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ST. STEFAN-AFIESL. Über Gerti Pürmayr – oder die Mittern Gerti, wie viele sie nennen – könnte man ganz Bücher schreiben, so viel hat die 68-Jährige aus ihrem Leben zu erzählen. Das macht sie zu einem waschechten Steffinger Original.

Foto: privat
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Heute ist die Gerti trawig. Nicht nur, weil sie Besuch von der Tips-Redakteurin erwartet, nein, sie hat mit ihrem Mann Georg auch nachher noch zwei Arzttermine. Deswegen hat sie heute auch schon drei Gugelhupfe gebacken. „Einen nimmst dir dann mit, die anderen zwei sind für die Doktoren!“, bestimmt sie in der ihr eigenen, resoluten Art, wie sie weitum bekannt ist. Die Kuchen sind eines ihrer vielen Markenzeichen. „In der Woche backe ich sicher 15 Stück und das schon seit 20 Jahren oder noch länger – es müssen wohl schon tausende sein“, sagt sie und legt nach: „Weißt du, mich kennen einfach alle. Ich bin wie“s falsche Geld.“

Eine Flohmarkt-Queen

Bekannt ist sie vor allem auch regelmäßigen Flohmarkt-Gängern und -Verkäufern, denn Gerti Pürmayr verkauft alles Mögliche auf den Flohmärkten in der Region und wird nicht umsonst „Flohmarktkönigin“ genannt. Seit 45 Jahren schon ist das eine ihrer großen Leidenschaften. Doch nicht wegen des Geldes, denn vielen schenkt sie etwas aus ihrem Fundus der puren Freude wegen. Eines ihrer Credos lautet nämlich: „Das Geschenkte wächst im Korn! Wie viele Leute habe ich schon eingekleidet, weil sie es sich vielleicht nicht leisten können hätten. Ich habe immer was für die Menschen übrig gehabt, die sonst keinem am Herzen lagen.“

Das rührt vielleicht auch von ihrer Kindheit in bescheidensten Verhältnissen her. Aufgewachsen ist sie nämlich als letzte unter 13 Geschwistern. Die Mutter war alleine mit den Kindern, der Vater wurde erstochen, als die kleine Gerti drei Jahre alt war. „Ich habe dann immer für meine Mutter gesorgt, als sie älter geworden ist“, erinnert sich die rührige Pensionistin. Über ihre Kindheit weiß sie aber auch eine schaurige Anekdote zu erzählen.

Beinahe entführt

Als sie nämlich noch ein Säugling war, wurde sie einmal fast entführt. „Meine Mutter hat mich während der Feldarbeit in eine Schwinge am Feldrand gelegt und als sie wieder nachschaute, war ich verschwunden. Zum Glück sah sie noch eine Frau mit einem Bündel davoneilen und konnte sie aufhalten. Die Frau war psychisch krank, deshalb wollte sie mich mitnehmen“, erzählt die Gerti. Schreckhaft ist sie deswegen aber heute nicht geworden, im Gegenteil. Sie war schon immer eine, die sich durchgesetzt hat – beispielsweise in der früheren Männerdomäne Jagd. Schon 1996 hat sie ihre Jagdprüfung abgelegt, „als Frauen dort noch nicht erwünscht waren!“, zwinkert sie. Heute ist das freilich anders und von ihren vier Kindern – zwei Buben und zwei Mädchen – sind drei ebenfalls Jäger geworden. Auch ihr Mann und einer ihrer Schwiegersöhne frönen dieser Leidenschaft. „Und so oft gibt es das auch nicht, sechs Jäger in einer Familie!“ Recht hat sie, die Gerti.

Gertis großer Schatz

Ihre Familie ist ihr großer Anker, eines ihrer vielen Steckenpferde. Sechs Enkerl, alles Mädchen, sind ihre größten Schätze und vor wenigen Tagen erst durfte sie Enkerl Nummer sieben – einen Buben – in der Familie begrüßen. Bewundernswert ist, wofür die Gerti noch so alles Energie hat: Ihre kleine Pension beispielsweise, in der sie Gäste wie Familienmitglieder beherbergt; oder ihre Selba-Kurse, bei denen sie mit ihrem Schwung ältere Menschen anzustecken weiß; oder ihren tiefen Glauben, der in ihr verwurzelt ist. Eins ist sicher, wer die Gerti nicht kennt, der kann sie sich nicht ausmalen. Und zurecht sagt sie über sich selbst: „Ich bin ein Unikat!“


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