Internationale Tagung „Leben mit dem Tod - Der Umgang mit Sterblichkeit in Mittelalter und Neuzeit“
ST. PÖLTEN. In Kooperation mit dem Stadtmuseum St. Pölten, dem Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie (Uni Wien), dem Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (Uni Salzburg) und der Firma ARDIG-Archäologischer Dienst GesmbH organisiert die Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie von 11. bis 15. September die internationale Tagung „Leben mit dem Tod - Der Umgang mit Sterblichkeit in Mittelalter und Neuzeit“ im ehemaligen AK-Saal St. Pölten (Gewerkschaftsplatz 2).

Im Zentrum der Tagung stehen Fragen zum Umgang mit der Sterblichkeit in historisch-archäologischer Perspektive. „Während die heutige westliche Gesellschaft als „todesvergessen“ gilt und das Sterben als grundlegender Bestandteil menschlichen Lebens gerne verdrängt wird, gehört die „Alltäglichkeit des Todes“ zu den Grunderfahrungen vergangener Jahrhunderte“, sagt Stadtarchäologie Ronald Risy. Frauen bei und nach der Geburt sowie Kinder wurden durch Krankheiten hinweggerafft, die heute durch die moderne Medizin gut behandelbar sind. Hungersnöte, Seuchen und Kriege trugen dazu bei, dass der Tod als allgegenwärtig erlebt wurde.
25 Fachvorträge
In einer breiten und vielfältigen Palette von Ritualen und Praktiken versuchten Menschen daher, das Unfassbare des Todes in ihr Leben zu integrieren, ihn mit Sinn zu erfüllen und damit zu bewältigen. Dies betrifft sowohl das Sterben von Angehörigen und Mitgliedern der eigenen Gemeinschaft, als auch die Bestattung und Formen der Totenerinnerung. In 25 Fachvorträgen, mit Beiträgen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Tschechischen Republik, Ungarn und Kroatien, zwei Postersessions und zwei Exkursionen wird aus archäologischer und kulturhistorischer Perspektive den Fragen nachgegangen, welche materiellen Spuren, Rituale und Praktiken im Umgang mit Sterben, Bestattungen und Totengedächtnis hinterlassen haben und welche Schlüsse diese auf die Integration der „Alltäglichkeit des Todes“ in vormoderne Gesellschaften erlauben.
Ausgrabungen am Domplatz
Die Tagung bietet aber auch eine Plattform, erstmals die international herausragenden Ausgrabungsergebnisse auf dem Domplatz von St. Pölten ins wissenschaftliche Rampenlicht zu rücken: Auf dem Areal eines spätantiken Verwaltungszentrums mit Badeanlage entstanden ab dem 9. Jahrhundert mehrere Kirchen und ein Kloster, um die sich über 1.000 Jahre ein Friedhof entwickelte. Bislang konnten mehr als 18.000 Bestattungen geborgen werden, nirgendwo sonst in Europa wurde bislang eine derart große Anzahl freigelegt und dokumentiert. Damit bietet sich ein einmaliger Bestand, der in dieser Datendichte einmalige Erkenntnisse über die Bevölkerungsverhältnisse, deren Gesundheit und Sterbensalter, aber auch über den Umgang mit den Verstorbenen erlaubt. Anmeldungen sind bis 15. August unter diesem Link möglich.
Infos zur Tagung „Leben mit dem Tod“
- Tagungsgebühr: 60 Euro inkl. freiem Eintritt in die Sonderausstellung, die Exkursionen in St. Pölten und Wien sowie den Abendempfang. Der Festvortrag „9 Jahre „Knochenarbeit“ am Domplatz von St. Pölten – Ein erster Einblick“ am 12. September um 18.30 Uhr ist unabhängig von der Tagungsteilnahme und kostenlos öffentlich zugänglich. Anmeldungen erbeten unter: kultur@st-poelten.gv.at
- Programm unter: www.univie.ac.at/oegm/veranstaltungen/tagungen/tagung-2018
Ansprechpersonen:
- Mag. Dr. Ronald Risy, Stadtmuseum St. Pölten: Ronald.Risy@st-poelten.gv.at, Telefon: 0664/6100189
- Mag. Dr. Thomas Kühtreiber, Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie: thomas.kuehtreiber@sbg.ac.at, Telefon: 0676/4536919
- Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie: www.univie.ac.at/oegm
- Stadtmuseum St. Pölten, Stadtarchäologie: http://www.stadtmuseum-stpoelten.at/Stadtarchaeogie


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden