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Verein Queeriosity St. Pölten - Keine Unterwerfung unter sexuelle und gesellschaftliche Normen

Thomas Lettner, 23.02.2017 08:00

ST. PÖLTEN. „Queeriosity“ ist ein Verein, bei dem sich Menschen verschiedenster sexueller Orientierungen und Geschlechteridentitäten treffen und sich unter Gleichgesinnten vernetzen können. Ende Jänner fand das erste Treffen im Diversity Café im Rathaus statt. 

  1 / 2   Der Beratungs- und Förderverein „Queeriosity“ bezeichnet sich selbst als ein Netzwerk zur Stärkung kurioser Lebensstile. Foto: Thomas Lettner

Hervorgegangen ist „Queeriosity“ aus dem Café Queer, das 2015 gegründet wurde und bis Herbst 2016 im Sonnenpark stattfand. Diesen Namen trug auch der neue Verein, bis man sich zur Umbenennung entschloss. Doch was bedeutet eigentlich dieses kurze englische Wort „queer“? „Queer ist alles, was von der sogenannten Heteronormativität (siehe Definitionen in der Infobox) abweicht. Es geht um sexuelle Spielarten, die sich im gesetzlichen und moralischen Rahmen bewegen. Getreu unserem Motto „be queerious, explore your colours“ (in etwa: sei neugierig, entdecke deine Farben) kann man viel ausprobieren“, erklärt Hannah Rovetti, die sich selbst als polyamourös bezeichnet.

Vernetzung mit HOSI

Die Treffen von „Queeriosity“ finden jeden vierten Samstag im Monat ab 17 Uhr statt. Einen Tag davor gibt es eine eigene Radiosendung auf Campus und City Radio. Die Mitglieder kommen nicht nur aus St. Pölten, sondern auch aus der umliegenden Region, aus Wien oder aus Salzburg. „Bei den Treffen geht es ums Zusammensitzen und ums Plaudern“, erzählt Vereinsobmann Oskar Beneder. Geplant sind in Zukunft Filmabende, Lesungen, Buchvorstellungen, Gast-Vorträge und eine Vernetzung mit der HOSI (Homosexuellen Initiative) Salzburg, um eine „Schule der Vielfalt“ aufzubauen. Irgendwann wünscht man sich auch ein eigenes Vereinslokal. Die Szene in St. Pölten sieht Beneder als ausbaufähig. „Es gibt zwar den Verein Tabera für Trans- und Intersexuelle, sonst aber nicht wirklich viel“, sagt er.

Noch nicht gleichberechtigt

Negative Rückmeldungen oder gar Anfeindungen habe es weder beim Café Queer noch bei „Queeriosity“ bisher gegeben. „Gleichberechtigt sind wir aber noch nicht“, meint Fabian Friesenecker. Als Beispiele erwähnt er den fehlenden Diskriminierungsschutz in der Öffentlichkeit. In Österreich sei es nach wie vor jedem Gastwirt erlaubt, ein sich küssendes homosexuelles Pärchen hinauszuschmeißen. Transgenderpersonen seien gezwungen, bei Behördengängen stets den männlichen Vornamen angeben zu müssen. Polyamouröse wiederum könnten nur mit einer Person beispielsweise ein Bankkonto eröffnen. Dass es Menschen gibt, die Homosexualität als Modeerscheinung oder als Krankheit bezeichnen, verurteilen die Queeriosity-Mitglieder vehement. „So etwas zu sagen ist brandgefährlich. Es handelt sich um Menschen, die versuchen, sich selbst zu finden“, sagt Friesenecker.

Definitionen:

  • Heteronormativität: Weltsicht, die Heterosexualität als soziale Norm beschreibt.
  • Polyamorie: Oberbegriff für die Praxis, mehr als einen Menschen zur selben Zeit zu lieben. Dies geschieht mit vollem Wissen und dem Einverständnis aller beteiligten Partner.
  • Transgenderpersonen: Menschen, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht nur unzureichend oder gar nicht identifizieren und es als falsch empfinden.
  • Intersexualität: Menschen, die genetisch und/oder anatomisch und hormonell nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können.

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