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St. Valentin. Die Solidarität den Kriegsflüchtlingen gegenüber steigt in ganz Europa. In Deutschland etwa werden sie jubelnd auf den Bahnhöfen empfangen und versorgt. Aber auch in der Region will man helfen. Sabine Gaffal hat dafür die Aktion „St. Valentin hilft“ über Facebook ins Leben gerufen.

Vor allem Schuhe waren unter den Bedürftigen sehr gefragt. Mehr Fotos auf der FB-Fanseite "St. Valentin hilft".

„Wir sammeln bereits seit zehn Jahren für die Ukraine. Daher wollte ich diese Plattform nutzen, um auch im eigenen Land zu helfen“, sagt Sabine Gaffal aus St. Valentin. Dafür hat sich auch gleich die engagierte St. Valentinerin Isabella Kaiserer mit angeschlossen. „Ich fragte Sabine, ob ich mich in ihre Idee einklinken dürfe. Ab diesem Zeitpunkt war es unser Projekt und wir konnten nicht mal im leisesten Ansatz erahnen, welche Größe das Projekt bekommen würde“, so Kaiserer. Gemeinsam sammeln die beiden Spenden aus der Bevölkerung, die sie in einem Lagerraum, der ihnen von der Firma Jordan zur Verfügung gestellt wird, lagern. „Am meisten bekommen wir Gewand. Aber auch Windeln, Feuchttücher, Kinderwägen und Spielzeug für die Kleinen können wir gut gebrauchen“, so Gaffal. Die Hilfe der Bevölkerung ist groß und so konnte ein ganzer Lastwagen, der von der Firma Tischlerei Florian Doppler-Kaiserer in St. Valentin zur Verfügung gestellt wurde, gefüllt werden. Die Grünen St. Valentin sponsern die Aktion zusätzlich mit Sprit. Damit ging es dann nach Traiskirchen, um den Flüchtlingen vor Ort zu helfen. „Wir brachten die Spenden persönlich hin. Verteilt wurde nur, was auch gebraucht wird. Den Rest haben wir wieder mit nach Hause genommen. Nun sammeln wir weiter und bringen die Sachen dorthin, wo sie gebraucht werden“, berichtet Gaffal.

Sabine Gaffal und Isabella Kaiserer waren in Traiskirchen vor Ort, was sie dort erlebt haben lesen sie hier:

