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ST. PÖLTEN. Zwischen Ärztekammer, Patientenanwaltschaft und Gebietskrankenkassen fliegen oft und gern die Fetzen. Jüngst etwa kritisierte Patientenanwalt Gerald Bachinger mangelnde Kenntnisse mancher niedergelassenen Hausärzte im Bereich der Medikamentenverordnung. Worauf Ärztekammerchef Christoph Reisner dem Patientenanwalt Einmischung in fremde Belange vorwarf.

NÖ-Ärztekammerchef Reisner sieht Vorwürfe gegen Ärzte im 'Promillenbereich'. Foto: ÄK
NÖ-Ärztekammerchef Reisner sieht Vorwürfe gegen Ärzte im 'Promillenbereich'. Foto: ÄK

Seitens der Gebietskrankenkasse wird immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass viel zu viele Medikamente verschrieben werden – mit daraus unerforschten, mitunter gefährlichen Wechselwirkungen. 9900 Patienten in NÖ erhielten etwa im Oktober 2014 gleichzeitig zwischen elf und 15 Medikamente. 1200 zwischen 16 und 20. Der Spitzenwert lag bei unglaublichen 73 Medikamenten in einem Quartal.

Dass dies – abgesehen von den horrenden Kosten für unser Solidarsystem – nicht gesund sein kann, dürfte allen einleuchten. Der Streit über Hausapotheken und die Abgabe von Medikamenten durch Ärzte geht allerdings weiter. Zwischen Patientenanwaltschaft – die eine Reform fordert, der Apothekerkammer – die weitgehende Änderungen bei den Hausapotheken will einerseits und der Ärztekammer auf der anderen Seite, die weiterhin eine Medikamentenabgabe beim Arzt wünscht und diesem damit - vor allem in ländlichen Gebieten - einen Zusatzverdienst ermöglichen möchte.

Schwarze Schafe

Leider gibt es - zwar wenige aber doch - immer wieder „schwarze Schafe“ unter den Ärzten, die das System der Medikamentenverordnung pervertieren und vorsätzlich Unmengen an Medikamente verschreiben. Und mit diesem „Medikamentenmissbrauch“ überproportional gut verdienen - und mitunter auch Patienten damit schädigen. Etwa gerade im Bereich hochpreisiger (Schmerz-)Medikamente die als Suchtmittel abhängig machen können.

„Fahrlässige Übermedikation unterbinden“

Ärztekammer, Gebietskrankenkasse, Apothekerkammer und Patientenanwaltschaft eint aber über alle Interessenskonflikte hinweg die Erkenntnis dass Mediziner, die das System der Medikamentenverordnung durch fahrlässige und vorsätzlich überhöhte Verschreibung pervertieren oder damit Behandlungsfehler provozieren, zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

Reisner: Wenige Vorwürfe gegen Ärzte

Allerdings lägen Vorwürfe gegen Ärzte grundsätzlich im Promillenbereich, meint Ärztekammerchef Reisner gegenüber Tips St. Pölten. Reisner: „Es ist nicht im Interesse der Ärztekammer und der Ärzte, die ordentlich arbeiten, schwarze Schafe unter den Ärzten zu schützen. Was aber nicht heißt, dass für einen ungünstigen Behandlungsverlauf eines Patienten gleich der Arzt verantwortlich gemacht werden kann.“ Jedenfalls prüfe die Schiedsstelle der Ärztekammer allfällige Behandlungsfehler ebenso wie die Patientenanwaltschaft. „Im Vergleich zur Zahl der Behandlungsfälle ist die Zahl der Vorwürfe gegen Ärzte sehr klein. Von diesen Vorwürfen fällt nur ein ganz geringer Teil unter  Behandlungsfehler. Großteils handelt es sich um Kommunikationsprobleme nach dem Auftreten einer Komplikation“, ergänzt Niederösterreichs Ärztekammerchef.

KOMMENTAR

Schwarze Schafe aus dem Verkehr ziehen!

Es gibt wunderbare Ärzte, richtige Könner und Fachleute auf ihrem Gebiet. Jene, die sich einfühlsam um das Wohl ihrer Patienten bemühen und auf deren Bedürfnisse eingehen. Der Beruf des Mediziners ist nicht nur, aber vor allem, ein Sozialberuf, zu dem Empathie gehört. Ein schwerer und fordernder Beruf, wenn er ernst genommen wird. Und ja, es gibt wohl auch einige wenige aber mitunter recht hartnäckige Mediziner, denen ausschließlich ihr eigenes Wohlbefinden wichtiger ist als die Gesundheit ihrer Patienten. Die gierig nach Profit trachten, ein Bild der Selbstsucht und Selbstverherrlichung abgeben oder schlichtweg schlampig sind. Natürlich gehören auch Fehler zum Beruf. Das Problem: In der Medizin kann ein einziger Fehler mitunter lebensentscheidend sein. Dazu gehört neben Kunstfehlern auch die Verordnung falscher oder zu vieler Medikamente. Es soll auch Ärzte geben, die sind mehr Medikamentenhändler als Mediziner. Es sind wenige, aber gerade die schwarzen Schafe unter der Ärzteschaft, wecken Misstrauen und ruinieren den guten Ruf, den ihre Kollegen tagtäglich hart erarbeiten. Diese Leute gehören entweder nachhaltig zur Vernunft gebracht oder, wenn das nichts nutzt und Patienten zu Schaden kommen, zumindest als Kassenärzte aus dem Verkehr gezogen. Darüber sind sich – bei allen unterschiedlichen Interessen – Ärztekammer, Patientenanwalt und Krankenkassen einig. Und das ist gut so!

 

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