Vor dem 1. Mai: 100 Jahre Achtstunden-Arbeitstag

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Leserartikel Online Redaktion 30.04.2018 13:22 Uhr

ST. PÖLTEN. Vor 100 Jahren wurde der Achtstunden-Arbeitstag eingeführt. Die SPÖ hat daher pünktlich vor dem „Tag der Arbeit“ einmal mehr den im Raum stehenden Zwölfstunden-Arbeitstag ins Visier genommen.

Die Forderung nach einem Achtstundentag war von Anfang an eng mit der Geschichte des 1. Mai verbunden. Am 1. Mai 1890 wurde der neue Kampftag auch von den Wiener Sozialdemokraten festlich begangen. Die Parole lautete „8-8-8-“ (Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, acht Stunden Erholung). Erst 1918 konnte der Achtstundentag gesetzlich verankert werden. „Hundert Jahre später will die schwarz-blaue Bundesregierung diese Regelung wieder aushebeln – sie wird die gesetzliche Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich anheben. Geht es nach der Regierung, sollen diese Vereinbarungen nur mehr auf betrieblicher Ebene oder mit jedem Arbeitnehmer ausgehandelt werden. Dann gibt es keine branchenweiten Verhandlungen und es wird schwer werden, Gegenleistungen einzufordern“, poltert SPÖ NÖ Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar und streicht damit auch die Bedeutung des 1. Mai für die Arbeitnehmer hervor.

„Massive Einschränkungen“

Kocevar weist auch auf Aussagen von Wirtschaftsministerin Schramböck zur Forderung nach der Zumutbarkeit von zweieinhalb Stunden für den täglichen Arbeitsweg hin. „In Kombination mit dem Zwölf-Stunden-Tag bringt das für die Arbeitnehmer massive Einschränkungen der Erholungszeit. Dazu findet die Ministerin, dass man mit Freunden auch über die „digitalen Medien“ in Kontakt bleiben könne. Das ist zynisch und zeigt, dass die Ministerin keine Ahnung hat, wie belastend – finanziell, physisch und psychisch –Pendeln ist.“

Kocevar kritisiert, dass Schwarz-Blau ihrer Ankündigung vom „Sparen im System und nicht bei den Menschen“ nicht gerecht werde – Schwarz-Blau spare direkt bei den Menschen. Er weist auf die Kürzungen beim AMS-Budget hin sowie auf die im Raum stehenden Einschnitte bei der Arbeiterkammer – dazu komme die angekündigte Zerschlagung der AUVA und die derzeit in Planung befindliche Zusammenlegung der Sozialversicherungen.

„Gegen Interessen der Arbeitnehmer“

„Die schwarz-blaue Bundesregierung ist eine Koalition gegen die Interessen der Arbeitnehmer. Die Wahlprogramme und ersten Handlungen zeigen, dass man Politik für die Reichsten der Reichen machen wird“, erklärt SJ NÖ Landesvorsitzender Mirza Buljubasic: „Und jetzt nach der Landtagswahl in Salzburg geht es erst so richtig los. Die Arbeiterkammer soll geschwächt und in weiterer Folge zerschlagen werden. Gewerkschaften sind ÖVP und FPÖ ein Dorn im Auge, weil sie für die Rechte der Arbeitnehmer eintreten. Kollektivverträge sollen zurückgedrängt werden. Doch in diesen sind das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld verankert.“

„Wie der hässliche Grinch“

Die Sozialistische Jugend werde Widerstand leisten, erklärt Buljubasic: „ÖVP und FPÖ wirken wie der hässliche Grinch, der das Weihnachtsfest stehlen will. Während im Buch beziehungsweise Film der Grinch am Ende reumütig wird, fehlt mir bei Strache und Kurz dafür die Hoffnung. So wurde ja bereits bei sozial Bedürftigen eingespart. Die Kürzung der Mindestsicherung beispielsweise bedeutet Bekämpfung von Armen, nicht von Armut. Gleichzeitig gibt es Steuerzuckerl für Unternehmen, Konzerne und die Reichsten der Reichen. Aber wir lassen uns unsere Zukunft nicht wegnehmen. Egal ob beim 12-Stunden-Tag, Sozialabbau, Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen oder Studiengebühren. Wir werden der Regierung keine ruhige Sekunde lassen.“

Herausforderung Digitalisierung

„Wir stehen im Bereich des Arbeitsmarktes vor großen Herausforderungen, das ist uns als Sozialdemokratie bewusst. Die größte ist dabei mit Sicherheit die Digitalisierung. Dabei werden manche Jobs verloren gehen, während andere neu entstehen, aber in Summe stellen wir fest: Es wird mehr Wertschöpfung bei weniger Arbeitsleitung von Menschen geben. Hier ist die Arbeitszeitverkürzung eine Maßnahme, die man nicht andenken kann, sondern muss“, erklärt Michael Kögl, Vorsitzender der Jungen Generation NÖ. Für ihn sei es auch unverständlich, dass die einen arbeiten, bis sie krank werden, während die anderen krank werden, weil sie nicht arbeiten können: „Es geht um die faire Verteilung von Arbeit, bessere gesundheitliche Rahmenbedingungen für die Arbeitnehmer und eine gerechtere Verteilung von Chancen.“



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