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SP-Königsberger-Ludwig: "Armut ist für Kinder und Jugendliche ungemein belastend"

Thomas Lettner, 29.08.2018 11:36

ST. PÖLTEN. Im Landhaus fand heute eine Pressekonferenz zum Thema „Für einen guten Start - denn Armut ist kein Kinderspiel“ statt. Der Fokus lag dabei auf den 45.000 Kindern, die in Niederösterreich von Armut betroffen sind, was sich negativ auf ihr ganzes Leben und die Gesundheit auswirke.

(v.l.) Caroline Pavitsits (Bundesjugendvertretung), Barbara Bühler (NÖ Armutsnetzwerk), Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig und Nikolaus Hofer (Katholische Jungschar der Diözese St. Pölten) Foto: Thomas Lettner

„Armut ist für Kinder und Jugendliche ungemein belastend“, meinte NÖ Soziallandesrätin Ulrike Köngisberger-Ludwig (SPÖ). Der Zugang zu wichtigen Dingen wie Freizeitaktivitäten bleibe Kindern aus armen Familien verwehrt. Sie könnten auch keine Freunde zu sich nach Hause einladen, weil die Räumlichkeiten zu klein oder die Scham vor der Armut zu groß sei. In der Schule könnten Schulmaterialien, Veranstaltungsbeiträge oder Ausflugskosten oft nicht bezahlt werden. Zur Info: Laut einer Marktforschungs-Studie der Firma Picodi gibt ein Österreicher etwa 124 Euro, also 5,33 Prozent des durchnittlichen Monats-Einkommens, für die Schulausstattung eines Erstklässlers aus. 

Kostenlose Kinderbetreuung

1.300 Euro pro Jahr und Kind müssten Eltern durchschnittlich für den Schulbetrieb zuschießen. Weil es bereits im Kindergartenalter eine gewisse Selektion gebe, brauche es in NÖ umgehend flächendeckende, kostenlose Kinderbetreuungseinrichtungen, so die Landesrätin. Als Maßnahmen gegen die Armut schlägt Königsberger-Ludwig Schulstart-Pakete in der Höhe von 130 bis 170 Euro und Familienbeihilfe vor. Das Schulstartgeld sei 2011 leider gestrichen worden.

Mehr Investitionen ins Wohnen

Barbara Bühler, die Obfrau des NÖ Armutsnetzwerks, betonte, dass über ein Drittel der Menschen, die in NÖ auf Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung angewiesen sind, Kinder seien. Der Anteil der Mindestsicherung, der für das Wohnen vorgesehen ist, betrage für eine Familie mit einem Kind 373,26 Euro, was sich hinsichtlich der steigenden Mietpreise nicht ausgehe. Bühler fordert daher eine Erhöhung des Wohnanteils der Mindestsicherung, ein Überdenken der Förderstrukturen sowie Investitionen in kommunalen, leistbaren Wohnraum.

Anpassung bei Kinderkostenstudie

Die Bundesjugendvertretung (BJV) führte gemeinsam mit der Uni Wien eine explorative Studie im Rahmen der Kampagne „Armut ist kein Kinderspiel“ durch. Die Studie, bei der Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren befragt wurden, ergab, dass monetäre Mittel unabdingbar sind, um Kindern einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen. Um das zu erreichen, fordert BJV-Vorsitzende Caroline Pavitsits eine neue Kinderkostenstudie. Die „aktuelle“ stammt nämlich aus dem Jahr 1964 und sei veraltet. Die Regelbedarfssätze für den Unterhalt von Kindern müssten an die aktuellen Lebenssituationen angepasst werden.

Kinderbetreuung kompatibel mit Job

„Eine der größten Herausforderungen für Alleinerziehende ist es, einen Betreuungsplatz für ihre Kinder zu finden, der mit einem existenzsichernden Vollzeitjob kompatibel ist“, meinte Nikolaus Hofer, der Vorsitzende der Katholischen Jungschar der Diözese St. Pölten. Er fordert daher finanziell leistbare, qualifizierte Kinderbetreuuungsplätze mit Öffnungszeiten, die sich mit dem Beruf vereinbaren lassen.


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