Pfarrer Johann Zarl blickt auf 30 erfüllte Jahre zurück
ST. VALENTIN. Mit 1. September geht der langjährige St. Valentiner Pfarrer Johann Zarl in den Ruhestand. „Ich habe bei meiner Einführung in St. Valentin gesagt: 'Erwarten Sie von mir nicht zuviel. Ich bin auch nur ein Mensch. Aber erwarten Sie von mir auch nicht zu wenig. Denn miteinander können wir vieles erreichen.' Und ich glaube, das ist uns gut gelungen.“

Vom Pfarrheimneubau über Kirchenrenovierung, neue Kirchenorgel, Renovierung des Pfarrhofes und der Filialkirchen in Rems und Hofkirchen bis zum Fußballplatz im Pfarrhofgarten für die Kinder und Jugendlichen hat sich in der Pfarre St. Valentin viel getan. „Aber viel wichtiger als die baulichen Maßnahmen war mir immer das Leben in der Pfarre. Und rückblickend auf die 30 Jahre kann ich sagen: Es lebt etwas in unserer Pfarre. Wenn Sonntag für Sonntag etwa 800 Leute zum Gottesdienst kommen, so darf ich mich darüber als Pfarrer freuen. Das kommt nicht von ungefähr“, so Zarl. Das braucht auch viel persönlichen Einsatz. Daher war ihm der Kontakt zu den Menschen und den Familien immer ganz wichtig und es gab nicht viele Veranstaltungen in St. Valentin, wo er nicht präsent war.
Zahlreiche Erlebnisse haben das Pfarrleben geprägt
14 große Wallfahrten mit jeweils 80 Leuten in ganz Europa und darüber hinaus nach Israel und Syrien-Jordanien waren wunderbare Erlebnisse, die das Pfarrleben geprägt haben. „Unsere großen Pfarrfeste jedes Jahr sind ein Zeichen unserer bunten Pfarrfamilie, wo Jung und Alt miteinander ein Fest gestalten. Wir waren 1990 eine der ersten Pfarren, die so ein Fest veranstaltet haben“, erzählt Johann Zarl. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war ihm immer ein großes Anliegen. „Viele Kapläne haben mich in diesen 30 Jahren dabei unterstützt. 15 Jahre ist jetzt schon unser Pastoralassistent Manuel Sattelberger bei uns in der Pfarre. Seit 2013 ist er Diakon und seither wirkt er auch als Taufspender, Trauungsseelsorger oder bei Radio Maria weit über unsere Pfarrgrenzen hinaus. Er hat ein großes Talent, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten“, so Zarl.
Ein Blick zurück
„Wenn ich auf meine Zeit als Priester zurückschaue: Ich wurde 1974 zum Priester geweiht. Ich war etwas über zwei Jahre Kaplan in Ybbs/D., ein knappes Jahr in Purgstall/E. und dann zwölf Jahre Rektor im Bischöflichen Seminar in Melk. Daneben war ich fünf Jahre Diözesan-Jungscharseelsorger und von 2005 bis 2015 Leiter der diözesanen Ombudsstelle für Missbrauch. Das war meine schwierigste Zeit überhaupt. Seit 1989 bin ich Pfarrer in St. Valentin. 24 Jahre davon war ich Dechant des Dekanates Haag. 2008 hat mir Bischof Klaus Küng den päpstlichen Titel Monsignore verliehen. Mit 1. September 2019 gehe ich in den Ruhestand. Wenn ich ehrlich bin, fällt mir der Pensionsantritt nicht so schwer, weil ich in der Pfarre bleiben kann. Ich habe hier eine liebe, kleine Wohnung. Ich bin nicht allein im Haus. Fünf Minuten von der Kirche entfernt habe ich von meinem Wohnzimmer aus einen wunderbaren Blick auf die Kirche. Ich wurde schon gefragt, ob ich bereit bin, im neuen Pfarrverband mitzuarbeiten und ich tue es gerne. Zehn Hochzeiten habe ich schon für 2020 vorgemerkt. Es wird ein 'Unruhestand'. Aber die Last der Verantwortung fällt von meinen Schultern. Und das befreit wirklich. Denn wenn man den Dienst als Pfarrer ernst nimmt, dann ist das ein 24 Stunden Job“, zieht Johann Zarl Bilanz über seinen Werdegang.
