Leserbrief: Gegen Corona wird es eines Tages eine Impfung geben, gegen den Klimawandel nicht
STEYR. Gedanken von Kurt Prack (Grüne) zur Gemeinderatssitzung vom 7. Mai zu den Themen Erdgasgeschäft und Westspange.

Zwei Anträge wurden von den Grünen und Neos am 7. Mai im Gemeinderat eingebracht und natürlich von den anderen Fraktionen abgelehnt. Im ersten ging es darum, einen Plan zu entwickeln, wie Steyr bis 2040! aus dem Erdgasgeschäft aussteigen kann. Wohlgemerkt ging es nicht darum, morgen oder übermorgen den Gashahn abzudrehen, sondern lediglich darum, ein Szenario zu entwickeln, wie der aus Klimaschutzgründen nötige Ausstieg in den kommenden 20 Jahren zu schaffen sein soll.
So einfach, dass es jeder verstehen kann
Vizebürgermeister Hauser meinte dazu, dass es völlig egal sei, ob man Gas oder Holz verbrenne. Es stimmt schon, dass die Erde insgesamt immer mit der gleichen Menge CO2 „ausgestattet“ ist. Es ist nur so, dass sie absolut unbewohnbar war, als das, was wir heute in Form von Öl, Kohle und Gas aus der Erde holen, eingelagert wurde. Verbrennen wir einen Baum, so setzen wir genau so viel CO2 frei, wie dieser Baum der Atmosphäre entzogen hat. Das nennt man „klimaneutral“. Verbrennen wir weiter die sogenannten fossilen Energieträger, dann verwandeln wir unsere Welt wieder in das, was sie vor vielen Millionen Jahren war, weil wir eben eingelagertes CO2 freisetzen. Das ist so einfach, dass es jeder und jede verstehen kann. Energiesparen, Wärmedämmungen, Reduktion des Verkehrs und den Ausstieg aus der fossilen Energie, das ist es, was es braucht, um die Erde für uns bewohnbar zu erhalten.
Überdenken nicht gefragt
Damit sind wir beim zweiten Antrag: Es gelte das Projekt Westspange neu zu überdenken, die Zahlen zu überprüfen, die Kosten zu berücksichtigen, da sich einerseits vermutlich das Verkehrsaufkommen ändern wird und u.a. durch Corona die Budgets in Bund, Land und Stadt schwer belastet sein werden. Auch hier wurde nicht gefordert (was mir persönlich viel lieber gewesen wäre), dass wir das Projekt einfach fallen lassen. Nein, es sollte nur überdacht und neu beurteilt werden. Überdenken, damit haben es die Roten, Blauen und Schwarzen offenbar nicht so. Antrag abgelehnt, weitere 50.000 Euro für die Westspange mit Mehrheit beschlossen.
Umwelt- und Klimaschutz kein Thema
Zusammenfassend zeigte die Sitzung einmal mehr, dass Umwelt- und Klimaschutz für die alten Fraktionen kein Thema sind. Dass Willi Hauser einen Klimaschutzwettbewerb als Beispiel nannte, wie viel die Stadt Steyr für die Sache ohnehin schon tut, wäre echt lustig, würde er so etwas nicht ernst meinen. Frustrierend - und ich sehe mich einmal mehr in der Meinung bestätigt, dass sich erst nach der Wachablöse bei den Betonfraktionen etwas bewegen wird. Hoffentlich (und leider sehr spät).
PS.: Gegen Corona wird es eines Tages eine Impfung geben, gegen den Klimawandel nicht.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden