STEYR/LINZ/LUFTENBERG. Die FH-Studenten Maximilian Manzenreiter (21) und Daniel Steinbeiß (27) leben derzeit als Austauschstudenten in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Sie erzählen über Terrorangst, ausgestorbene Straßen und die Hoffnung auf eine Entspannung der Situation.

Wie ist die aktuelle Situation?
Maximilian Manzenreiter: Die aktuelle Situation ist sehr angespannt hier in Brüssel. Wenn man auf den Straßen ist, ist die Nervosität der Menschen deutlich zu spüren. Man wird auch ständig von Passanten mit einem prüfenden Blick begutachtet, ob man ein potenzieller Terrorist sein könnte. Letztes Wochenende ist uns geraten worden, die Wohnung nicht zu verlassen und Fenster zu schließen. Diese Information hat schon bei manchen eine gewisse Panik ausgelöst.
Wie ist es im Vergleich zur Zeit vor der höchsten Terrorwarnstufe?
Normal ist der Grand Place voll mit Besuchern und Touristen, als wir am Mittwoch dort waren, waren nur zwei Polizeiautos dort und sonst nichts. Die Straßen sind teilweise wie ausgestorben. Momentan ist die Militär- und Polizeipräsenz sehr hoch. Teilweise kommt man sich vor wie in einem Kriegsgebiet, wenn man ständig von Menschen mit Maschinengewehren, Militärfahrzeuge und Sirenenalarm umgeben ist. Da wir im Zentrum wohnen, bekommen wir hier sehr viel mit.
Haben Sie angst, aus dem Haus zu gehen?
Die Straßen sind voll mit Polizei und Militär. Die U-Bahnen waren von Samstag bis Dienstag geschlossen. Seit Mittwoch fahren die Öffis wieder teilweise. Aufgrund dieser Tatsache hat es mehr als zwei Stunden gedauert, um auf die Universität zu kommen. Die Straßen sind vollgestopft mit Autos, es herrscht somit ein richtiges Verkehrschaos. Am Wochenende wurde der Bahnhof (Garde du Nord) von der Polizei abgegangen wie bei einer Treibjagd. Stück für Stück wurde das Gelände bezüglich möglicher Gefahren abgesucht.
Fühlen Sie sich gefährdet?
Es ist schon ein mulmiges Gefühl auf die Straßen zu gehen, wenn man nicht weiß was hier passieren kann.
Fühlt man sich unsicher, weil es die Terrordrohung gibt?
Ich würde das Gefühl nicht als „unsicher“ beschreiben. Manche sagen sogar, dass Brüssel noch nie so sicher war, wie jetzt (aufgrund der hohen Polizei und Militärpräsenz). Ich persönlich sehe erst dann eine Gefahr, wenn das Terrorlevel runtergestuft wird, kein Militär mehr auf der Straße ist, und Metros wieder voll sind. Denn da würde ein möglicher Terroranschlag großen Schaden verursachen.
Wie reagieren die Einheimischen?
Die Brüsseler reagieren sehr unterschiedlich. Manche schließen sich zuhause ein und kaufen große Vorräte an Lebensmittel ein. Andere leben ihr Leben wie üblich weiter. Viele Studienkollegen hier sind sehr nervös. Manche haben ihr Auslandssemester bereits abgebrochen bzw. sind vorübergehend in ihre Heimat zurückgeflogen.
Wie ist die Situation auf der Uni?
Die Universität wird auch stark durch das Militär bewacht. Beim Eingang muss man seinen Studentenausweis herzeigen. Hat man zu große Taschen mit, darf man nicht in das Gebäude bzw. wird noch strenger kontrolliert. Viele Studenten bleiben diese Woche zuhause.
Wie haben Sie den Start der Terrorwarnung am letzten Wochenende erlebt?
Durch die Terrorwarnung habe ich erfahren, als ich am Samstagmorgen auf Facebook geschaut habe und zahlreiche Nachrichten bekam, wie es mir denn geht und ob alles OK mit mir ist. Zuerst wusste ich nicht was los ist, weil ich von der Terrorwarnung noch nichts wusste.
Haben sie überlegt, das Studium abzubrechen?
Ja ich habe überlegt, so wie viele andere von hier, das Studium abzubrechen. Ich warte jedoch ab, was die nächsten Tage bringen. Ich möchte aber soweit es geht mein Auslandssemester in Brüssel zu Ende bringen und nicht vorzeitig abbrechen.
Sind ihre eltern besorgt?
Da Brüssel in den letzten Tagen immer in den Top-News war und eigentlich nur Schreckliches berichtet wurde sind natürlich Eltern, Verwandte und Freunde besorgt. Ich bin aber guter Dinge, dass sich die Situation hier bald verbessert.
Maximilian Manzenreiter (21 Jahre, aus Luftenberg) und Daniel Steinbeiß (27 Jahre, aus Linz) besuchen an der Fachhochschule Steyr den Studiengang Controlling, Rechnungswesen und Finanzmanagement; von September 2015 bis Jänner 2016 studieren sie an der EPHEC-University in Brüssel


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