Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

„Ich wusste viel zu wenig über meine Heimatgemeinde“

Robert Hofer, 13.08.2019 11:37

SIERNING. Erwin Brunmayr erzählt bei seinen Rundgängen von der Römerzeit in Neuzeug, dem Erfinder der Mozartkugel, einer berühmten Opernsängerin, dem geplanten Abriss des Schlosses in den 60er-Jahren und dem großen Förderer Anton Landerl.

  1 / 4   In Mappen hat Erwin Brunmayr alle wichtigen Informationen gesammelt. Wöchentlich investiert er 20 bis 25 Stunden in sein Hobby. Fotos: G. Molterer, E. Brunmayr

Die Rivalität in der Marktgemeinde zwischen Sierningern und Neuzeugern kann Erwin Brunmayr nicht nachvollziehen. Er selbst bezeichnet sich als Sierninger, wohnt aber immer schon im Ortsteil Gründberg, der zu Neuzeug gehört. In der Vergangenheit liegt der Grund für so manche nicht immer ernst gemeinte Feindseligkeit. Die Arbeiter waren in Neuzeug zu Hause, die Bürgerlichen in Sierning.

Hobby startet in Pension

Erwin Brunmayr wurde 1948 in Sierning geboren, nach Abschluss der HTL Steyr arbeitete er drei Jahre bei der Vöest in Linz, ehe seine berufliche Karriere bei den Steyrer Werken begann. Er stieg bis zum Leiter der Abteilung „After Sales Service“ auf, kam dadurch in der ganzen Welt herum. „Ich war viel in China, Afrika und Kanada und habe mich dort für die Kultur und Geschichte interessiert“, erzählt der 70-Jährige. Ein Erlebnis ist besonders in Erinnerung geblieben. In Lagos (Nigeria) stieg der Sierninger ins falsche Auto ein und wurde entführt. „Ich habe nach Instinkt gehandelt, die Sache ist gut ausgegangen.“ Im Jahr 2010 ging Brunmayr in Pension. „Da ist mir bewusst geworden, dass ich viel zu wenig über meine Heimatgemeinde weiß.“ Er begann, Informationen zu sammeln, Zeitzeugeninterviews zu führen und Mappen anzulegen.

Schüler als Startschuss

Sein Freund Paul Schlader, Lehrer an der Neuen Mittelschule, ermunterte ihn vor drei Jahren, eine Führung durch Sierning für dessen Schüler zu machen. „Von da an hat es sich rasant entwickelt, das Interesse der Leute war enorm groß“, erzählt Brunmayr, der sich mittlerweile in allen Ortsteilen prächtig auskennt und zwei Varianten seiner Rundgänge anbietet. Sowohl die Tour durch Sierning als auch jene durch Neuzeug-Sierninghofen dauert zwei Stunden. Dabei erhalten die Gruppen aller Altersstufen jede Menge wertvolle Informationen. Etwa dass die Mozartkugel vom Sierninger Paul Fürst erfunden wurde, dass es dank Anny Kaltenbach einst Opernaufführungen gab oder die Mutter von Anton Bruckner 1801 in Neuzeug geboren wurde. Bruckner selbst hatte eine Liebschaft in Sierning und war deshalb oft zu Gast.

Mit dem E-Bike durch die Gemeinde

Als größter Gönner der Marktgemeinde gilt Anton Landerl, er hat unter anderem das Krankenhaus erbauen lassen. „2018 habe ich den Heimatforscher-Lehrgang in Linz gemacht und meine Abschlussarbeit über Landerl geschrieben“, so Brunmayr. Aktuell tüftelt er daran, seine Rundgänge durch Sierning und Neuzeug zu verbinden und Gruppen mit E-Bikes durch die Marktgemeinde zu führen. Außerdem werden jetzt alle bisher gesammelten Unterlagen komplett digitalisiert, von der Gemeinde bekommt Brunmayr für drei Wochen eine Praktikantin zur Verfügung gestellt. „Das zeigt, dass dieses Thema mittlerweile einen großen Stellenwert hat“, freut sich Brunmayr.

Eigenes Stüberl

In Zusammenarbeit mit Kulturreferentin und Vizebürgermeisterin Irene Moser wurden schon viele Aktivitäten gesetzt. Die regelmäßig stattfindenden Heimatforscherstammtische erfreuen sich größter Beliebtheit. Unter dem Motto „Sierning unter die Lupe genommen“ wurde ein Themenweg gestaltet, der in nächster Zeit erweitert werden soll. Im Dachgeschoss im Schloss Sierning wird derzeit das „Heimatforscherstüberl“ eingerichtet, die Eröffnung findet noch heuer statt.

Infos zu den Führungen mit Erwin Brunmayr durch Neuzeug und Sierning gibt es am Marktgemeindeamt:

Tel. 07259/2255-0

E-Mail: gemeinde@sierning.at


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden