Wegen Corona-Krise: Rinderbauern bleiben auf ihrem Fleisch sitzen
BEZIRK ROHRBACH. Mitunter am härtesten unter den Landwirten dürfte die Corona-Krise die heimischen Rinderbauern treffen. Die Märkte für Schlacht- und Zuchtvieh sowie Qualitäts-Mastkalbinnen für die Gastronomie sind so gut wie zum Erliegen gekommen, die Preise entsprechend schlecht. Nun versucht die ARGE Rind, die Corona-Auswirkungen für die Bauern abzufedern.

80 Mastkalbinnen stehen in der Regel im Stall von Norbert und Susanna Panholzer in St. Stefan-Afiesl. Normalerweise wird das Fleisch nach der Schlachtung als „Cultbeef“ an die heimische Gastronomie verkauft. „Weil aber wegen Corona diese Branche fast komplett stillsteht, kann ich derzeit kaum Rinder verkaufen. Seit es erlaubt ist, Speisen bei Wirtshäusern abzuholen, geht es zwar wieder ein wenig bergauf, aber das reicht nicht für alle schlachtreifen Kalbinnen in meinem Stall. Im Monat sind das bei uns etwa fünf“, macht sich Norbert Panholzer (50) Sorgen und spricht damit stellvertretend für viele Rindfleischproduzenten in der Region. Denn je älter die Tiere werden, desto höher ist auch der Wertverlust, die Bauern verlieren entsprechende Zuschläge. Dazu kommt, dass diese auch weiterhin wertvolles Grünfutter verbrauchen, das nach Dürre- und Engerlingjahren sowieso schon Mangelware ist.
Überversorgung in Österreich
„In der Krise kommt die Überversorgung im Rindfleischbereich in Österreich zum Tragen“, ist sich Bezirksbauernkammer-Obmann Georg Ecker der Problematik bewusst. Österreichische Landwirte erzeugen etwa 140 Prozent des heimischen Verbrauches. Und da im Bezirk Rohrbach die Rinderhaltung eine lange Tradition hat, ist dieser besonders von den Absatzproblemen im Rindfleisch-Bereich betroffen. Ecker: „Wir haben etwa 1.400 rinderhaltende Betriebe. Rund 950 davon sind Milchproduzenten, der Rest sind reine Mastbetriebe. Aber auch in etwa die Hälfte der Milchbauern produzieren Fleisch.“
Neue Absatzstrategien
Um die Verluste abzufedern, hat die ARGE Rind hat mit einigen Marktpartnern nun neue Absatzstrategien ausgearbeitet. Beim Jungstier konnte eine deutsche Handelskette gewonnen werden, eine größere Menge abzunehmen. Für die Kalbinnen, im Speziellen die Programm-Kalbinnen wie Cultbeef und alpenvorland Rind, konnte die ARGE Rind eine neue Exportschiene nach Italien legen. Bei der Kuhvermarktung kommt eine Erleichterung von anderer Seite: Die ARGE Rind konnte die OSI Foodsolutions Austria und McDonald“s Österreich gewinnen, für die nächsten vier Wochen 50 Prozent des M-Rind-Aufschlages durch McDonald“s weiterhin zu übernehmen – obwohl McDonald“s derzeit selber keinen Absatz verzeichnen kann. Außerdem konnte mit den drei großen Lebensmitteleinzelhandelspartnern Spar, Rewe und Hofer eine Absichtserklärung vereinbart werden: Die Preise werden für vier Wochen eingefroren. Das trägt dazu bei, dass die Rindfleisch-Preise nicht völlig verfallen.
Rohrbachs Bezirksbauernkammer-Obmann Georg Ecker hofft auch, dass die sich abflachende Kurve bei den Corona-Erkrankungen anhält und sich die Situation auch in den Nachbarländern rasch entspannt, sodass dort die Märkte wieder in Gang kommen.
Fleisch direkt verkaufen
Den Rinderbauern im Bezirk kann er als Übergangslösung unter anderem empfehlen, Rindfleisch in Direktvermarktung an Privatabnehmer zu verkaufen. So will es auch Norbert Panholzer machen: „Wenn ich genug Abnehmer zusammenbekomme, werde ich demnächst schlachten. So kann ich zumindest die Verluste etwas mindern.“


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