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STEYR. Der deutsche Verkehrsforscher und Autor Winfried Wolf ist am Mittwoch, 6. April, um 18.30 Uhr im Dominikanerhaus in Steyr zu Gast. Dort präsentiert er sein Buch „Tempowahn“.

 (Foto: Weihbold)
(Foto: Weihbold)

Mit dem Begriff „Tempowahn“ verbindet man vordergründig Autorennen. Oder man assoziiert damit neue SUV-Modelle und Sportwagen mit 300 und mehr PS, gegebenenfalls als Elektro-SUVs wie Tesla S oder Porsche Taycan. Auch kommen einem die deutschen Autobahnen in den Sinn, auf denen über weite Strecken „Tempofreiheit“ herrscht. Der Verkehrsforscher Winfried Wolf findet beim Thema der Beschleunigung noch ganz andere, erstaunliche Zusammenhänge. Solche zwischen Tempowahn und Demokratieabbau, zwischen Geschwindigkeitsfetischismus und Faschismus, zwischen PS-Hochrüstung und Männlichkeitswahn oder zwischen Entschleunigung und Urbanität.

Betonorgien führen zu Zerstörung

Wolf besuchte für seine Recherche die Automessen der Gegenwart. Entgegen allen Bekundungen ist dort für die Hersteller die Geschwindigkeit der neuen Modelle noch immer das wesentlichste Verkaufsargument – der SUV-Boom hält unverändert an. Nach dem aktuellen Befund dringt Wolf ein in die Geschichte der Mobilität als ständig beschleunigte Bewegung von Menschen, wobei diese – von der Eisenbahn über das Automobil bis zum Flugzeug – nicht mit einem Mehr an Kommunikation einherging. Die brutalste politische Ausformung fand der Geschwindigkeitsfetischismus im Faschismus. Doch auch in den heutigen Gesellschaften ortet der Autor eine fatale Verbindung zwischen Beschleunigung und autoritären Denkmustern. Der Tempowahn ist auch für die Allgemeinheit äußerst schädlich: Rasende Autos und Betonorgien führen zu Stadtzerstörung und Verlust an Urbanität. Tempowahn und Geschwindigkeitsfetischismus, so konstatiert Wolf, müssen endlich der Entschleunigung und der Demokratie weichen.

Der Autor Winfried Wolf, geboren 1949 in Horb am Neckar, studierte Politikwissenschaften in Freiburg und Berlin und promovierte in Hannover. Von 1994 bis 2002 war er Mitglied des deutschen Bundestags. Er ist Chefredakteur von „Lunapark21“. Zahlreiche Publikationen zu Verkehrsfragen, u.a. „Verkehr, Umwelt, Klima: Die Globalisierung des Tempowahns“ (2009), „Mit dem Elektroauto in die Sackgasse“ (2019) und, zusammen mit Carl Waßmuth „Verkehrswende - Ein Manifest“ (2020)


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