Ingolf Wöll verfasst Bücher über die bewegte Sportgeschichte St. Pöltens
ST. PÖLTEN. Der ehemalige Sportlehrer der UNION-NÖ und vielfache Sportfunktionär Ingolf Wöll beschäftigt sich seit seiner Pensionierung intensiv mit der Geschichte des Turnens in St. Pölten und darüber hinaus. Derzeit arbeitet der 78-Jährige an einem neuen Buch, das die Entstehungsgeschichte des „Ersten Wiener Turnvereins 1861“ und die österreichische Turngeschichte bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts beleuchtet.

Turnen und Sport spielten in Ingolf Wölls Leben schon früh eine wesentliche Rolle. 1938 in Wien geboren, stieß er im Jahre 1949 zur „UNION St. Pölten“, wo er bald Führungsaufgaben übernahm und von 1960 bis 1970 als Sportlehrer tätig war.
Vater Fritz war Mitglied beim NS-Reichsbund
Sein Vater Fritz Wöll, Mitglied im Ersten Wiener Turnverein und von 1928 bis in die frühen 1940er-Jahre Turnlehrer im TV St. Pölten 1863, bekleidete verantwortungsvolle Ämter in der bündischen Turnbewegung und nach 1938 im NS-Reichsbund für Leibesübungen. Nach dem Krieg trug er wesentlich zum Aufbau der UNION St. Pölten bei und war in verschiedenen Sport-Funktionen tätig.
Recherche in Bibliotheken und alten Tageszeitungen
„Als ich vor Jahren feststellte, dass sich bei der jungen Generation auf Funktionärsebene sowie bei hauptamtlichen Kräften ein allgemeines Desinteresse für die Vergangenheit breit machte, vergilbte Schriften aus den Sport-Sekretariaten als wertlos angesehen wurden und in den Müll wanderten, begann ich, noch vorhandene Materialien zu sammeln und Gespräche mit Zeitzeugen zu führen“, erklärt Wöll seine Beweggründe, die Sport-Vergangenheit in Schriftform festzuhalten. Derzeit recherchiert er für seine Aufzeichnungen vorwiegend in Bibliotheken, alten Tageszeitungen und Jubiläumsschriften und freut sich, wenn ihm Materialen zugespielt werden.
Einfluss alter Turnverbände bis in die heutige Zeit
2005 erschien mit „Gedankenreise“ Wölls erstes Werk, eine knappe Darstellung der Geschichte der Sportunion-NÖ. 2007 folgte in Zusammenarbeit mit den Sportjournalisten Gerhard Weber und Heinz Harauer das Buch „Sport in St. Pölten“, das einen Überblick über 150 Jahre Sportgeschehen in der Landeshauptstadt mit vielen Fotos, Statistiken und Randgeschichten gibt. 2015 wurden die „Geschichte(n) der christlichen Turn- und Sportbewegung Österreichs“ veröffentlicht, die aus den Teilen „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ und „Wir bewegen Menschen“ bestehen.
Verfeindete Turnverbände
Wölls neuestes, noch in Arbeit befindliches Buch heißt „Von der Hasenheide in Berlin zum Ersten Turnverein in Wien“ und beschäftigt sich mit der gesamten österreichischen Turngeschichte. Es erklärt unter anderem, wie die ideologisch unterschiedlichen und verfeindeten Turnverbände vor dem Zweiten Weltkrieg das Entstehen der nach 1945 entstandenen Dachverbände ASKÖ, SPORTUNION und ASVÖ beeinflusst haben. Neben seinen Recherchen findet Wöll noch Zeit sich um die Öffentlichkeitsarbeit von UNION Trendsport Weichberger zu kümmern, und seinem Steckenpferd, dem Altensport, nachzugehen.


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