Sabine Gaffal:Es ist erledigt, wir haben es getan. Wir waren in Traiskirchen, um uns ein Bild zu machen. Wir wollten es mit eigenen Augen sehen, Vorurteile ausräumen und wirklich kontern können auf Aussagen wie ,Denen geht es doch gut, die haben Handys!“, oder ,Wer sich diese Flucht leisten konnte, der kann nicht arm sein!“Noch niemals zuvor in meinem Leben prasselten so viele Eindrücke auf mich nieder, als an diesem einen Tag.Den ersten Stop legten wir an einer Mauer mit Türe ein, die direkt auf“s SIAK Gelände ging. Direkt wurden wir von einer Menschenmasse ,überfallen“, jeder wollte in“s Auto sehen, fragte nach ,Juice“ oder ,Water“, ,Food“ oder ,Scooter“, womit Kinderwägen gemeint waren. Gott sei Dank hab ich ein lautes Organ und ein ,STAND BACK! PLEASE!“ lies sie sofort zurückweichen. Viele entschuldigten sich sogar für das Drängeln. Die Kinderwägen gingen als erstes raus, jeweils an Familien mit entzückenden kleinen Mädchen, vielleicht 3 Monate alt, dunkelbraune Löckchen unwiderstehlichen Schmollmündern. Ich musste sofort an meinen Tim denken, der mit seinen 5 Monaten wohlbehütet zuhause bei Oma im weichen Bett liegen würde und schluckte meine erste Träne runter. Ich gab den Müttern noch ein weiches Babystofftier dazu, sie bedankten sich überschwenglich und verschwanden in der Menge.Dazwischen musste ich immer wieder das Auto schließen, um zu telefonieren. Ich hatte die Handynummer von jemandem, der schon Monate im Lager lebt. Vertrauenswürdig und nett, er sollte uns beim Verteilen helfen. Es hat lange gedauert, bis ich ihn erreicht und auch gefunden hatte. Ab dann war alles leichter. ,Selim“, ein etwa 17jähriger Bursch, konnte etwas englisch sprechen, das machte es einfacher. Ich drückte ihm einen Sack voll Essen in die Hand und er verschwand durch die Türe im Lager, um es dort direkt an die zu verteilen, die zu schüchtern waren, rauszukommen und die, die einfach nicht raus druften.Inzwischen hatten wir die anderen schon längst verloren, jeder verteilte also auf eigene Faust.Wir fuhren mit Selim immer wieder an andere Plätze, jeder sollte etwas abbekommen.Unsere letzte Station fanden wir an der Seite des Geländes, die wohl jeder von den Fotos her kennt. Spitzer Eisenzaun, dahinter befindet sich die Wiese, wo noch vor wenigen Tagen die Zelte der Menschen standen, die dann vor dem Besuch des Hr. Konrad abgerissen wurde, damit er das ganze Elend nicht sehen kann.Selim kletterte über den Zaun und innerhalb von 20 Minuten kamen nach und nach Familien über die Wiese. Wir verteilten Babynahrung, Shampoo, Seifen, Deos und noch viele mehr an Frauen und Kinder. Ich hatte Parfum für Mädchen dabei, Haarspangen, da strahlten die runden Kinderaugen.Eine Mutter freute sich über selbstgestrickte Socken, die ein Valentiner mitgegeben hatte, ein Vater bedankte sich immer wieder für eine ,Sandmännchen-Spieluhr“. Er zeigte mir das Bild seiner Tochter, vielleicht 6 Monate alt und zuckersüß, erzählte mir in perfektem Englisch von seiner Frau, die mit seiner Tochter in Schwechat auf ihn warte. ,I“m sooo sorry ..“ war das einzige, was ich sagen konnte. Er lächelte … es müsse mir nicht leid tun, das wäre absolut in Ordnung, seiner Familie gehe es gut dort und bald würde er sie wiedersehen. *schluck*Ein kleines Mädchen stand da am offenen Kofferraum und starrte mit leerem Blick hinein. Sie redete nicht, deutete auf nichts, starrte einfach nur hinein. Ich hielt ihr vorsichtig einige Spielsachen hin … sie starrte weiter. Kein Kind sollte so leer vor sich hinstarren. Kein Lächeln, keine Regung … nichts. Ich hatte einen großen Pinguin im Gepäck, mit riesigen glitzernden Kulleraugen, ich hielt ihn ihr hin und sie umarmte ihn ganz fest. Drehte sich um und ging langsam davon. Mein Sohn hat einen großen Drachen aus Gummi gespendet, sicher 50 cm hoch, ein kleiner Junge hatte ihn im Durcheinander im Auto erspäht … seine Augen fixierten ihn richtig. Ich kramte ihn hervor und hielt das Teil dem Kleinen vor die Nase, erst konnte er es gar nicht glauben und traute sich nicht, ihn zu nehmen. Sein großer Bruder erklärte ihm dann, daß es okay wäre … auch diese Freude im Gesicht eines Kindes werde ich wohl nie vergessen. Genauso wie die ungläubigen, seltsam weißblau gefärbten Augen des etwa zehnjährigen Jungen, dem ich das Skateboard meines Sohnes in die Hand drückte … den ganzen Tag lang begegnete er mir irgendwo um das Lager und jedes Mal flitzte er dabei auf dem Board vorbei. Und jedes Mal drehte er sich noch einmal um und nickte mir freundlich zu.Ein kleines Mädchen mit einem leeren Puppenwagen fragte mich in perfektem Deutsch ,Hast du eine Puppe für mich bitte?“ Ich musste fragen, woher sie unsere Sprache kann ,Aus der Schule hier“. Danke an die Freiwilligen Menschen, die im Lager deutsch lehren! Ich hatte eine Puppe und ihr Wagen war nicht mehr leer.Hochschwangere, alte Menschen, gehbehinderte Menschen, Verwundete, Neugeborene, UMFs (unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge), eine unvorstellbare Menschenmenge.Am begehrtesten waren Wasser, Essen, Rucksäcke, Wasserkocher, Seife, Shampoo (vor allem für Babys) und Kinderwägen. Davon hätten wir hunderte haben können.Wir wurden von Privatpersonen aus gegenüberliegenden Gärten fotografiert, weil wir in einem zeitlich begrenzten Halteverbot standen. Wir wurden beschimpft und bedroht, man würde uns anzeigen. Und es waren auch einige Personen dabei, bei denen hatte man das Gefühl, das sind keine geselligen Zeitgenossen. Die gibt es aber in jeder Nation.Müll gibt es in Traiskirchen. Allerdings hab ich keinen einzigen Müllcontainer gefunden, in den noch etwas hineingepasst hätte. Alle zum Bersten voll. Und auch 6000 Österreicher machen Müll, so ist es ja nicht.


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