Hühnermastfarm: Bürgerinitiative St. Valentin will Baustopp erzwingen

Rafael Haslauer Rafael Haslauer, Tips Redaktion, 17.06.2019 12:57 Uhr

ST. VALENTIN. Für große Unruhen in einer St. Valentiner Siedlung sorgt eine, seit Februar 2018 geplante, Hühnermastfarm in unmittelbarer Nähe. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet und 5.600 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt – schlussendlich erfolglos. Nun will man den Baustopp erzwingen.

„Die zuständige Baubehörde hat uns mitgeteilt, dass die Baugenehmigung für den geplanten Hühnermaststall am Grundstück Langenhart erteilt wurde“, so ein kopfschüttelnder Franz Knöbl, Sprachrohr der Bürgerinitiative „wollen-wir-nicht“. Über eineinhalb Jahre lang hatte man versucht, das Bauvorhaben abzuwenden – letzten Endes war auch das Sammeln von 5.600 Unterschriften gegen die Hühnermastfarm vergebene Liebesmüh.

Baubehörde

Als erste Instanz der Baubehörde hatte die Bürgermeisterin von St. Valentin, Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ), die Angelegenheit zu bewerten. „Es gibt einen gesetzlichen Rahmen, in dem ich mich bewegen muss – da spielt auch meine persönliche Meinung keine Rolle. Auch als Bürgermeisterin kann man nicht über die Köpfe hinwegentscheiden; letzten Endes muss ich mich an die vorgegebenen Fristen halten und die waren nun fällig.“

Unterlassungsklage

Soweit so schlecht für die Bürgerinitiative, der es nicht nur um eine Hühnermastfarm in unmittelbarer Nähe geht, sondern um den Tierschutz im Allgemeinen und darum, was in Zukunft noch alles kommen wird. Was in jedem Fall kommen wird, so Fritz Leeb, einer der Anrainer in der Gollensdorferstraße, ist eine Unterlassungsklage, mit der man den Baustopp erzwingen will, sollte demnächst zu bauen begonnen werden. „Das wird eine Reihe von zusätzlichen Auflagen zur Folge haben, weshalb ich dieser Angelegenheit noch mit einer gewissen Gelassenheit entgegenblicke“, so Leeb. Aktuell ist man seitens der Stadtgemeinde allerdings bemüht, einen alternativen Standort für den Hühnermaststall zu finden. „Da die Gemeinde über keine geeigneten Grundstücke verfügt, auf denen ein solches Bauvorhaben realisiert werden könnte, müssen Gespräche mit privaten Grundbesitzern geführt werden – und das kann natürlich dauern“, so Suchan-Mayr auf Anfrage von Tips.

Aufruf

Der Bürgerinitiative geht das allerdings nicht weit genug und fordert die Menschen unter www.wollen-wir-nicht.at auf, hartnäckig zu sein: „Helfen Sie uns und setzen Sie ein Zeichen gegen Massentierhaltung. Sprechen Sie in Ihrem Bekanntenkreis über das Thema und erklären Sie Ihren Freunden, dass Sie ein derartiges Vorgehen nicht gutheißen können. Weder die Massentierhaltung noch ein für den Menschen beeinträchtigender Betrieb haben direkt neben einem Stadtgebiet etwas verloren.“ Vom Betreiber der künftigen Hühnerfarm erreichte uns bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

 

Kommentar von Rafael Haslauer

Gegen Tierleid und Massentierhaltung zu sein ist eine Grundeinstellung und hat rein gar nichts damit zu tun, wie „tierfreundlich“ die strengen Auflagen in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern sind. Worum es tatsächlich geht, ist das (Un)Bewusstsein, mit dem wir Tieren gegenübertreten und wie wir sie schlussendlich behandeln. Letzten Endes ist es der Konsument, der dieses Tierleid ermöglicht, weil man mit dem steigenden Wohlstand irgendwann vergessen hat, dass es auch andere Lebensmittel gibt außer Fleisch, die auch satt machen und darüber hinaus auch noch schmecken– man mag es kaum glauben.

Ganz davon abgesehen, dass die weltweite Massentierhaltung – und die nimmt zugegebener maßen in anderen Ländern noch einmal ganz andere Formen an, als hierzulande – dafür verantwortlich ist, dass die Bauern in Dritte-Welt-Ländern stetig verarmen, damit wir hier, in der westlichen Welt, nur jeden Tag billiges Fleisch auf den Teller bekommen, sollte man sich einmal überlegen, was es für die Zukunft bedeutet, wenn ein Teil der Erde immer weiter ausgebeutet wird, damit ein anderer Teil der Erde im Luxus schwelgen kann. Denn wen es dann immer noch verwundert, dass Menschen aus solchen Regionen ein besseres Leben suchen und sich auf den Weg nach Europa machen, der sollte sich einmal überlegen, was er selbst zu dieser Situation beiträgt.

Die Frage ist also nicht, ob unsere Mastställe strengeren Auflagen unterliegen als andernorts, sondern einzig und allein, ob wir uns, als eines der reichsten Länder der Welt, an dieser Entwicklung weiterhin beteiligen wollen. Diese Frage richtet sich in erster Linie an uns Konsumenten, da es unsere Ernährungsgewohnheiten sind, die mit dem Elend in der dritten Welt nicht unwesentlich in Verbindung stehen.

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Kommentare

  1. Die GRÜNEN St. Valentin
    Die GRÜNEN St. Valentin17.06.2019 20:54 Uhr

    Rechtens ist nicht immer richtig - Es ist eigentlich ein Skandal, dass in unserer Klimabündnisgemeinde ein derartiges Vorhaben genehmigt wird. Aufgrund des Drucks, den die Bürgerinitiative ausgeübt hat, wurde nach einem neuen Standort gesucht. Das allein löst jedoch nicht das eigentliche Problem. Die Widmungspolitik der Stadtgemeinde und des Landes NÖ lassen zu, dass Massentierhaltung sogar im Gemeindegebiet weiterhin erlaubt ist. Der Verzicht auf Fleisch, ja, auch auf Bio-Fleisch, ist gelebter Klimaschutz und Tierschutz. Wir GRÜNE wollen jedenfalls KEINE derartige Hühnermastanlage. Nicht zum Nachteil der Umwelt, der Tiere und schon gar nicht zum Nachteil der Lebensqualität in St. Valentin. Bettina Langenfelder (GRÜNE Gemeinderätin in St. Valentin)

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