„Bei den Leuten sein“
Als Pfarrer hat man aber auch viel mit Verwaltung, Bauerei, Renovieren, Organisation und anderem zu tun. „Das, was mich als Priester glücklich gemacht hat, das war das 'Bei den Leuten sein!' Außerdem stamme ich von einem Gasthaus ab und da ist einem der Kontakt mit den Leuten in die Wiege gelegt. Papst Franziskus hat es einmal so gesagt. 'Wenn du ein guter Hirte sein willst, dann brauchst du auch den Stallgeruch der Schafe, sonst kannst du nicht Hirte sein.' Ich möchte weiterhin bei den Menschen sein und ich hoffe, dass die Leute auch in meiner neuen Wohnung zu mir kommen.
Warum in den Ruhestand?
„Ich werde oft gefragt: Warum gehst du mit 70 Jahren in Pension? Du bist doch noch ganz gut beisammen?Ich war immer gerne Priester. Es war meine Lebenserfüllung. Und ich bin mit Freude Priester. Aber ich möchte diese Freude nicht verlieren. Wenn man älter wird, geht manches nicht mehr so leicht von der Hand. Ich merke es, wie mein Blutdruck steigt, wenn ich unter Stress stehe. Ich sehe, wie manche Priester am Ende ihres Lebens vergrämt sind, weil ihnen alles zu viel wird und sie nicht zum richtigen Zeitpunkt loslassen konnten. Ich glaube, als froher Pensionist, der mithilft, wo er gebraucht oder eingeteilt wird, kann ich den Menschen mehr von der Menschenfreundlichkeit Gottes vermitteln als als griesgrämiger, aktiver Pfarrer. Ich möchte mir als Pensionist auch noch Zeit gönnen, ein wenig zu reisen und mir manche Dinge anzusehen, für die ich bis jetzt noch keine Zeit hatte. Darauf freue ich mich.
Tipp für den Nachfolger
„Meinen Nachfolger wird im Pfarrverband Herbert Reisinger sein, der jetzt fünf Pfarre zu betreuen hat. In unserer Pfarre Valentin wird vor allem Diakon Manuel Sattelberger die Ansprechperson sein. Ein indischer Priester, Isaac Padinjarektuttu, wird sie als Kaplan unterstützen. Viel Arbeit wartet auf euch. Mein Leitspruch lautet immer: 'Die Hauptsache ist, dass die Hauptsache bleibt, was die Hauptsache ist!' Lasst euch nicht von den kleinen Nebensächlichkeiten durcheinander bringen. Vergesst die Hauptsache nicht. Den Menschen die Liebe Gottes vorzuleben und ihnen die Botschaft zu bringen: Gott ist das Ziel unseres Lebens. Auf ihn läuft alles hinaus. Alles vergeht. Gott allein bleibt ewig. Und er möchte uns an seiner Ewigkeit teilhaben lassen. Und mein Rat an die Leitung der Kirche? Ist es verantwortlich, einzelnen Priestern Bürden aufzulasten, die unmenschlich sind, wo sie fast scheitern müssen? Sollten wir nicht nachfragen, ob es nicht andere Zulassungskriterien geben müsste, wenn die Not schon zu groß ist? Möchte uns Gott nicht etwas sagen mit dem Priestermangel? Oder verstehen wir seine Sprache nicht mehr? Ist der Zölibat wichtiger als die Möglichkeit, dass alle Menschen Zugang zur Eucharistie haben? Zur Erklärung: Ich habe für mich den Zölibat nie als Einengung empfunden. Er hat mich für meine Arbeit freier gemacht. Aber ich hatte immer eine familiäre Einbettung in den Pfarrhöfen, in denen ich war. Wir waren in diesen 30 Jahren in St. Valentin immer drei bis vier Leute im Pfarrhof. Und unsere Haushälterin, die jetzt mit 89 Jahren im Pflegeheim in Haag ist, hat uns immer eine familiäre Atmosphäre im Pfarrhof geschenkt. Das hat mir großen Rückhalt gegeben. Aber mir scheint, es hat sich heute Vieles geändert. Viele Priester leben im Pfarrhof allein und vereinsamen. Sie gehen in ihrer Arbeit auf und in der Überfülle oft auch unter. Das müsste doch auch der Kirchenleitung zu denken geben!?


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