten und von grauslichen Pestbeulen entstellt wären. Nein, es geht um das örtliche Urlaubsparadies der St. Pöltner vor der Haustür, dessen Erhalt, Pflege im Einklang zwischen Natur und Mensch und ein besonderes Jubiläum. Ja, und natürlich auch darum, dass die Wasserpest zwar ein Indikator für gute Wasserqualität ist, aber dennoch behandelt werden muss.

Seit zehn Jahren entwickelte sich der Viehofener See und sein Gestade zu einem Paradies – einer einmaligen Natur- und Erholungslandschaft, die von den St. Pöltnern besonders geschätzt wird. Bevor die Stadt das Areal erwarb, war das 53 Hektar große Gesamtgelände eingezäunt und nicht zugänglich. 2005 entwickelte man seitens der Stadtvorderen ein nachhaltiges Nutzungskonzept, nämlich im gedeihlichen Miteinander von Mensch und Natur. Und das soll auch so bleiben, betont Bürgermeister Mattias Stadler heute im Rahmen einer Pressekonferenz im idyllisch am Viehofener See gelegenen Lokal „Seedose“ von Erwin Nolz. Ein herrlichers Platzerl, nahe den Liegewiesen, Badestegen und einem Anlegesteg, von dem man eine kleine Schiffernakel-Runde mit Tret- oder Ruderboot starten kann. Mit Mineralöl betriebene laute Stinker würden hier nur stören und sind glücklicherweise hier verboten.
Fledermäuse, Libellen & Co beobachten
Die intensive Freizeitnutzung ist somit dem Ostufer vorbehalten. Das West- und Südufer des Viehofener Sees, sowie der nördlich gelegene kleine See-Bruder sind Schutzgebiet. Hier tun sich die 38 hier vorkommenen Brutvögelarten, viele Fledermausarten, Reptilien, Amphibien, Säuger, Fische, seltene Insekten – darunter beeindruckende Libellenarten – gütlich. Anlässlich des offiziellen Jubiläumsfestes für den Viehofener See - am 25. Juli - wird man auch unter Anleitung von Umweltpädagogen Karl Vokon Gelegenheit haben, einen Teil der Vielfalt von Fauna und Flora zu beobachten, erklärt Ingrid Leutgeb-Born vom städtischen Referat für Umweltschutz-Lebensraum. Mit dabei wird auch die Fledermausforscherin Katharina Bürger sein. Helmut Rauchberger wird Auskunft über die mystische Welt der Nachtinsekten geben.
Entgiftung
Nun, und was hat es jetzt mit der Wasserpest auf sich? Dieser Neophyt, also, eine bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingeschleppte Wasserpflanze reichert zwar das Seewasser mit Sauerstoff an und entgiftet ihn sogar, hat aber eine Eigenschaft, die manch heikle Badegäste nicht sehr schätzen: Die langen Arme der Wasserpflanzen ranken sich im flachen Uferbereich um die Beine der Badende und Schwimmenden was zu einiger Irritation führen kann. Diese Pflanzen, die auch Fischen Schutz geben, werden daher nicht nur aber auch deswegen ein wenig reduziert.
Runden drehen
Während also der Viehofener zum Chillen einlädt, gibt“s am Ratzersdorfersee Action. Hier kann man Beachvolleyball, Fussball, Basketball und Minigolf spielen – natürlich auch baden und seit 2010 auch der Modesportart „Lasertron“ nachgehen. Die gesamte Seenlandschaft kann walkend, joggend, radfahrend oder einfach gemütlich spazierend umrundet und bei herrlichem Sommerwetter eben jederzeit als Badeparadies genutzt werden.
Ein Club setzt Taten
Übrigens: Der Gemeinderat gab jüngst grünes Licht für eine neue Bezeichnung des Brückleins das Viehofener mit Ratzersdorfer See über die Traisen verbindet: Dieses 103 Meter lange und 2006 eröffnete Bauwerk – übrigens damals die 100ste Brücke in der Landeshauptstadt - heißt ab sofort „Round Table-Steg“. Namensgeber ist der in St. Pölten ansässige Round Table-Club Nr. 9, der auch gleich eine nette Sitzgelegenheit nahe des Steges eingerichtet hat.
Zur Sache: Großer Viehofener See: 19 Hektar / Kleiner Viehofener See: 5 Hektar
FEST für den Viehofener See >> SAMSTAG 25. Juli: Die Feier des Jubiläums ist gleichzeitig auch ein Wassersporttag bei dem die Naturfreunde mit dem NÖ-Paddelverband Schnupperkurse und Vorführungen von Kaja, Kanu & Co bieten.
Ab 10 Uhr: Großer Viehofener See: Möglichkeit zum Keschern und Erforschen der Vielfalt unter Wasser.
20:15 bis 22:15 Uhr Fledermausnacht und Leuchtturm für Nachtinsekten. Treffpunkt bei der Seedose. Möglichst Taschenlampen und Stirnlampen mitbringen.


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