Nah Ost-Journalistin Petra Ramsauer sprach im Bildungshaus St. Hippolyt über den Dschihadismus
ST. PÖLTEN. Der Verein Neustart lud vergangenen Montag ins Bildungshaus St. Hippolyt zu einer Info-Veranstaltung zum Thema Dschihadismus. Journalistin und Autorin Petra Ramsauer erklärte die Strukturen des Islamischen Staats und seine Absichten.

Ramsauer ging in ihren fast einstündigen Schilderungen auf die Unterschiede des IS zu Al Kaida und den Taliban ein und erklärte, dass der Dschihadismus weniger mit Religion, sondern viel mehr mit einer Sekte zu tun habe. Das eigentliche Ziel des Dschihadismus, einer Sonderform des Salafismus (ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams, die eine sogenannte geistige Rückbesinnung auf die „Altvorderen“ fordert), ist die Errichtung eines islamischen Großreichs. Freiwillige, die sich den kämpfenden Gruppen anschließen, gibt es nicht erst seit heute, sondern die gab es schon bei den Kämpfen der Palästinenser gegen Israel oder in Afghanistan im Krieg gegen die Russen.
Viele Freiwillige
Nach den Terroranschlägen vom 11. September gingen viele Freiwillige aus Europa nach Syrien, um sich dort zu professionalisieren. Die Erziehung im Dschihad zielt auf Verrohung ab, es soll das Gefühl vermittelt werden, dass der böse Westen die Muslime im Stich lässt. Die Terroranschläge werden als ein Rachefeldzug gegen Europa verkauft, hinter dem in Wahrheit Machtinteressen stehen. 280 Auswanderer gab es bisher aus Österreich, die meisten davon waren Tschetschenen.
Gefühl der Stärke und Verbundenheit
Die Freiwilligen erfahren in den IS-Camps ein Gefühl der Aufwertung durch die Verbundenheit untereinander. Durch erfolgreiche Terroranschläge in Europa wird außerdem das Gefühl vermittelt, einer starken Organisation anzugehören. Angriffe wie in Orlando (USA) oder der Mord an Sicherheitsbeamten in Paris sind nicht nur eine „Nachricht“ des IS, sondern auch eine Nachricht an den IS. Dieser bekommt die Nachricht, dass sein Aufruf zu Anschlägen angekommen ist. Es wird somit eine doppelte Terror-Strategie verfolgt: inspirierte und dirigierte Attentate. Je mehr die westlichen Medien von den Anschlägen berichten, desto stärker fühlt sich der IS. 60 Prozent der Anschläge wurden bisher vereitelt.
Nicht zuletzt spielen Frauen im Dschihadismus eine wichtige Rolle. Auf Männer wird schon bei Verlobungen ein großer sozialer Druck ausgeübt. Frauen stacheln ihre Männer zu Terroranschlägen an, da sie unbedingt mit einem Märtyrer verheiratet sein wollen.
Willkommenskultur macht dem IS das Leben schwer
Ramsauer erklärte auch, dass die viel gescholtene Willkommenskultur dem IS ein Dorn im Auge ist, da sie durch die Anerkennung der Flüchtlinge in der westlichen Welt Probleme haben, neue Terroristen aus diesen Reihen zu rekrutieren. Aus diesem Grund schleuste man bei dem Terroranschlag in Paris im November 2015 absichtlich zwei Flüchtlinge mit ein, um den Ruf der Neuankömmlinge zu verschlechtern. Je ausgeprägter Anti-Islam-Klischees in westlichen Ländern sind, desto leichter funktioniert die Anwerbung. Auch der zunehmende Rechtsruck in vielen Ländern Europas und den USA kommt dem IS gelegen, kann er doch so den Hass auf den bösen Westen, der nichts für Muslime übrig hat, weiter schüren.
Trotzdem gilt: Auch wenn der IS einmal der Vergangenheit angehört, wird der Nährboden für Terrorismus noch vorhanden sein.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden