Domplatz: Jetzt wird es feinsinnig!
ST. PÖLTEN. Der Domplatz wird zum Dauerbrenner. Forschen und die eigene Vergangenheit umfassend rekonstruieren und diesen zentralen und schönen Platz für und in der Zukunft aufzuwerten und weiterzudenken oder ihn überweigend den „Blechschüsseln“ als Standplatz zu opfern? - Das ist die Frage die derzeit in emotionalen Politdiskussionen geführt wird.

„Nicht nur, dass SPÖ-Chef Stadler und sein Spiritus Rector Josef Wildburger entgegen aller Beschlüsse und gegen den gesunden Menschenverstand daran arbeiten, dass der Domplatz in Zukunft autofrei wird, streuen sie den St. Pöltnerinnen und St. Pöltnern auch noch Sand in die Augen“, ist die Grande Dame der Innenstadt - Stadträtin Ulrike Nesslinger (VP) - entrüstet. Sie meint, Stadler und Wildburger würden mit „sprachlichen Feinheiten und einer besonderen Vernebelungstaktik Pläne verschleiern“. Den beiden fehle der Mut zu klaren Worten, was aber nichts an einer Tatsache ändere, so Nesslinger, nämlich, „dass die Innenstadt unter der Stadler-Wildburger-Führung den wichtigsten Oberflächenstellplatz verlieren.“ Das habe auch die (vor)gestrige „Plattform2020-Veranstaltung“ erneut bewiesen, so Nesslinger. Nesslinger kritisiert auch, dass dabei „SP-Parteipolitik“ von Magistratsbeamten betrieben worden sei.
Gegenstoße
Die Retourkutsche folgt auf den Fuß, am fiktiven Kutschbock - Josef Wildburger der eine digitale Depesche überbringt: „Ich habe gestern offensichtlich eine Doppelgängerin von Ulli Nesslinger getroffen“, heißt es in dem Schreiben des Obmanns der „Plattform 2020“. „Bei der Veranstaltung, die ich besucht habe, kann sie (Nesslinger, Anm.) ja nicht gewesen sein“. Dort hätten Stadtarchäologe Dr. Risy und der renommierte Anthropologe Dr. Grossschmidt von der Uni Wien „zwei hervorragende Fachvorträge über bedeutende neue Erkenntnisse zu unserer Stadtgeschichte und über europaweit revolutionäre Erkenntnisse der Medizingeschichte gehalten“.
„Identitätsstiftend“
Und Wildburger gerät ins Schwärmen: „Der Domplatz und andere Befunde und Funde in der Stadt liefern uns wesentliches Wissen zu unserer Herkunft und Historie. Natürlich haben wir – wirtschaftlich gesehen – kurzfristig Tränen in den Augen: hohe Kosten, kein sofortiger Nutzen, Behinderungen. Mittel- und langfristig heben wir aber einen Schatz, den wir gut brauchen können: zur Identitätsstiftung, zur Imagebildung, zur Selbstwertbildung. Zukunft braucht Herkunft: St. Pölten war schon zur Römerzeit viel bedeutender als bisher vermutet und hat diese Stellung im Lauf der Geschichte immer wieder eingenommen. Zentrum war und ist der Domplatz, nun als Mittelpunkt der St. Pöltner Kulturachse, auch aus wirtschaftlicher Sicht zu Recht ein Hauptthema im Partizipationsprozess zur Gestaltung und zukünftigen Nutzung des Platzes.“
Zwei Argumentationslinien - beide in der Substanz durchaus berechtigt - prallen aufeinander. Jetzt wird Meinung gebildet, manipuliert und lobbyiert – über Medien, Beteiligungsprozesse und in vielen Gesprächen. Entschieden wird im Gemeinderat.
Siehe weitere Artikel zum Thema:
Wildburgers Grant gegen VP-Gemeinderäte
Stadler Sicht der (Domplatz-)Dinge
-------------------------------------------------
Weitere Artikel aus dem Raum St. Pölten
Kontakt
Redaktion Tips St. Pölten
Werner Pelz, Mobil: 0676 700 11 75
Mail: w.pelz@tips.at oder we_pe@gmx.at
Post: W. Pelz, Postfach 39, 3101 St. Pölten


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden